Jungtier
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Definition und Überblick
Als Jungtier wird ein Tier in der Lebensphase zwischen Geburt (bzw. Schlupf) und Erreichen der Geschlechtsreife bezeichnet. Dieser Entwicklungsabschnitt umfasst je nach Tierart einen Zeitraum von wenigen Wochen bis zu mehreren Jahren. Jungtiere unterscheiden sich von adulten Artgenossen häufig in Körpergröße, Proportionen, Fellfarbe oder Gefieder, Verhalten und physiologischen Merkmalen. In der Zoologie werden die Begriffe juvenil und immatur als Fachbezeichnungen für dieses Lebensstadium verwendet, wobei „juvenil" den gesamten Zeitraum bis zur Geschlechtsreife beschreibt und „immatur" speziell die geschlechtliche Unreife betont.
Die Phase als Jungtier ist für das Überleben einer Art von zentraler Bedeutung: In dieser Zeit finden die körperliche Entwicklung, das Erlernen überlebenswichtiger Fähigkeiten und die soziale Prägung statt. Gleichzeitig ist die Sterblichkeitsrate bei Jungtieren in der Regel deutlich höher als bei ausgewachsenen Tieren.
Artspezifische Bezeichnungen
Im deutschen Sprachgebrauch existieren zahlreiche spezifische Bezeichnungen für die Nachkommen verschiedener Tierarten. Diese Begriffe spiegeln die lange Tradition der Tierhaltung und Jagd wider:
- Welpe: Jungtier bei Hunden, Wölfen, Füchsen und anderen Raubtieren
- Kätzchen (Kitten): junge Hauskatze
- Fohlen: Jungtier bei Pferden, Eseln und Zebras; weibliche Fohlen heißen Stutfohlen, männliche Hengstfohlen
- Kalb: junges Rind, aber auch Jungtier bei Elefanten, Walen und Nashörnern
- Lamm: junges Schaf
- Ferkel: junges Schwein
- Küken: frisch geschlüpfter Vogel
- Kitz: Jungtier bei Rehen und Ziegen (bei Ziegen auch Zicklein)
- Frischling: junges Wildschwein im ersten Lebensjahr
- Larve: Jugendstadium bei Insekten, Amphibien und vielen wirbellosen Tieren
Nesthocker und Nestflüchter
Jungtiere lassen sich nach ihrem Entwicklungsstand bei der Geburt in zwei grundlegende Kategorien einteilen. Nesthocker (Nesthocktyp) kommen in einem vergleichsweise unreifen Zustand zur Welt. Sie sind blind, oft nackt und vollständig auf die elterliche Fürsorge angewiesen. Typische Nesthocker sind Singvögel, Kaninchen, Mäuse und Raubtiere wie Hunde und Katzen. Hundewelpen öffnen beispielsweise erst nach etwa zehn bis vierzehn Tagen die Augen.
Nestflüchter hingegen sind bei der Geburt oder dem Schlupf bereits weit entwickelt. Sie können sehen, hören und sich selbstständig fortbewegen. Zu den Nestflüchtern zählen Huftiere wie Pferde und Rinder, deren Fohlen und Kälber wenige Stunden nach der Geburt stehen und laufen können, sowie Hühnervögel und Entenvögel. Diese Strategie ist eine Anpassung an Lebensräume, in denen schnelle Mobilität den Schutz vor Fressfeinden erhöht.
Zwischen diesen beiden Extremen gibt es Übergangsformen, die als Platzhocker bezeichnet werden. Möwen und Greifvögel schlüpfen beispielsweise mit offenen Augen und Dunengefieder, verlassen das Nest aber trotzdem längere Zeit nicht.
Entwicklung und Wachstum
Die postnatale Entwicklung eines Jungtieres umfasst mehrere Phasen. Unmittelbar nach der Geburt beginnt die neonatale Phase, in der das Neugeborene sich an das Leben außerhalb des Mutterleibs oder der Eihülle anpasst. Bei Säugetieren folgt die Säugephase, in der die Muttermilch als alleinige oder hauptsächliche Nahrungsquelle dient. Die Dauer dieser Phase variiert erheblich: Bei Mäusen dauert sie etwa drei Wochen, bei Elefanten kann sie sich über mehrere Jahre erstrecken.
Das Abstillen bzw. die Entwöhnung markiert den Übergang zur selbstständigen Nahrungsaufnahme. Bei vielen Arten gibt es eine Übergangsphase, in der Jungtiere sowohl gesäugt werden als auch feste Nahrung zu sich nehmen. Greifvögel füttern ihre Jungvögel zunächst mit vorverdautem Futter, bevor diese ganze Beutetiere zerreißen können.
Bei Tieren mit Metamorphose durchläuft das Jungtier eine vollständige Umgestaltung des Körpers. Kaulquappen entwickeln sich zu Fröschen, Raupen verpuppen sich und werden zu Schmetterlingen. Diese Verwandlung stellt eine besondere Form der Jungtierentwicklung dar, bei der sich Larve und Adulttier in Körperbau, Lebensraum und Ernährungsweise grundlegend unterscheiden.
Verhalten und Sozialisation
Die Jungtierphase ist eine kritische Zeit für das Erlernen artspezifischer Verhaltensweisen. Durch Spielverhalten trainieren junge Säugetiere motorische Fähigkeiten, soziale Interaktion und Jagdtechniken. Katzenwelpen üben beim Spielen mit Geschwistern das Anschleichen und den Beutefang; junge Wölfe klären durch Raufspiele die Rangordnung im Rudel.
Die Prägungsphase, die der Verhaltensforscher Konrad Lorenz vor allem bei Gänseküken beschrieb, findet in den ersten Lebensstunden oder -tagen statt. In diesem sensiblen Zeitfenster lernt das Jungtier, seine Eltern oder Sozialpartner zu erkennen. In der Nutztierhaltung und Zucht ist die Kenntnis dieser Prägungsphasen von praktischer Bedeutung, etwa bei der Handaufzucht verwaister Tiere oder der Sozialisierung von Hundewelpen.
Jungtiere in Zucht und Haltung
In der Tierzucht erfordert die Aufz