Kleiner Abendsegler
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Nyctalus leisleri (Kuhl, 1817)
- Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
- Familie: Glattnasen (Vespertilionidae)
- Gattung: Abendsegler (Nyctalus)
- Lebensraum: Laub- und Mischwälder, Parklandschaften, Siedlungsränder
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 48–68 mm, Flügelspannweite 260–320 mm
- Gewicht: 13–20 g
- Lebenserwartung: bis zu 9 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Der Kleine Abendsegler ist eine mittelgroße Fledermausart, die sich äußerlich stark an den Großen Abendsegler (Nyctalus noctula) anlehnt, jedoch deutlich kleiner und leichter gebaut ist. Das Fell ist auf der Oberseite dunkel rotbraun bis kastanienbraun gefärbt, wobei die einzelnen Haare eine zweifarbige Struktur aufweisen: Die Basis ist dunkel, die Spitze heller. Die Unterseite erscheint etwas blasser, meist gelblich-braun. Die Flughäute, Ohren und das Gesicht sind dunkelbraun bis schwarz.
Die Ohren sind kurz, breit und abgerundet. Der Tragus – ein knorpeliger Vorsprung im Ohr, der bei der Gattung Nyctalus charakteristisch pilzförmig ausgebildet ist – dient als wichtiges Bestimmungsmerkmal. Die Flügel sind lang und schmal, was auf einen schnellen, wendigen Flug in offenem Luftraum hinweist. Im Vergleich zum Großen Abendsegler sind die Unterarme mit 39–46 mm deutlich kürzer. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Behaarung der Flughaut entlang des Unterarms, die beim Kleinen Abendsegler stärker ausgeprägt ist.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Kleinen Abendseglers erstreckt sich von Westeuropa über Mitteleuropa bis nach Zentralasien. In Deutschland kommt die Art in allen Bundesländern vor, gilt jedoch vielerorts als selten. Verbreitungsschwerpunkte liegen in waldreichen Mittelgebirgsregionen und in naturnahen Flussauen. Auch auf den Britischen Inseln, insbesondere in Irland, gibt es stabile Populationen.
Als Habitat bevorzugt der Kleine Abendsegler alte Laub- und Mischwälder mit einem hohen Anteil an Baumhöhlen. Spechthöhlen, Stammrisse und abstehende Rindenplatten dienen als Quartiere. Daneben besiedelt er auch Fledermauskästen, Spalten an Gebäuden sowie Hohlräume hinter Fassadenverkleidungen. Die Jagdgebiete liegen häufig an Waldrändern, über Lichtungen, entlang von Gewässern sowie in Parks und Alleen. Das Biotop muss eine ausreichende Insektendichte aufweisen, weshalb strukturreiche Landschaften mit naturnahen Elementen bevorzugt werden.
Der Kleine Abendsegler zählt zu den ziehenden Fledermausarten Europas. Im Herbst legen einzelne Populationen Strecken von bis zu 1.500 Kilometern zwischen ihren Sommer- und Winterquartieren zurück. Die Zugrichtung verläuft überwiegend von Nordost nach Südwest.
Ernährung
Die Nahrung besteht fast ausschließlich aus Fluginsekten. Zu den Hauptbeutetieren gehören Nachtfalter (Lepidoptera), Zweiflügler (Diptera), Köcherfliegen (Trichoptera) und Käfer (Coleoptera). Die Jagd erfolgt im freien Luftraum, meist in Höhen zwischen 10 und 40 Metern. Der Kleine Abendsegler nutzt dabei Echoortung im Frequenzbereich von etwa 25–54 kHz, wobei die höchste Energie der Rufe bei rund 25–27 kHz liegt. Die Rufe sind mit einem Fledermausdetektor als rhythmisch wiederkehrende, relativ tiefe Signale wahrnehmbar.
Die Jagdflüge beginnen in der Regel kurz nach Sonnenuntergang. Charakteristisch ist ein schneller, geradliniger Flug mit plötzlichen Richtungswechseln beim Ergreifen von Beutetieren. In insektenreichen Nächten können die Tiere innerhalb weniger Stunden ihren täglichen Nahrungsbedarf decken, der etwa einem Drittel des Körpergewichts entspricht.
Verhalten & Lebensweise
Der Kleine Abendsegler ist streng nachtaktiv und verbringt den Tag in Baumhöhlen oder anderen geschützten Quartieren. Er lebt gesellig und bildet im Sommer Kolonien, die je nach Region und Quartierverfügbarkeit aus 10 bis über 50 Individuen bestehen können. Wochenstuben – Zusammenschlüsse reproduktiver Weibchen – befinden sich häufig in geräumigen Baumhöhlen alter Eichen oder Buchen.
Die Art wechselt ihre Quartiere regelmäßig, oft alle wenige Tage. Dieses Quartierwechselverhalten steht vermutlich im Zusammenhang mit der Parasitenvermeidung und der Thermoregulation. Ein Quartierverbund aus mehreren nahegelegenen Baumhöhlen ist daher für das Überleben einer Kolonie entscheidend.
Im Winter halten Kleine Abendsegler einen mehrmonatigen Winterschlaf. Die Winterquartiere liegen in Baumhöhlen, Felsspalten und gelegentlich in Gebäudespalten. Im Unterschied zum Großen Abendsegler werden Höhlen und Keller nur selten aufgesucht.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit erstreckt sich vom Spätsommer bis in den Herbst. Männchen besetzen Balzquartiere – einzelne Baumhöhlen – und locken mit auffälligen Sozialrufen vorbeifliegende Weibchen an. Ein Männchen kann dabei nacheinander mit mehreren Weibchen kopulieren. Die Befruchtung der Eizelle erfolgt jedoch verzögert: Die Spermien werden über den Winter im Genitaltrakt der Weibchen gespeichert, und der Eisprung findet erst im Frühjahr statt.
Nach einer Tragzeit von etwa 60–70 Tagen bringen die Weibchen in den Wochenstuben meist ein bis zwei Jungtiere zur Welt, typischerweise im Juni oder Anfang Juli. Die Neugeborenen sind nackt