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Hinterhand

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Definition und Überblick

Als Hinterhand wird beim Pferd der gesamte hintere Körperabschnitt bezeichnet, der sich vom Becken über Kruppe, Hüfte, Oberschenkel, Kniegelenk, Unterschenkel, Sprunggelenk und Röhrbein bis hin zum Huf erstreckt. Die Hinterhand bildet den Antriebsmotor des Pferdes und ist für Schub, Tragkraft und Schwung verantwortlich. In der Reitlehre, insbesondere in der klassischen Dressur, spielt die gezielte Gymnastizierung und Stärkung der Hinterhand eine zentrale Rolle, da sie die Grundlage für Versammlung, Durchlässigkeit und Losgelassenheit bildet.

Anatomie der Hinterhand

Die Hinterhand umfasst eine komplexe Struktur aus Knochen, Gelenken, Muskeln, Sehnen und Bändern. Die knöcherne Grundlage bildet das Becken (Pelvis), das über das Kreuzbein fest mit der Wirbelsäule verbunden ist. Vom Becken ausgehend folgen der Oberschenkelknochen (Femur), das Kniegelenk (Kniescheibe und Kniegelenkkomplex), Schienbein und Wadenbein als Unterschenkelknochen sowie das Sprunggelenk (Tarsalgelenk). Unterhalb des Sprunggelenks schließen sich Röhrbein, Fesselgelenk, Fessel, Kronbein und Huf an.

Die großen Muskelgruppen der Hinterhand – insbesondere die Kruppen-, Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur – erzeugen die Kraft, die das Pferd nach vorne bewegt. Der Musculus gluteus medius (mittlerer Gesäßmuskel) gehört zu den stärksten Muskeln des Pferdes. Gemeinsam mit dem langen Rückenmuskel (Musculus longissimus dorsi) und der Oberschenkelmuskulatur bildet er eine funktionelle Einheit, die als Schub- und Tragkraftapparat dient.

Funktion der Hinterhand in der Bewegung

Die Hinterhand erfüllt beim Pferd zwei wesentliche Aufgaben:

  • Schubkraft: Durch das Abfußen der Hinterbeine vom Boden wird das Pferd nach vorne bewegt. Diese Vorwärtsbewegung ist die Grundlage jeder Gangart – Schritt, Trab und Galopp.
  • Tragkraft: Bei der Versammlung übernimmt die Hinterhand vermehrt das Gewicht von Pferd und Reiter. Die Hinterbeine treten weiter unter den Schwerpunkt, die Hanken (Hüft-, Knie- und Sprunggelenk) beugen sich stärker. Diesen Vorgang bezeichnet man als Hankenbeugung.

Ein unausbalanciertes Pferd verlagert sein Gewicht überwiegend auf die Vorhand, was langfristig zu Verschleißerscheinungen an Vorderbeinen und Hufen führen kann. Die systematische Arbeit an der Lastaufnahme durch die Hinterhand dient daher nicht nur der reiterlichen Verfeinerung, sondern auch dem Erhalt der Gesundheit des Pferdes.

Hinterhand in der Ausbildungsskala

Die klassische Ausbildungsskala der deutschen Reitlehre beschreibt den systematischen Aufbau der Pferdeausbildung in sechs Stufen: Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung und Versammlung. Die Hinterhand ist in jeder dieser Stufen beteiligt, gewinnt jedoch mit fortschreitender Ausbildung zunehmend an Bedeutung.

Bereits bei der Arbeit am Schwung geht es darum, die Energie aus der Hinterhand über einen schwingenden Rücken bis zum Maul des Pferdes durchzuleiten – ein Vorgang, der als Durchlässigkeit bezeichnet wird. In der höchsten Stufe, der Versammlung, soll das Pferd seine Hinterbeine aktiv unter den Schwerpunkt setzen, die Hanken vermehrt beugen und dadurch die Vorhand entlasten. Die Kruppe senkt sich, die Vorhand wird leicht und erhaben. Lektionen wie Piaffe, Passage, Pirouette und Schulhalt sind Ausdruck einer optimal ausgebildeten Hinterhand.

Training und Gymnastizierung

Die gezielte Kräftigung der Hinterhand ist ein langfristiger Prozess, der sich über die gesamte Ausbildung erstreckt. Verschiedene Übungen und Lektionen dienen der systematischen Stärkung:

  • Übergänge: Häufige Wechsel zwischen den Gangarten und innerhalb einer Gangart (z. B. Arbeitstrab – Mitteltrab – Arbeitstrab) fördern die Aktivität der Hinterbeine und verbessern die Reaktion auf die treibenden Hilfen.
  • Seitengänge: Schulterherein, Travers (Kruppeherein), Renvers (Kruppeheraus) und Traversalen verlangen eine vermehrte seitliche und vorwärts-seitwärts gerichtete Tätigkeit der Hinterbeine und erhöhen die Geschmeidigkeit der Hüftgelenke.
  • Bergauf-Reiten und Cavaletti-Arbeit: Das Reiten in leichtem Gelände bergauf sowie das Übertreten von Cavaletti-Stangen stärkt die Muskulatur der Hinterhand und fördert das aktive Untertreten.
  • Rückwärtsrichten: Diese Lektion verlangt eine deutliche Beugung der Hankengelenke und gehört zu den effektivsten Übungen zur Kräftigung der Hinterhand.
  • Halbe Paraden: Korrekt gegebene halbe Paraden animieren das Pferd, das Gewicht vermehrt auf die Hinterhand aufzunehmen und fördern die Balance zwischen Schub- und Tragkraft.

Auch die Arbeit an der Longe und die Bodenarbeit bieten wertvolle Möglichkeiten, die Hinterhand ohne Reitergewicht zu aktivieren und zu kräftigen. Insbesondere bei jungen oder rehabilitierten Pferden ist dieser Ansatz sinnvoll.

Beurteilung und häufige Probleme

Die Qualität der Hinterhand wird im Pferdesport nach verschiedenen Kriterien beurteilt. Bei der Exterieurbeurteilung spielen eine gut bemuskelte Kruppe, korrekte Winkelung der Gelenke und eine ausreich