T Tierlexikon.net
← Lexikon

Kiang

K

Tierart – Säugetiere > Huftiere – Pferde (wild)

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Equus kiang
  • Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
  • Familie: Pferde (Equidae)
  • Gattung: Pferde (Equus)
  • Lebensraum: Hochebenen und Steppen Zentralasiens, vorwiegend Tibetisches Hochland
  • Größe: Schulterhöhe 132–142 cm, Kopf-Rumpf-Länge bis 210 cm
  • Gewicht: 250–400 kg
  • Lebenserwartung: Etwa 20 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 26 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Kiang ist der größte aller wildlebenden Esel und übertrifft sowohl den Afrikanischen Wildesel (Equus africanus) als auch den Asiatischen Halbesel (Equus hemionus) an Körpermasse und Schulterhöhe deutlich. Sein Körperbau ist kompakt und kräftig, mit einem verhältnismäßig großen Kopf und relativ kurzen, aber stabilen Beinen. Die Hufe sind breit und hart – eine Anpassung an das steinige, raue Terrain seines Lebensraums.

Das Fell des Kiang zeigt eine auffällige saisonale Variation. Im Sommer trägt er ein kurzes, glattes Haarkleid in kräftigem Rotbraun bis Kastanienbraun auf der Oberseite. Die Unterseite – Bauch, Brust, Innenseiten der Beine und die Schnauzenpartie – ist scharf abgegrenzt weiß gefärbt. Im Winter wird das Fell deutlich dichter und länger, die Farbe verschiebt sich zu einem dunkleren, eher schokoladenbraunen Ton. Ein dunkler Aalstrich verläuft entlang des Rückgrats vom Nacken bis zur Schwanzwurzel. Die Mähne ist kurz, aufrecht stehend und dunkelbraun bis schwarz. Der Schwanz endet in einer schwarzen Quaste. Die Ohren sind kürzer als bei anderen Eselarten, was den Wärmeverlust in der Kälte verringert.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Kiang erstreckt sich über das Tibetische Hochland und angrenzende Regionen. Die Art kommt in der Autonomen Region Tibet und der Provinz Qinghai in China, im Norden Nepals, in Teilen des indischen Ladakh sowie in geringem Umfang in Pakistan vor. Historisch reichte das Habitat bis in die Mongolei, doch dort gilt die Art heute als verschollen.

Der Kiang besiedelt offene alpine Steppen, Halbwüsten und Grasländer in Höhenlagen zwischen 2.700 und 5.400 Metern über dem Meeresspiegel. Er bevorzugt flache bis leicht hügelige Ebenen mit spärlicher, aber vorhandener Vegetation. Gewässernähe spielt bei der Wahl des Biotops eine Rolle, da die Tiere regelmäßig trinken müssen. Es werden drei Unterarten unterschieden: der Westliche Kiang (E. k. kiang), der Östliche Kiang (E. k. holdereri) und der Südliche Kiang (E. k. polyodon), die sich vor allem in Größe und Fellfärbung leicht unterscheiden.

Ernährung

Der Kiang ist ein reiner Pflanzenfresser (Herbivor) und ernährt sich überwiegend von Gräsern und Seggen, die auf den kargen Hochebenen wachsen. Besonders die Gattungen Stipa und Carex machen einen großen Teil der Nahrung aus. In der kalten Jahreszeit, wenn Schnee die Grasnarbe bedeckt, scharren die Tiere mit den Vorderhufen den Schnee beiseite, um an die darunterliegenden Pflanzen zu gelangen. Ergänzend werden Kräuter, niedrige Sträucher und gelegentlich Wurzeln aufgenommen. Der Wasserbedarf ist relativ hoch; Kiangs suchen Flüsse, Seen und Quellen auf und können dabei beträchtliche Strecken zurücklegen.

Verhalten & Lebensweise

Kiangs leben in lockeren Herden, deren Größe stark variiert. Weibchen (Stuten) und Jungtiere bilden Gruppen von zehn bis mehreren hundert Individuen, wobei sich im Sommer auf guten Weidegründen gelegentlich Ansammlungen von über tausend Tieren beobachten lassen. Erwachsene Hengste leben außerhalb der Paarungszeit einzeln oder in kleinen Junggesellengruppen. Ein festes Revier im engeren Sinne wird nicht dauerhaft verteidigt; stattdessen nutzen die Tiere weitläufige Streifgebiete und folgen saisonal dem Nahrungsangebot.

Die Tiere sind überwiegend tagaktiv, wobei die Hauptfresszeiten in den Morgen- und Abendstunden liegen. In der Mittagshitze – soweit man bei den Temperaturen des Hochlands davon sprechen kann – ruhen sie häufig. Kiangs sind ausdauernde und schnelle Läufer, die Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h erreichen können. Diese Fähigkeit ist ihre wichtigste Verteidigungsstrategie gegenüber Fressfeinden. Zu den natürlichen Prädatoren zählen vor allem Wölfe (Canis lupus), die hauptsächlich kranke, alte oder junge Tiere reißen. Schneeleoparden stellen nur ausnahmsweise eine Gefahr dar.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit (Brunft) fällt in die Sommermonate Juli und August. In dieser Phase versuchen Hengste, Stuten aktiv zu umwerben und Rivalen durch Drohen, Beißen und Ausschlagen zu vertreiben. Dominante Hengste verpaaren sich mit mehreren Stuten. Nach einer Tragzeit von rund elf bis zwölf Monaten bringt die Stute in der Regel ein einzelnes Fohlen zur Welt – Zwillingsgeburten sind extrem selten. Die Geburten fallen damit in den Sommer des Folgejahres, wenn das Nahrungsangebot am günstigsten ist.

Das Fohlen kann bereits kurz nach der Geburt stehen und der Herde folgen. Es wird etwa ein Jahr lang gesäugt, beginnt aber bereits nach wenigen Wochen, zusätzlich Gras zu fressen. Die Geschlechtsreife tritt bei Stuten mit etwa drei bis vier Jahren ein, bei Hengsten etwas später. Junge Hengste werden in der Regel mit Erreichen der Geschlechtsreife aus der