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Hochmoor

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Definition und Überblick

Ein Hochmoor ist ein nährstoffarmer, durch Regenwasser gespeister Moortyp, der sich über Jahrtausende durch die Ansammlung von nur unvollständig zersetztem Pflanzenmaterial – vor allem Torfmoos (Sphagnum) – aufbaut. Im Gegensatz zum Niedermoor, das durch Grundwasser oder Oberflächenwasser versorgt wird, bezieht das Hochmoor seinen gesamten Wasserhaushalt ausschließlich aus Niederschlägen. Daher wird es auch als ombrotropes Moor (griech. ombros = Regen) oder Regenmoor bezeichnet. Durch die stetige Torfbildung wächst die Mooroberfläche über den umliegenden Grundwasserspiegel hinaus empor – daher der Name „Hochmoor". Dieser Lebensraum zählt zu den extremsten und zugleich artenärmsten Biotopen Mitteleuropas, beherbergt jedoch eine hoch spezialisierte Tier- und Pflanzenwelt.

Entstehung und Entwicklung

Hochmoore entstehen in Regionen mit hohen Niederschlagsmengen und kühlen Temperaturen, in denen die Verdunstung gering bleibt. Die Moorentwicklung, auch Paludifikation genannt, beginnt häufig mit einem Niedermoor oder Verlandungsmoor, das sich durch zunehmende Torfakkumulation vom mineralhaltigen Grundwasser abkoppelt. Dieser Vorgang wird als Verarmungssukzession bezeichnet.

Das entscheidende Element der Torfbildung sind Torfmoose (Gattung Sphagnum). Sie besitzen die Fähigkeit, große Mengen Wasser zu speichern – bis zum Zwanzigfachen ihres Trockengewichts – und gleichzeitig den pH-Wert ihrer Umgebung durch den Austausch von Kationen gegen Wasserstoffionen stark abzusenken. Das saure, sauerstoffarme und nährstoffarme Milieu hemmt die Zersetzung organischen Materials erheblich. Abgestorbene Pflanzenteile werden nicht vollständig abgebaut, sondern lagern sich als Torf ab. In Mitteleuropa wächst ein Hochmoor durchschnittlich nur etwa einen Millimeter pro Jahr in die Höhe.

Charakteristische Lebensraumstruktur

Ein typisches, intaktes Hochmoor weist eine uhrglasförmig gewölbte Oberfläche auf. In seinem Zentrum liegt die sogenannte Hochfläche, die von einem nässeren Randbereich, dem Lagg, umgeben ist. Die Oberfläche gliedert sich in ein Mosaik aus verschiedenen Kleinstlebensräumen:

  • Bulten: Erhöhte, trockenere Polster aus Torfmoos, Heidekrautgewächsen und Zwergstrauchvegetation.
  • Schlenken: Nasse Senken zwischen den Bulten, in denen offenes Wasser stehen kann und besonders feuchtigkeitsliebende Arten vorkommen.
  • Kolke: Tiefere, dauerhaft wasserführende Tümpel innerhalb der Moorfläche.
  • Rüllen: Abflussbahnen, über die überschüssiges Wasser abfließt.

Dieses kleinräumige Relief aus trockeneren und nasseren Bereichen schafft eine erstaunliche Vielfalt an Mikrohabitaten, die für die dort lebenden Organismen von zentraler Bedeutung ist.

Tierwelt des Hochmoors

Die extremen Bedingungen – saures Wasser mit pH-Werten zwischen 3 und 5, Nährstoffarmut, starke Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht – stellen hohe Anforderungen an die Tierwelt. Entsprechend kommen im Hochmoor vorwiegend spezialisierte Arten vor, die an anderer Stelle selten oder gar nicht zu finden sind. Viele dieser Arten gelten als Moorspezialisten oder tyrphobionte Arten (an Torf gebundene Arten).

Zu den charakteristischen Wirbellosen zählen zahlreiche Libellenarten, darunter die Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica), die Arktische Smaragdlibelle (Somatochlora arctica) und die Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia). Diese Arten sind auf die sauren, fischfreien Moorgewässer als Larvalhabitat angewiesen. Ebenso treten spezialisierte Laufkäfer, Spinnen und Schmetterlinge auf, etwa der Hochmoor-Gelbling (Colias palaeno), dessen Raupen sich von Rauschbeere ernähren.

Unter den Wirbeltieren nutzen vor allem Vögel das Hochmoor als Lebensraum. Birkhuhn (Lyrurus tetrix), Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria), Bekassine (Gallinago gallinago) und Raubwürger (Lanius excubitor) brüten in offenen Moorflächen. Kreuzotter (Vipera berus) und Mooreidechse (Waldeidechse, Zootoca vivipara) gehören zu den typischen Reptilien. In den Kolken und Schlenken leben Moorfrosch (Rana arvalis) und verschiedene Molcharten.

Eine ökologische Besonderheit stellen die fleischfressenden Pflanzen des Hochmoors dar – Sonnentau (Drosera) und Fettkraut (Pinguicula) –, die den Nährstoffmangel durch den Fang kleiner Insekten ausgleichen. Sie stehen in direkter ökologischer Wechselwirkung mit der Insektenfauna des Moors.

Gefährdung und Schutz

Hochmoore gehören zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen Europas. In Deutschland sind über 95 Prozent der ursprünglichen Hochmoorflächen durch Entwässerung, Torfabbau, landwirtschaftliche Nutzung und Aufforstung zerstört oder schwer geschädigt. Die Entwässerung durch Gräben führt zum Absinken des Wasserspiegels, wodurch der Torf mit Sauerstoff in Kontakt gerät, sich zersetzt und große Mengen des gespeicherten Kohlenstoffs als CO₂ frei