Insektarium
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Definition & Überblick
Ein Insektarium ist ein speziell eingerichtetes Gehege zur Haltung, Pflege und Beobachtung von Insekten und verwandten Gliederfüßern wie Gespenstschrecken, Käfern, Gottesanbeterinnen, Schaben, Ameisen oder Hundertfüßern. Im Gegensatz zu einem klassischen Terrarium, das primär für Reptilien und Amphibien konzipiert ist, berücksichtigt ein Insektarium die besonderen Anforderungen kleiner Arthropoden: feinmaschige Belüftung, angepasste Raumgrößen, spezifische Kletterstrukturen und vor allem eine ausbruchsichere Konstruktion. Insektarien kommen sowohl in der privaten Tierhaltung als auch in zoologischen Einrichtungen, Schulen und Forschungslaboren zum Einsatz.
Die Bandbreite reicht vom einfachen Faunabox-Behälter für eine einzelne Gespenstschrecke bis zum aufwendig gestalteten Glasgehege mit automatischer Beregnungsanlage für eine tropische Insektengemeinschaft. Entscheidend ist, dass das Insektarium die artgerechten Lebensbedingungen der jeweiligen Art möglichst genau nachbildet – von Temperatur und Luftfeuchtigkeit über Bodengrund und Bepflanzung bis hin zu Licht- und Versteckmöglichkeiten.
Grundlagen & Voraussetzungen
Bevor ein Insektarium eingerichtet wird, muss die genaue Art bestimmt werden, die darin leben soll. Unterschiedliche Insekten stellen grundlegend verschiedene Ansprüche an ihr Gehege. Die wichtigsten Parameter sind:
- Temperatur: Tropische Arten benötigen oft 24–30 °C, während heimische Insekten mit Zimmertemperatur auskommen. Heizmatten, Wärmelampen oder Heizkabel dienen als Wärmequellen.
- Luftfeuchtigkeit: Viele tropische Insekten brauchen 60–80 % relative Luftfeuchtigkeit. Eine engmaschige Gazeabdeckung hält Feuchtigkeit besser als eine vollständig offene Belüftung.
- Gehegegröße: Als Faustregel gilt für Stab- und Gespenstschrecken: Die Höhe sollte mindestens das Dreifache der Körperlänge betragen, da viele Arten sich kopfüber häuten. Bodenlebende Arten wie Schaben oder Mehlkäfer benötigen dagegen mehr Grundfläche.
- Belüftung: Ausreichender Luftaustausch verhindert Staunässe, Schimmelbildung und Milbenbefall. Gleichzeitig darf die Gaze so feinmaschig sein, dass weder adulte Tiere noch Jungtiere entweichen können.
- Ausbruchsicherheit: Dieser Punkt wird häufig unterschätzt. Insekten finden kleinste Spalten. Schiebetüren, Gummidichtungen und passgenaue Gazedeckel sind Pflicht.
Aus Tierschutz-Sicht ist eine artgerechte Haltung auch bei wirbellosen Tieren geboten. Obwohl Insekten in Deutschland nicht unter das Tierschutzgesetz im gleichen Umfang wie Wirbeltiere fallen, sollte jeder verantwortungsvolle Halter das Wohlbefinden seiner Pfleglinge in den Mittelpunkt stellen.
Praktische Umsetzung
Für den Bau oder Kauf eines Insektariums stehen mehrere Materialien zur Wahl: Glas bietet hervorragende Sicht und ist leicht zu reinigen, speichert aber Wärme schlecht. Kunststoffboxen (Faunaboxen, umgebaute Aufbewahrungsboxen) sind günstig und leicht, zerkratzen jedoch mit der Zeit. Gazegehege eignen sich besonders für Arten, die hohe Belüftung brauchen, halten aber Wärme und Feuchtigkeit kaum.
Die Einrichtung eines typischen Insektariums umfasst folgende Elemente:
- Bodengrund: Kokoshumus, Walderde, Sand oder Vermiculit – je nach Art. Viele Käferlarven benötigen ein tiefes Substrat zur Verpuppung, während Blattschrecken kaum Substrat brauchen.
- Kletter- und Häutungsstrukturen: Äste, Korkrinde, Gaze-Wände oder künstliche Pflanzen. Für baumlebende Arten ist vertikale Struktur essenziell, da eine Häutung am Boden oft tödlich endet.
- Bepflanzung: Lebende Pflanzen wie Efeutute, Ficus oder Bromelien erhöhen die Luftfeuchtigkeit, bieten Deckung und dienen manchen Arten als Futterpflanze.
- Wasserversorgung: Statt offener Wassernäpfe, in denen Insekten ertrinken können, empfiehlt sich regelmäßiges Besprühen der Einrichtung. Wassertropfen auf Blättern genügen den meisten Arten als Trinkmöglichkeit.
- Beleuchtung: Eine einfache LED-Leiste reicht oft aus, um einen natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus zu simulieren. Wärmelampen können Beleuchtung und Heizung kombinieren.
Bei der Beschäftigung spielt die naturnahe Gestaltung die Hauptrolle. Ein strukturreiches Gehege mit verschiedenen Mikro-Habitaten – schattige Verstecke, sonnige Plätze, feuchte und trockene Zonen – ermöglicht den Tieren, ihr natürliches Verhaltensrepertoire auszuleben.
Häufige Fehler
- Zu kleine Gehege: Gerade Anfänger greifen zu winzigen Behältern. Ein zu kleines Insektarium schränkt die Bewegungsfreiheit ein und kann bei Häutungen zu fatalen Komplikationen führen.
- Staunässe: Übermäßiges Sprühen ohne ausreichende Belüftung führt zu Schimmel und begünstigt parasitären Milbenbefall. Das Substrat sollte feucht, aber niemals nass sein.
- Falsche Vergesellschaftung: Nicht alle Insektenarten lassen sich gemeinsam halten. Räuberische Arten wie Gottesanbeterinnen fressen Mitbewohner, und selbst friedliche Arten können sich bei Platzmangel gegenseitig stressen.
- Vernachlässigung der Hygiene: Futterreste und Kot müssen regelmäßig entfernt werden. Eine vollständige Substratreinigung sollte je nach Besatz alle vier bis