Kitz
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Definition und Überblick
Als Kitz wird das Jungtier bestimmter Huftiere bezeichnet, insbesondere der Rehe, Hirsche und Gämsen. Der Begriff findet vor allem in der deutschsprachigen Jägersprache (Waidmannssprache) sowie in der Zoologie Verwendung und beschreibt ein Jungtier von der Geburt bis zum Alter von etwa einem Jahr. Beim Reh (Capreolus capreolus) ist die Bezeichnung Kitz am geläufigsten, während bei Rot- und Damhirsch häufiger vom Kalb gesprochen wird. Auch die Jungtiere von Ziegen werden traditionell als Kitz oder Zicklein bezeichnet.
Das Kitz gehört zu den sogenannten Nestflüchtern – es kommt in einem vergleichsweise weit entwickelten Zustand zur Welt, mit offenen Augen und der Fähigkeit, kurz nach der Geburt zu stehen. Dennoch ist es in den ersten Lebenswochen extrem verletzlich und auf das Muttertier (Ricke beim Reh, Geiß bei der Ziege) angewiesen.
Geburt und erste Lebenstage
Die Setzzeit – so der waidmännische Ausdruck für die Geburt – fällt beim Rehwild in Mitteleuropa überwiegend in die Monate Mai und Juni. Die Ricke bringt nach einer Tragzeit von rund neun Monaten, die eine für Rehe typische Keimruhe (Eiruhe) einschließt, meist ein bis zwei, seltener drei Kitze zur Welt. Jedes Kitz wiegt bei der Geburt zwischen 1,0 und 1,8 Kilogramm.
Unmittelbar nach der Geburt leckt die Ricke das Neugeborene trocken. Dieser Vorgang dient nicht nur der Reinigung, sondern auch der Prägung und dem Aufbau der Mutter-Kind-Bindung. Bereits innerhalb der ersten Stunde versucht das Kitz aufzustehen und die Zitzen des Muttertiers zu finden, um erstmals Biestmilch (Kolostrum) aufzunehmen. Diese erste Milch ist reich an Antikörpern und bildet die Grundlage für das Immunsystem des Jungtieres.
Tarnstrategie: Das Abliegeverhalten
Rehkitze gehören zu den sogenannten Abliegern oder Ablegekälbern. In den ersten zwei bis drei Lebenswochen verfügen sie noch nicht über die Ausdauer, dem Muttertier dauerhaft zu folgen. Stattdessen drücken sie sich regungslos in hohes Gras, Gebüsch oder Getreidefelder. Dieses Drückverhalten ist ein angeborener Schutzinstinkt gegen Fressfeinde.
Das rotbraune Fell mit den charakteristischen weißen Flecken – den sogenannten Spiegel- oder Tarnflecken – bietet dabei eine hervorragende Tarnung (Somatolyse). Zusätzlich sind Kitze in den ersten Tagen nahezu geruchlos, was sie vor Raubtieren wie Fuchs, Marder oder Wildschwein schützt. Die Ricke hält sich bewusst in einiger Entfernung auf und sucht das Kitz nur zum Säugen auf, um nicht durch ihren eigenen Körpergeruch den Liegeplatz zu verraten.
Dieses Verhalten führt allerdings regelmäßig zu Konflikten mit der Landwirtschaft: Während der Mahd im Frühsommer werden jedes Jahr in Deutschland tausende Kitze durch Mähmaschinen getötet oder verletzt, weil sie sich bei Gefahr nicht flüchten, sondern noch tiefer ins Gras drücken. Wildrettungsmaßnahmen wie der Einsatz von Drohnen mit Wärmebildkameras, das Aufstellen von Vergrämungsgeräten oder das systematische Absuchen von Wiesen vor der Mahd gewinnen daher zunehmend an Bedeutung.
Entwicklung und Ernährung
In den ersten Lebenswochen ernährt sich das Kitz ausschließlich von Muttermilch. Ab der dritten bis vierten Woche beginnt es, zusätzlich pflanzliche Nahrung aufzunehmen – zunächst zarte Kräuter und Gräser. Dieser Übergang vom reinen Säugetier zum Pflanzenfresser wird als Absetzen bezeichnet und erstreckt sich über mehrere Wochen. Vollständig entwöhnt wird das Kitz im Alter von drei bis vier Monaten, obwohl gelegentliches Saugen noch länger beobachtet werden kann.
Das Wachstum verläuft in den ersten Monaten rasant. Bis zum Herbst hat ein Rehkitz sein Geburtsgewicht vervielfacht und erreicht etwa 12 bis 15 Kilogramm. Im Spätsommer verliert es allmählich sein geflecktes Jugendkleid und wechselt in das einfarbig rötlich-braune Sommerfell oder direkt in das graubraune Winterfell. Dieser erste Haarwechsel markiert einen sichtbaren Übergang vom Kitz zum Jungtier.
Bei männlichen Rehkitzen, den sogenannten Bockkitzen, beginnen sich im Herbst des ersten Lebensjahres kleine Erhebungen auf der Stirn abzuzeichnen – die Ansätze der späteren Gehörnstangen (Rosenstöcke). Weibliche Kitze werden als Geißkitze oder Rickenkitze bezeichnet.
Sozialverhalten und Familienverband
Rehkitze leben in den ersten Lebensmonaten in engem Kontakt mit der Ricke, die sie führt und vor Gefahren warnt. Hat eine Ricke mehrere Kitze gesetzt, liegen diese in den ersten Wochen an getrennten Plätzen – eine Strategie, um bei einem Angriff durch Beutegreifer nicht den gesamten Nachwuchs zu verlieren. Erst ab einem Alter von etwa vier Wochen folgen die Kitze der Mutter auf Schritt und Tritt und bilden einen Familienverband (Sprung).
Im Herbst und Winter schließen sich häufig mehrere Ricken mit ihren Kitzen zu kleinen Rudeln zusammen. Diese Gruppenbildung bietet Vorteile bei der Feindvermeidung und bei der Nahrungssuche in der kalten Jahreszeit. Im Frühjahr des Folgejahres löst sich der Verband auf: Die nun einjährigen Jungtiere werden von der Ricke vertrieben, da die nächste Setzzeit bevorste