T Tierlexikon.net
← Lexikon

Kitten

K

Zucht & Fortpflanzung > Lebensstadien

Definition und Überblick

Als Kitten bezeichnet man junge Hauskatzen (Felis catus) in der Lebensphase von der Geburt bis zum Abschluss der Jungtierentwicklung. Der Begriff stammt aus dem Englischen und hat sich im deutschsprachigen Raum als gängige Bezeichnung neben den Synonymen Katzenwelpe, Katzenjunges und Katzenbaby etabliert. In der Zucht und Veterinärmedizin wird ein Kitten in der Regel bis zum Alter von etwa zwölf Monaten als solches klassifiziert, wobei die genaue Abgrenzung zum adulten Tier je nach Rasse und individuellem Entwicklungsverlauf variieren kann. Großrassige Katzen wie die Maine Coon oder die Norwegische Waldkatze gelten teils erst mit drei bis vier Jahren als vollständig ausgewachsen, auch wenn die Kittenphase im engeren Sinne deutlich früher endet.

Geburt und Neugeborenenphase

Kitten kommen nach einer Tragzeit von durchschnittlich 63 bis 67 Tagen zur Welt. Ein Wurf umfasst typischerweise drei bis sechs Welpen, wobei Erstlingswürfe häufig kleiner ausfallen. Die Neugeborenen wiegen bei der Geburt zwischen 80 und 120 Gramm. Sie sind Nesthocker – blind, taub und vollständig auf die Mutterkatze angewiesen.

  • Die Augen öffnen sich zwischen dem 7. und 14. Lebenstag. Zunächst erscheint die Iris bei allen Kitten blau; die endgültige Augenfarbe bildet sich erst im Alter von etwa sechs bis acht Wochen heraus.
  • Die Gehörgänge öffnen sich zwischen dem 9. und 14. Tag. Ab der dritten Lebenswoche reagieren Kitten gezielt auf akustische Reize.
  • Die Thermoregulation ist in den ersten beiden Lebenswochen noch unzureichend entwickelt. Die Welpen sind auf die Körperwärme der Mutter und der Wurfgeschwister angewiesen.

Die Mutterkatze – in der Fachsprache Kätzin oder Queen genannt – stimuliert in den ersten Lebenstagen durch Belecken der Analregion den Kot- und Urinabsatz der Kitten, da diese dazu noch nicht selbstständig in der Lage sind.

Säugephase und Ernährung

In den ersten drei bis vier Lebenswochen ernähren sich Kitten ausschließlich von Muttermilch. Die sogenannte Kolostralmilch (Erstmilch), die in den ersten 24 bis 48 Stunden nach der Geburt gebildet wird, enthält maternale Antikörper und ist entscheidend für den passiven Immunschutz der Welpen. Ab der vierten Lebenswoche beginnt die schrittweise Zufütterung fester Nahrung. Diesen Prozess bezeichnet man als Absetzen oder Weaning. Spezielles Kittenaufzuchtfutter ist energiereicher und proteinreicher als Nahrung für adulte Katzen, da der Nährstoffbedarf wachsender Jungtiere deutlich erhöht ist. Die vollständige Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt in der Regel zwischen der achten und zwölften Lebenswoche.

Bei verwaisten Kitten oder wenn die Mutter nicht ausreichend Milch produziert (Agalaktie), muss auf spezielle Katzenersatzmilch zurückgegriffen werden. Kuhmilch ist als Ersatz ungeeignet, da sie einen zu niedrigen Fett- und Proteingehalt aufweist und bei Kitten häufig Durchfall verursacht.

Entwicklungsphasen und Sozialisierung

Die Verhaltensentwicklung von Kitten lässt sich in mehrere Phasen unterteilen, die für Zucht und Haltung gleichermaßen relevant sind:

  • Neonatale Phase (1.–2. Lebenswoche): Schlaf- und Saugverhalten dominieren. Die Welpen orientieren sich taktil und über den Geruchssinn.
  • Übergangsphase (2.–3. Lebenswoche): Augen und Ohren öffnen sich. Erste unkoordinierte Gehversuche setzen ein.
  • Sozialisierungsphase (3.–9. Lebenswoche): Diese Phase ist für die gesamte spätere Verhaltensentwicklung von zentraler Bedeutung. Kitten lernen durch das Spiel mit Wurfgeschwistern Beißhemmung, soziale Kommunikation und Körperkoordination. Gleichzeitig sollten sie in dieser Zeit positive Erfahrungen mit Menschen, verschiedenen Umweltreizen und – sofern gewünscht – anderen Tierarten sammeln. Versäumnisse in der Sozialisierungsphase lassen sich später nur schwer kompensieren und können zu ängstlichem oder aggressivem Verhalten führen.
  • Juvenile Phase (ab der 9. Lebenswoche bis zur Geschlechtsreife): Die motorischen Fähigkeiten verfeinern sich. Jagdverhalten wird zunehmend komplexer. Die Geschlechtsreife tritt bei weiblichen Kitten ab dem vierten bis fünften Lebensmonat ein, bei Katern meist etwas später zwischen dem fünften und siebten Monat.

Abgabezeitpunkt und Trennung von der Mutter

Seriöse Züchter und Tierschutzorganisationen geben Kitten frühestens ab einem Alter von zwölf bis vierzehn Wochen ab. Zu diesem Zeitpunkt ist die Sozialisierungsphase weitgehend abgeschlossen, die Grundimmunisierung durch Schutzimpfungen hat begonnen, und die Kitten haben von der Mutter und den Geschwistern grundlegende soziale Kompetenz erworben. Eine zu frühe Trennung – etwa vor der achten Lebenswoche – erhöht das Risiko von Verhaltensstörungen wie übermäßiger Ängstlichkeit, gestörtem Sozialverhalten gegenüber Artgenossen oder Unsauberkeit.

Gesundheitsvorsorge bei Kitten

Das Immunsystem von Kitten befindet sich in einer kritischen Übergangsphase: Der maternale Antikörperschutz lässt ab der sechsten bis achten Lebenswoche nach, während das eigene Immunsystem noch nicht voll ausgereift ist. Diese sogenannte immunologische Lücke macht Kitten besonders