Zwergmaus
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Micromys minutus
- Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
- Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
- Gattung: Micromys
- Lebensraum: Hochstaudenfluren, Schilfgürtel, Getreidefelder, feuchte Wiesen
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 5,5–7,5 cm, Schwanzlänge 5–7 cm
- Gewicht: 5–11 g (durchschnittlich etwa 7 g)
- Lebenserwartung: 12–18 Monate in freier Wildbahn, bis zu 5 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Die Zwergmaus ist das kleinste Nagetier Europas und eines der kleinsten Säugetiere überhaupt. Ausgewachsene Tiere wiegen kaum mehr als ein Zwei-Euro-Stück. Die Oberseite des Fells ist warm rotbraun bis gelbbraun gefärbt, die Unterseite scharf abgegrenzt weißlich bis hellgrau. Jungtiere zeigen eine deutlich mattere, graubraune Fellfärbung, die sich erst nach der ersten Mauser in das typische Erwachsenenkleid wandelt.
Der Kopf ist rundlich mit relativ kleinen Ohren und großen, dunklen Augen. Die Schnauze ist kurz und stumpf. Ein besonders auffälliges Merkmal ist der Greifschwanz: Er ist nahezu körperlang, dünn und an der Spitze teilweise unbehaart. Die Zwergmaus kann ihn um Halme und Zweige wickeln und nutzt ihn als fünfte Extremität beim Klettern. Die Hinterfüße sind ebenfalls an das Leben in der Vegetation angepasst – die äußere Zehe ist teilweise opponierbar und ermöglicht einen sicheren Griff an dünnen Stängeln.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Zwergmaus erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis – von Großbritannien und Nordspanien im Westen über Mittel- und Osteuropa bis nach Japan und Taiwan im Osten. In Deutschland kommt die Art in allen Bundesländern vor, allerdings mit deutlichen regionalen Unterschieden in der Bestandsdichte.
Als Habitat bevorzugt die Zwergmaus dichte, hochwüchsige Krautvegetation. Typische Biotope sind Schilfgürtel an Gewässerufern, Hochstaudenfluren, Seggenriede, Feuchtwiesen und extensiv bewirtschaftete Getreidefelder. Auch Brachestreifen, Wegränder und Grabenböschungen werden besiedelt, sofern ausreichend dichte Vegetation vorhanden ist. Entscheidend ist eine vertikale Vegetationsstruktur mit stabilen Halmen, an denen die Tiere klettern und ihre Nester befestigen können. In den Wintermonaten ziehen sich Zwergmäuse häufig in bodennahe Bereiche zurück und nutzen Strohmieten, Komposthaufen oder Heckenstreifen als Überwinterungshabitat.
Ernährung
Die Zwergmaus ist ein Allesfresser mit einem Nahrungsspektrum, das je nach Jahreszeit variiert. Im Sommer und Herbst bilden Samen von Gräsern und Getreide die Hauptnahrung, ergänzt durch Beeren, Knospen und junge Triebe. Tierische Kost spielt ebenfalls eine Rolle: Insekten, Spinnen, Blattläuse und deren Larven werden regelmäßig gefressen und sind besonders während der Fortpflanzungszeit als Proteinquelle bedeutsam.
Im Winter, wenn das Nahrungsangebot knapper wird, nehmen die Tiere verstärkt Samen und Getreidekörner auf. Anders als viele andere kleine Nagetiere legt die Zwergmaus keine umfangreichen Vorräte an. Ihr hoher Stoffwechsel – bedingt durch das geringe Körpergewicht und das damit ungünstige Verhältnis von Oberfläche zu Volumen – erfordert eine nahezu kontinuierliche Nahrungsaufnahme.
Verhalten & Lebensweise
Zwergmäuse sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigen aber auch tagsüber Aktivitätsphasen. Sie leben einzelgängerisch oder in lockeren Gruppen ohne ausgeprägte Revierverteidigung. Die Tiere sind ausgezeichnete Kletterer und bewegen sich geschickt zwischen den Halmen der Vegetation. Dabei nutzen sie ihren Greifschwanz als Sicherung und können selbst auf den dünnsten Stängeln das Gleichgewicht halten.
Ein charakteristisches Verhaltensmerkmal ist der Bau von kugelförmigen Nestern, die frei in der Vegetation hängen – meist in 30 bis 100 cm Höhe, gelegentlich auch höher. Diese Kugelnester haben einen Durchmesser von etwa 6–10 cm und bestehen aus fein zerfaserten Blättern und Grashalmen, die kunstvoll ineinander verflochten werden. Die Nester dienen als Schlafplatz und Wurfnest. Im Winter verlassen die Tiere die Halme und halten sich am Boden auf, wo sie unter dichter Pflanzendecke, in Mauselöchern oder in menschengemachten Strukturen Schutz suchen. Einen Winterschlaf halten Zwergmäuse nicht, sie können jedoch bei extremer Kälte in kurze Torpor-Phasen fallen, um Energie zu sparen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungszeit erstreckt sich in Mitteleuropa von Mai bis Oktober, wobei der Schwerpunkt in den Sommermonaten liegt. Weibchen können in einer Saison zwei bis drei Würfe aufziehen. Nach einer Tragzeit von etwa 17–18 Tagen bringt das Weibchen drei bis acht Jungtiere zur Welt, in Ausnahmefällen bis zu zwölf. Die Neugeborenen sind nackt, blind und wiegen bei der Geburt nur rund 0,7–1 g.
Die Aufzucht findet im Kugelnest statt. Die Jungen öffnen nach etwa acht Tagen die Augen und werden rund 15–16 Tage gesäugt. Bereits mit zwei Wochen beginnen sie, das Nest zu verlassen und die Umgebung zu erkunden. Mit etwa drei Wochen sind die Jungtiere selbstständig. Die Geschlechtsreife tritt bei Weibchen mit etwa 35 Tagen ein, bei Männchen etwas später. Diese schnelle Generationsfolge ermöglicht es der Art, Bestandsverluste relativ rasch auszugleichen.