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Haut häuten

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Anatomie & Körperbau > Haut, Fell & Co

Definition & Überblick

Unter dem Begriff Häutung (lateinisch Ecdysis) versteht man den physiologischen Vorgang des teilweisen oder vollständigen Abstoßens der äußeren Hautschichten eines Tieres. Dieser Prozess dient der Erneuerung der Epidermis (Oberhaut) und ist bei zahlreichen Tiergruppen ein zyklisch wiederkehrendes Ereignis, das durch hormonelle Steuerung reguliert wird. Während Säugetiere ihre Haut kontinuierlich und unauffällig durch Abschilferung einzelner Hornzellen (Desquamation) erneuern, erfolgt die Häutung bei Reptilien, Amphibien und Arthropoden in deutlich sichtbaren, klar abgegrenzten Phasen. Der Vorgang ist eng mit dem Wachstum, dem Stoffwechsel und der allgemeinen Gesundheit des Tieres verknüpft und stellt bei exothermen Wirbeltieren sowie wirbellosen Tieren einen essenziellen Abschnitt des Lebenszyklus dar.

Aufbau & Struktur der Haut im Kontext der Häutung

Die Haut (Cutis, Integumentum commune) besteht grundsätzlich aus drei Schichten: der Epidermis (Oberhaut), der Dermis (Lederhaut, Corium) und der Subcutis (Unterhaut, Tela subcutanea). Für den Häutungsvorgang ist vor allem die Epidermis relevant, genauer deren oberste Hornschicht (Stratum corneum).

  • Reptilien besitzen eine besonders dicke, stark keratinisierte Epidermis. Zwischen der alten und der neu gebildeten Hornschicht entsteht vor der Häutung eine Spaltzone (Shedding layer), in der enzymatische Prozesse die Verbindung auflösen. Bei Schlangen löst sich die alte Haut als zusammenhängendes Gebilde, das sogenannte Exuvie oder Natternhemd.
  • Amphibien besitzen eine dünnere, drüsenreiche Epidermis. Die abgestoßene Haut wird bei vielen Arten unmittelbar nach der Häutung gefressen (Dermatophagie), um Nährstoffe zurückzugewinnen.
  • Arthropoden (Insekten, Spinnentiere, Krebstiere) tragen ein starres Außenskelett (Exoskelett) aus Chitin und Proteinen (Cuticula). Das Wachstum ist hier nur durch periodische Häutung möglich, bei der die gesamte Cuticula abgestreift wird.

Funktion

Die Häutung erfüllt je nach Tiergruppe mehrere zentrale Funktionen:

  • Wachstum: Bei Arthropoden ist die Häutung obligat, da das starre Exoskelett kein kontinuierliches Wachstum zulässt. Jede Häutung markiert einen neuen Entwicklungsabschnitt (Instar).
  • Regeneration: Beschädigte, abgenutzte oder durch Parasiten befallene Hautareale werden durch frische Epidermisschichten ersetzt. Reptilien erneuern so regelmäßig ihre gesamte Oberhaut.
  • Schutz: Die neue Hautoberfläche bietet einen intakten Schutz gegen mechanische Einwirkungen, UV-Strahlung, Austrocknung und mikrobielle Besiedlung.
  • Metamorphose: Bei Amphibien begleitet die Häutung den Übergang vom larvalen zum adulten Stadium. Kaulquappen verlieren dabei ihre larvale Haut und entwickeln die drüsenreiche Erwachsenenhaut.

Hormonell gesteuert wird die Häutung bei Arthropoden durch das Steroidhormon Ecdyson (auch 20-Hydroxyecdyson), das in den Prothorakaldrüsen (Insekten) bzw. dem Y-Organ (Krebstiere) gebildet wird. Das antagonistisch wirkende Juvenilhormon bestimmt, ob eine Larval- oder eine Imaginalhäutung erfolgt. Bei Reptilien regulieren Schilddrüsenhormone (Thyroxin) und Wachstumshormone die Häutungsfrequenz.

Unterschiede zwischen Tierarten

Schlangen häuten sich in der Regel in einem Stück. Die sogenannte Exuvie umfasst auch die transparente Hornhautabdeckung der Augen (Brille, Spectaculum). Vor der Häutung trübt sich die Augenbrille ein, die Tiere werden temporär sehbehindert und zeigen häufig Nahrungsverweigerung.

Echsen häuten sich dagegen meist stückweise in größeren Hautfetzen. Die Dauer des gesamten Vorgangs kann mehrere Tage betragen. Bei Geckos und Leguanen lässt sich die Häutung gut an den sich ablösenden Hautresten an Zehen, Schwanz und Kopf beobachten.

Amphibien wie Frösche und Salamander häuten sich häufiger als Reptilien – je nach Art und Umgebungstemperatur alle ein bis vier Wochen. Der Vorgang dauert oft nur wenige Minuten und wird durch stereotype Bewegungen begleitet: Das Tier krümmt den Rücken, streift die Haut mit den Hinterbeinen ab und verschluckt sie.

Arthropoden durchlaufen eine definierte Anzahl von Häutungen. Insekten mit vollständiger Metamorphose (Holometabolie) häuten sich als Larve mehrfach, bevor sie sich verpuppen. Spinnen häuten sich je nach Art zwischen fünf und fünfzehn Mal bis zur Geschlechtsreife. Große Vogelspinnen (Theraphosidae) häuten sich auch als Adulttiere weiterhin.

Säugetiere durchlaufen keine Häutung im engeren Sinne. Die Epidermis wird kontinuierlich erneuert, indem basale Keratinozyten proliferieren und nach außen wandern, wo sie als tote Korneozyten abgeschilfert werden. Der saisonale Fellwechsel (Haarwechsel) bei Hunden, Katzen und Pferden wird gelegentlich umgangssprachlich als „Häutung" bezeichnet, ist aber biologisch ein anderer Vorgang.