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Hochwald

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Definition und Überblick

Als Hochwald bezeichnet man in der Forstwirtschaft und Waldökologie einen Waldbestand, dessen Bäume aus Sämlingen hervorgegangen sind – also aus generativer Vermehrung durch Samen stammen. Der Begriff grenzt sich damit klar vom Niederwald ab, bei dem die Bäume vegetativ aus Stockausschlägen oder Wurzelbrut nachwachsen, sowie vom Mittelwald, der eine Kombination beider Bewirtschaftungsformen darstellt. Der Hochwald ist heute die vorherrschende Waldform in Mitteleuropa und prägt die meisten Forst- und Naturwaldflächen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Der Name „Hochwald" leitet sich nicht primär von der Höhenlage ab, sondern von der Wuchshöhe der Bäume: Da samengebürtige Bäume in der Regel deutlich höher und geradschaftiger wachsen als Stockausschläge, erreichen Hochwälder beträchtliche Bestandeshöhen. Typische Umtriebszeiten – also die Zeitspanne zwischen Begründung und Endnutzung – liegen bei 80 bis 180 Jahren, je nach Baumart und Standort.

Entstehung und Bewirtschaftungsformen

Ein Hochwald entsteht entweder durch Naturverjüngung, bei der die Samen der Altbäume auf natürliche Weise keimen, oder durch Kunstverjüngung mittels Saat und Pflanzung. In beiden Fällen entwickeln sich eigenständige Wurzelsysteme mit einer Pfahlwurzel oder einem Herzwurzelsystem, was den Bäumen eine hohe Standfestigkeit verleiht.

Innerhalb der Hochwaldwirtschaft unterscheidet man mehrere Betriebsarten:

  • Altersklassenwald (Schlagwald): Der Bestand wird flächig genutzt und anschließend gleichzeitig neu begründet. Es entstehen weitgehend gleichaltrige Baumgruppen.
  • Plenterwald (Dauerwald): Einzelne Bäume oder kleine Gruppen werden fortlaufend entnommen, sodass ein ungleichaltriger, stufiger Bestand mit Bäumen aller Altersklassen entsteht. Diese Form gilt als besonders naturnah.
  • Femelwald: Eine Zwischenform, bei der durch kleinflächige Hiebe sogenannte Femellöcher entstehen, in denen sich Naturverjüngung einstellt.

Der Trend in der modernen Forstwirtschaft geht zunehmend weg vom klassischen Altersklassenwald hin zu naturnahen Bewirtschaftungskonzepten mit ungleichaltrigen Mischbeständen.

Ökologische Bedeutung als Lebensraum

Der Hochwald stellt für zahlreiche Tierarten einen unverzichtbaren Lebensraum dar. Durch die ausgeprägte vertikale Schichtung – von der Krautschicht über die Strauchschicht bis zum geschlossenen Kronendach – bietet er eine Vielzahl ökologischer Nischen.

In der Baumschicht brüten Greifvögel wie Habicht, Mäusebussard und Schwarzstorch, die auf hohe, störungsarme Bäume angewiesen sind. Spechte – darunter der Schwarzspecht als Leitart alter Buchenwälder – schaffen durch ihre Höhlenbauten Brutplätze für Nachmieter wie Hohltaube, Raufußkauz und verschiedene Fledermausarten. Das Totholz, das in naturnahen Hochwäldern stehen bleibt oder am Boden liegt, ist Lebensgrundlage für Hunderte von Käferarten, darunter den seltenen Hirschkäfer und den Eremiten.

Die Strauch- und Krautschicht dient Singvögeln wie Rotkehlchen, Zaunkönig und Waldlaubsänger als Brut- und Nahrungshabitat. Am Waldboden leben Amphibien wie Feuersalamander und Erdkröte, die auf die gleichmäßige Feuchtigkeit und kühlen Temperaturen unter dem Kronendach angewiesen sind. Säugetiere wie Rothirsch, Reh, Wildschwein und Baummarder nutzen den Hochwald als Einstand, Nahrungsquelle und Fortpflanzungsgebiet.

Besonders artenreich sind alte Hochwaldbestände mit einem hohen Anteil an Altbäumen, stehendem Totholz und einer vielfältigen Bodenvegetation. Solche Bestände werden in der Naturschutzbiologie als Altholzinseln oder Habitatbaumgruppen gezielt erhalten.

Standortbedingungen und typische Baumarten

Hochwälder kommen auf nahezu allen Standorten vor, von nährstoffarmen Sandböden bis zu tiefgründigen Lehmstandorten, von der Ebene bis in die montane Stufe. Die jeweilige Baumartenausstattung hängt stark von Klima, Boden, Wasserhaushalt und Höhenlage ab:

  • Tiefland und Hügelland: Rotbuche, Stieleiche, Traubeneiche, Hainbuche, Gemeine Esche
  • Montane Stufe: Rotbuche, Bergahorn, Weißtanne, Gemeine Fichte
  • Subalpine Stufe: Fichte, Zirbelkiefer, Lärche
  • Nährstoffarme Standorte: Waldkiefer, Birke

In Mitteleuropa wäre ohne menschlichen Einfluss die Rotbuche die dominierende Baumart in der Mehrzahl der Hochwälder. Durch jahrhundertelange forstwirtschaftliche Nutzung wurden jedoch großflächig Nadelholz-Reinbestände – vor allem Fichtenforste – angelegt, die ökologisch deutlich weniger wertvoll sind als naturnahe Laubmischwälder.

Abgrenzung zum Niederwald und Mittelwald

Im Gegensatz zum Hochwald basiert der Niederwald auf dem regelmäßigen Rückschnitt (Auf-den-Stock-setzen) der Bäume in kurzen Umtriebszeiten von 15 bis 30 Jahren. Die nachwachsenden Stockausschläge lieferten historisch vor allem Brennholz und Gerbrinde. Der Mittelwald kombiniert eine Oberschicht aus samengebürtigen Überhältern mit einer Unterschicht aus Stockausschlägen.

Beide Waldformen waren bis ins 19. Jahrhundert in Mitteleuropa weit verbreitet und wurden dann zunehmend in Hochwald überführt. Aus naturschutzfachlicher Sicht sind