Jaguarundi
JTierart – Säugetiere > Raubtiere – Katzen (wild)
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Herpailurus yagouaroundi
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Familie: Katzen (Felidae)
- Unterfamilie: Kleinkatzen (Felinae)
- Gattung: Herpailurus
- Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder, Buschland, Graslandschaften von Süd-Texas bis Argentinien
- Körperlänge: 50–77 cm (ohne Schwanz)
- Schwanzlänge: 33–60 cm
- Gewicht: 3–9 kg
- Lebenserwartung: ca. 10–15 Jahre in freier Wildbahn, bis 20 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Der Jaguarundi weicht in seiner Gestalt deutlich von dem ab, was man sich unter einer typischen Wildkatze vorstellt. Sein langgestreckter, schlanker Körper, die kurzen Beine und der verhältnismäßig kleine, flache Kopf erinnern eher an einen Marder oder ein Wiesel. Im englischsprachigen Raum wird er daher gelegentlich als „Otter Cat" oder „Weasel Cat" bezeichnet. Der Schwanz ist auffallend lang und gleicht in seinen Proportionen dem eines Pumas – mit dem der Jaguarundi trotz des unterschiedlichen Erscheinungsbilds innerhalb der Linie der Puma-Verwandtschaft eng verwandt ist.
Das Fell ist kurz, dicht und einfarbig, ohne Flecken, Streifen oder Rosetten. Es treten zwei Hauptfarbmorphen auf: eine dunkle, graubraune bis schwarze und eine hellere, rotbraune bis fuchsrote Variante. Beide Farbvarianten können im selben Wurf vorkommen und sind nicht an bestimmte Unterarten gebunden. Die Augen sind relativ klein und dunkel, die Ohren kurz und abgerundet. Die Kombination aus einfarbigem Fell und dem ungewöhnlichen Körperbau macht den Jaguarundi unter den Wildkatzen der Neotropis unverwechselbar.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Jaguarundi erstreckt sich über weite Teile Mittel- und Südamerikas. Die nördliche Verbreitungsgrenze liegt im südlichen Texas und in Mexiko, die südliche in Nordargentinien. Innerhalb dieses Areals besiedelt die Art ein breites Spektrum an Habitaten: tropische Regenwälder, trockene Dornbuschlandschaften, Sekundärwälder, Sumpfgebiete und halboffene Graslandschaften. Eine deutliche Präferenz zeigt sich für dichte, niedrige Vegetation in der Nähe von Wasserläufen.
Der Jaguarundi ist anpassungsfähiger als viele andere neotropische Katzenarten. Er kommt in Höhenlagen vom Meeresspiegel bis etwa 3.200 Meter vor, wobei der Schwerpunkt in Tieflandregionen liegt. In manchen Gebieten nutzt er auch landwirtschaftlich geprägte Landschaften und Plantagen, sofern ausreichend Deckung vorhanden ist. In den USA gilt die Art heute als extrem selten; bestätigte Sichtungen in Texas sind in den letzten Jahrzehnten kaum noch dokumentiert worden.
Ernährung
Der Jaguarundi ist ein opportunistischer Jäger, dessen Nahrungsspektrum überwiegend aus kleinen Wirbeltieren besteht. Die Hauptbeute bilden Kleinsäuger wie Mäuse, Ratten und Kaninchen. Daneben erbeutet er Vögel, Reptilien – darunter Eidechsen und kleine Schlangen – sowie Fische und Arthropoden. Gelegentlich frisst er auch Früchte, was unter den Felidae eher ungewöhnlich ist. In Gebieten, in denen er in der Nähe menschlicher Siedlungen lebt, werden vereinzelt Übergriffe auf Geflügel berichtet.
Die Jagdtechnik beruht auf Anschleichen und einem kurzen, schnellen Sprung. Der Jaguarundi verfolgt Beute auch über kurze Strecken am Boden. Anders als viele Katzenarten, die aus dem Hinterhalt jagen, zeigt er zuweilen ein aktiveres Suchverhalten, bei dem er systematisch dichtes Unterholz durchstreift.
Verhalten & Lebensweise
Im Gegensatz zu den meisten Wildkatzen ist der Jaguarundi vorwiegend tagaktiv. Seine Aktivitätsphasen liegen schwerpunktmäßig in den Morgen- und Vormittagsstunden. Diese Tagesaktivität wird als mögliche Strategie interpretiert, der Konkurrenz mit nachtaktiven sympatrischen Arten wie dem Ozelot oder der Langschwanzkatze (Margay) auszuweichen.
Der Jaguarundi lebt überwiegend einzelgängerisch. Die Reviere beider Geschlechter können sich überlappen; die Territorien der Männchen sind in der Regel größer als die der Weibchen. Zur Markierung des Reviers werden Urin, Kot und Kratzspuren an Bäumen eingesetzt. Die Art bewegt sich hauptsächlich am Boden, kann aber gut klettern und schwimmen. Die Lautäußerungen des Jaguarundi sind vielfältig und umfassen Zwitschern, Pfeifen, Schnurren und kurze Schreie – ein Repertoire, das unter Katzen als ungewöhnlich breit gilt.
Die Streifgebiete variieren je nach Lebensraum und Nahrungsangebot erheblich. Telemetriestudien aus Belize und Mexiko ergaben Reviergrößen zwischen 9 und 100 Quadratkilometern.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung des Jaguarundi ist nicht streng saisonal gebunden, wobei in einigen Regionen Geburten gehäuft im Frühjahr und Sommer auftreten. Die Paarung geht mit einer kurzen Phase gemeinsamer Aktivität von Männchen und Weibchen einher, die als Balzverhalten gedeutet werden kann. Das Weibchen ist für etwa drei bis fünf Tage empfängnisbereit.
Die Tragzeit beträgt 63 bis 75 Tage. Ein Wurf umfasst in der Regel ein bis vier Jungtiere, typischerweise zwei. Die Jungen werden in geschützten Verstecken geboren – in Felsnischen, hohlen Baumstämmen oder dichter Vegetation. Bei der Geburt wiegen sie ungefähr 100 Gramm und sind blind. Die Augen öffnen sich nach etwa zehn bis vierzehn Tagen. Die Jungtiere werden manchmal mit leichten dunk