Höhlennest
HBiologie & Ökologie > Lebensräume & Geländebegriffe – weitere
Definition und Überblick
Ein Höhlennest ist eine Brutstätte, die sich in einer natürlichen oder künstlichen Hohlraumstruktur befindet. Im Gegensatz zu frei stehenden Nestern, die offen auf Ästen, am Boden oder an Felsen errichtet werden, nutzen Höhlenbrüter geschützte Hohlräume in Bäumen, Felsspalten, Erdlöchern oder menschlichen Bauwerken. Der Begriff umfasst dabei sowohl Nester in selbst gezimmerten Höhlen – etwa bei Spechten – als auch solche in bereits vorhandenen Hohlräumen, die von sogenannten Nachnutzern bezogen werden.
Höhlennester kommen in nahezu allen terrestrischen Lebensräumen vor: in Laub- und Nadelwäldern, Steppen, Wüsten, Gebirgsregionen und im urbanen Raum. Sie werden von Vögeln, Säugetieren, Reptilien und einigen Insektenarten angelegt oder bewohnt. Ihre ökologische Bedeutung reicht weit über die eigentliche Brut hinaus, denn sie dienen auch als Schlafplatz, Überwinterungsquartier und Nahrungsdepot.
Typen von Höhlennestern
Je nach Entstehung und Lage lassen sich verschiedene Typen von Höhlennestern unterscheiden:
- Baumhöhlen: Der häufigste Typ in Waldökosystemen. Primärhöhlen werden aktiv von Spechten oder anderen Zimmererarten in lebendes oder totes Holz geschlagen. Sekundärhöhlen entstehen durch Fäulnisprozesse, Pilzbefall oder Astabbrüche und werden von Nachnutzern wie Meisen, Kleibern, Staren, Fledermäusen oder Siebenschläfern besiedelt.
- Felshöhlen und Nischen: In Gebirgsregionen und an Steilwänden brüten Arten wie Mauerläufer, Dohlen, Uhus und verschiedene Falkenvögel in natürlichen Felsspalten und Gesteinshöhlen.
- Erdhöhlen: Eisvogel, Uferschwalbe und Bienenfresser graben Brutröhren in sandige oder lehmige Steilwände. Auch Kaninchen und Füchse legen unterirdische Bauten an, die als Wurfhöhlen dienen.
- Gebäudebrüter-Höhlen: Mauersegler, Haussperling, Schleiereule und Turmfalke nutzen Hohlräume in Dachstühlen, Mauerlücken, Kirchtürmen und anderen Bauwerken als Ersatz für natürliche Nistplätze.
- Künstliche Nisthöhlen: Nistkästen, Brutröhren und spezielle Fledermausquartiere werden vom Menschen als Ersatz für fehlende natürliche Baumhöhlen angeboten.
Ökologische Vorteile des Höhlenbrütens
Die Brut in geschützten Hohlräumen bietet gegenüber offenen Nestern mehrere Vorteile. Der umschließende Hohlraum wirkt als Witterungsschutz gegen Regen, Wind und direkte Sonneneinstrahlung. Die Temperatur innerhalb einer Baumhöhle schwankt deutlich weniger als in der Umgebung, was den Energieaufwand für die Bebrütung der Eier reduziert.
Ein wesentlicher Vorteil betrifft den Prädationsschutz. Der enge Eingang einer Bruthöhle erschwert vielen Fressfeinden den Zugang. Einige Arten wie der Kleiber verkleinern den Höhleneingang zusätzlich mit Lehm, um größere Räuber fernzuhalten. Studien zeigen, dass der Bruterfolg bei Höhlenbrütern im Durchschnitt höher liegt als bei Freibrütern, da weniger Gelege durch Nesträuber wie Marder, Krähen oder Elstern geplündert werden.
Allerdings sind Höhlenbrüter auch spezifischen Risiken ausgesetzt. Ein bereits besetzter Hohlraum kann von konkurrenzstärkeren Arten übernommen werden. So vertreiben Stare regelmäßig kleinere Meisenarten aus deren Bruthöhlen. In Erdhöhlen besteht zudem die Gefahr von Überflutung bei starken Regenfällen.
Höhlenangebot und Konkurrenz
In natürlichen Wäldern mit hohem Alt- und Totholzanteil stehen zahlreiche Baumhöhlen zur Verfügung. Intensiv bewirtschaftete Forste mit kurzen Umtriebszeiten weisen dagegen einen deutlichen Mangel an geeigneten Bruthohlräumen auf. Dieser Höhlenmangel führt zu verstärkter innerartlicher und zwischenartlicher Konkurrenz um die verbleibenden Nistplätze.
Besonders betroffen sind Arten, die auf bereits vorhandene Höhlen angewiesen sind und selbst keine anlegen können. Dazu zählen unter anderem Trauerschnäpper, Gartenrotschwanz, Wendehals und Hohltaube. Auch Fledermausarten wie das Braune Langohr oder die Bechsteinfledermaus benötigen Baumhöhlen als Wochenstuben und Tagesquartiere. Die Verfügbarkeit von Höhlennestern wird damit zu einem limitierenden Faktor für die Populationsgröße dieser Arten.
Eine Schlüsselrolle spielen die Primärhöhlenbauer, allen voran die Spechte. Der Buntspecht, Schwarzspecht und Grünspecht schaffen durch ihre Bautätigkeit jedes Jahr neue Höhlen, die nach dem Verlassen von Dutzenden anderer Arten nachgenutzt werden. Der Schwarzspecht als größter europäischer Specht zimmert besonders geräumige Höhlen, die sogar der Hohltaube und dem Raufußkauz als Brutplatz dienen. Spechte gelten daher als sogenannte Schlüsselarten oder Ökosystem-Ingenieure.
Schutz und Förderung von Höhlenbrütern
Der Schutz natürlicher Bruthohlräume gehört zu den zentralen Maßnahmen im Artenschutz. Die Erhaltung von Altholzbeständen, stehendem Totholz und sogenannten Habitatbäumen in Wäldern sichert das Angebot an Baumhöhlen langfristig. Viele Forstbetriebe kennzeichnen inzwischen Höhlenbäume und stellen sie von der Nutzung frei.
Im Siedlungsbereich bedroht die energetische Gebäudesanierung zahlreiche Gebäudebrüter. Die Verschließung von Mauernischen und Dachspalten beseitigt Nistpl