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Kastration

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Tiermedizin & Gesundheit > Gesundheit & Diagnostik

Definition & Überblick

Unter Kastration (lateinisch: castratio) versteht man die operative Entfernung der Keimdrüsen (Gonaden) bei Tieren. Beim männlichen Tier werden die Hoden entfernt (Orchiektomie), beim weiblichen Tier die Eierstöcke (Ovariektomie) oder die Eierstöcke mitsamt der Gebärmutter (Ovariohysterektomie). Der Eingriff führt zur dauerhaften Unfruchtbarkeit und unterbindet die Produktion der Geschlechtshormone Testosteron beziehungsweise Östrogen und Progesteron weitgehend.

Die Kastration zählt zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen in der Kleintier-, Nutztier- und Pferdepraxis. Sie wird sowohl aus medizinischen als auch aus tierschutzrelevanten und verhaltensbezogenen Gründen durchgeführt. Abzugrenzen ist die Kastration von der Sterilisation, bei der lediglich die Samen- beziehungsweise Eileiter durchtrennt werden, sodass die Hormonproduktion erhalten bleibt. In der veterinärmedizinischen Praxis wird nahezu ausschließlich kastriert, nicht sterilisiert.

Ursachen & Risikofaktoren

Die Gründe für eine Kastration sind vielfältig und müssen im Einzelfall sorgfältig abgewogen werden:

  • Populationskontrolle: Verhinderung ungewollter Vermehrung, insbesondere bei Freigängerkatzen, Tierheimtieren und streunenden Populationen.
  • Medizinische Indikation: Hodentumoren, Hodenhochstand (Kryptorchismus), Gebärmutterentzündung (Pyometra), Eierstockzysten, Gesäugetumoren oder hormonabhängige Erkrankungen wie die gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie) beim Rüden.
  • Verhaltensgründe: Ausgeprägtes Markierverhalten, Streunen, hormonell bedingte Aggressivität oder starke Unruhe während der Läufigkeit beziehungsweise Rolligkeit.
  • Tierschutzrechtliche Vorgaben: In Deutschland schreibt das Tierschutzgesetz (§ 6) grundsätzlich ein Verbot der Amputation vor, erlaubt die Kastration jedoch unter bestimmten Voraussetzungen – etwa zur Verhinderung unkontrollierter Fortpflanzung oder bei medizinischer Notwendigkeit.

Zu den Risikofaktoren des Eingriffs zählen Narkoseunverträglichkeit, Übergewicht, Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sowie ein sehr junges oder hohes Alter des Tieres. Bei bestimmten Rassen – etwa großen Hunderassen wie Doggen oder Irischen Wolfshunden – wird ein Zusammenhang zwischen Frühkastration und orthopädischen Problemen sowie bestimmten Tumorarten diskutiert.

Symptome & Erkennung

Da die Kastration ein geplanter chirurgischer Eingriff ist, gibt es keine klassischen Symptome im engeren Sinne. Allerdings existieren Anzeichen, die eine medizinisch indizierte Kastration erforderlich machen können:

  • Beim Rüden/Kater: Angeschwollene oder verhärtete Hoden, Schmerzen im Hodenbereich, blutiger Ausfluss aus der Vorhaut, übermäßiges Markieren mit Urin, anhaltende Aggressivität gegenüber Artgenossen, permanentes Streunen.
  • Bei der Hündin/Kätzin: Eitriger oder blutiger Scheidenausfluss (Hinweis auf Pyometra), unregelmäßige oder besonders belastende Läufigkeiten, Scheinträchtigkeit mit Milchbildung und Nestbauverhalten, tastbare Umfangsvermehrungen im Gesäuge.
  • Bei Nutztieren: Hormonell bedingte Aggressivität bei Hengsten oder Bullen, Ebergeruch beim Schwein.

Diagnose

Vor jeder Kastration erfolgt eine gründliche klinische Allgemeinuntersuchung. Der Tierarzt beurteilt den Allgemeinzustand, überprüft Herz und Lunge mittels Auskultation und tastet die Geschlechtsorgane ab. Bei älteren Tieren oder Risikopatienten wird eine präoperative Blutuntersuchung durchgeführt, die Organwerte (Leber, Niere), Blutbild und Gerinnungsparameter umfasst.

Besteht der Verdacht auf eine zugrunde liegende Erkrankung, kommen weiterführende diagnostische Verfahren zum Einsatz: Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Bauchraums zur Beurteilung von Gebärmutter, Eierstöcken oder Prostata, Röntgendiagnostik zum Ausschluss von Metastasen bei Tumoren sowie Hormonbestimmungen im Blut – etwa zum Nachweis eines Kryptorchismus mittels Testosteron- oder Östradiolmessung.

Behandlung & Therapie

Die klassische Kastration erfolgt als chirurgischer Eingriff unter Vollnarkose (Allgemeinanästhesie). Beim männlichen Tier ist der Eingriff in der Regel unkompliziert: Über einen kleinen Hautschnitt am Skrotum oder präskrotal werden die Hoden freigelegt, die Samenstränge abgebunden (Ligatur) und die Hoden entfernt. Bei der Hündin oder Kätzin handelt es sich um eine Bauchhöhlenoperation (Laparotomie), die technisch anspruchsvoller ist.

Zunehmend werden auch minimalinvasive Verfahren wie die laparoskopische Kastration (Schlüssellochchirurgie) angeboten, die mit kleineren Schnitten, weniger Schmerzen und kürzerer Erholungszeit einhergehen.

Als Alternative zum chirurgischen Eingriff steht für Rüden der sogenannte Suprelorin-Chip zur Verfügung – ein GnRH-Agonist-Implantat (Deslorelin), das unter die Haut gesetzt wird und die Hormonproduktion reversibel unterdrückt. Diese chemische Kastration eignet sich besonders, um die Auswirkungen einer Kastration vorab zu testen, bevor eine endgültige Ent