Impfung
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Definition & Überblick
Eine Impfung (Vakzination) ist eine gezielte medizinische Maßnahme, bei der das Immunsystem eines Tieres durch die Verabreichung eines Impfstoffs (Vakzine) dazu angeregt wird, eine spezifische Abwehrreaktion gegen bestimmte Krankheitserreger aufzubauen. Ziel ist es, das Tier vor schweren, oft lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten zu schützen, bevor es mit dem eigentlichen Erreger in Kontakt kommt.
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen aktiver Immunisierung und passiver Immunisierung. Bei der aktiven Impfung werden abgeschwächte (attenuierte) oder abgetötete (inaktivierte) Erreger bzw. deren Bestandteile verabreicht. Der Körper bildet daraufhin Antikörper und Gedächtniszellen, die bei einer späteren Infektion sofort reagieren können. Die passive Immunisierung hingegen beruht auf der direkten Gabe fertiger Antikörper (Immunseren), die einen sofortigen, aber zeitlich begrenzten Schutz bieten.
In der Tiermedizin wird zwischen Core-Impfungen (Pflichtimpfungen, die jedes Tier erhalten sollte) und Non-Core-Impfungen (Wahlimpfungen je nach individueller Risikolage) unterschieden. Die Tollwutimpfung nimmt eine Sonderstellung ein, da sie in vielen Ländern gesetzlich vorgeschrieben ist und dem Schutz vor einer auf den Menschen übertragbaren Zoonose dient.
Ursachen & Risikofaktoren
Die Notwendigkeit einer Impfung ergibt sich aus der ständigen Bedrohung durch Infektionskrankheiten. Zahlreiche Viren, Bakterien und andere Krankheitserreger können bei Tieren schwere, teils tödlich verlaufende Erkrankungen auslösen. Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko einer Infektion und machen eine konsequente Impfprophylaxe besonders wichtig:
- Jungtiere: Welpen und Kitten verlieren den über die Muttermilch (Kolostrum) aufgenommenen Nestschutz (maternale Antikörper) etwa zwischen der 6. und 16. Lebenswoche. In dieser Phase besteht eine sogenannte immunologische Lücke, in der die Tiere besonders anfällig sind.
- Kontakt zu Artgenossen: Tiere in Tierheimen, Zuchtbetrieben, Hundeschulen oder auf Ausstellungen sind einem erhöhten Infektionsdruck ausgesetzt.
- Freigang: Katzen mit Zugang ins Freie oder Hunde mit Kontakt zu Wildtieren haben ein deutlich höheres Expositionsrisiko.
- Reisen: Bei Auslandsaufenthalten können Erreger vorkommen, die in der Heimatregion nicht verbreitet sind – etwa Leishmaniose oder Babesiose im Mittelmeerraum.
- Immunschwäche: Ältere Tiere, chronisch kranke oder immunsupprimierte Patienten können besonders schwer erkranken.
Symptome & Erkennung
Da es sich bei der Impfung um eine prophylaktische Maßnahme handelt, treten keine Krankheitssymptome auf, die eine Impfung anzeigen. Vielmehr geht es darum, Krankheitsanzeichen zu verhindern. Dennoch können nach einer Impfung Impfreaktionen auftreten, die in der Regel harmlos und selbstlimitierend sind:
- Lokale Reaktionen: Leichte Schwellung, Rötung oder Druckempfindlichkeit an der Injektionsstelle, die innerhalb weniger Tage abklingt.
- Allgemeine Reaktionen: Müdigkeit, leichtes Fieber, vorübergehende Appetitlosigkeit oder reduzierte Aktivität für ein bis zwei Tage nach der Impfung.
- Seltene Nebenwirkungen: In sehr seltenen Fällen können allergische Reaktionen (Anaphylaxie) mit Symptomen wie Gesichtsschwellung, Erbrechen, Atemnot oder Kreislaufkollaps auftreten. Bei Katzen ist das sogenannte Feline Injection-Site Sarcoma (FISS) eine seltene, aber schwerwiegende Komplikation – ein bösartiger Tumor an der Injektionsstelle.
Diagnose
Die Entscheidung, welche Impfungen ein Tier benötigt, basiert auf einer individuellen Risiko-Nutzen-Analyse durch den Tierarzt. Dabei werden Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand, Haltungsform, geografische Lage und geplante Reisen berücksichtigt.
Zur Überprüfung des bestehenden Immunschutzes kann eine Titerbestimmung (serologische Antikörpermessung) durchgeführt werden. Hierbei wird aus einer Blutprobe die Konzentration spezifischer Antikörper im Serum bestimmt. Ein ausreichend hoher Titer zeigt an, dass das Tier noch über einen belastbaren Schutz verfügt und eine Auffrischungsimpfung möglicherweise noch nicht notwendig ist. Diese Methode ist vor allem bei Hunden für die Erreger von Staupe, Parvovirose und Hepatitis contagiosa canis etabliert und wird von der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) als Alternative zu starren Impfintervallen anerkannt.
Behandlung & Therapie
Die Impfung selbst ist keine Behandlung im klassischen Sinne, sondern eine vorbeugende Maßnahme. Das konkrete Impfprotokoll richtet sich nach den aktuellen Leitlinien der StIKo Vet und umfasst in der Regel:
- Grundimmunisierung: Eine Serie von zwei bis drei Impfungen im Welpenalter, typischerweise in der 8., 12. und 16. Lebenswoche, gefolgt von einer Auffrischung nach etwa 15 Monaten. Erst nach Abschluss dieser gesamten Serie gilt die Grundimmunisierung als vollständig.
- Wiederholungsimpfungen (Booster): Je nach Impfstoff und Erreger erfolgen Auffrischungen in Intervallen von einem bis drei Jahren. Moderne Impfstoffe gegen Staupe, Parvovirose und Adenovirus beim Hund bieten nachweislich einen Schutz über mindestens drei Jahre.
- Therapie von Impfreaktionen: Leichte Reaktionen bedürfen keiner Behandlung. Bei schweren allergischen Reaktionen kommen Adrenalin