Schermaus
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Arvicola amphibius (Syn.: Arvicola terrestris)
- Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
- Familie: Wühler (Cricetidae)
- Unterfamilie: Wühlmäuse (Arvicolinae)
- Gattung: Arvicola
- Lebensraum: Wiesen, Gärten, Uferböschungen, Feuchtgebiete, Kulturland
- Größe: 12–22 cm Kopf-Rumpf-Länge, Schwanz 5–10 cm
- Gewicht: 60–180 g, selten bis 300 g
- Lebenserwartung: 1–2 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Schermaus gehört zu den größten einheimischen Wühlmäusen und erreicht je nach Unterart und Lebensraum eine Kopf-Rumpf-Länge von 12 bis 22 Zentimetern. Der Schwanz ist deutlich kürzer als der Körper und macht etwa die Hälfte der Kopf-Rumpf-Länge aus. Das dichte, weiche Fell variiert in der Färbung von dunkelbraun über rotbraun bis schwarzbraun auf der Oberseite, während die Unterseite etwas heller erscheint. Die Fellfarbe kann regional stark schwanken.
Charakteristisch ist der gedrungene, walzenförmige Körperbau, der eine Anpassung an das Leben in unterirdischen Gangsystemen darstellt. Die kleinen, rundlichen Ohren sind nahezu vollständig im Fell verborgen. Die Augen sind ebenfalls klein. Die kräftigen Vorderpfoten sind zum Graben geeignet, aber weniger spezialisiert als bei der Maulwurfsgrille oder dem Maulwurf. Die namensgebenden, kräftigen Schneidezähne (Nagezähne) nutzt die Schermaus sowohl zum Nagen als auch zum Lösen von Erdreich – das „Scheren" der Erde gab dem Tier seinen deutschen Namen.
Von der Feldmaus unterscheidet sich die Schermaus durch die deutlich größere Körpergröße, den längeren Schwanz und die versteckten Ohren. Eine Verwechslung mit der Wanderratte ist bei flüchtigem Hinsehen möglich, doch ist der Schwanz der Ratte im Verhältnis zum Körper deutlich länger und nahezu unbehaart.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Schermaus erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis – von Westeuropa bis nach Sibirien und Nordchina. In Mitteleuropa ist die Art nahezu flächendeckend verbreitet und kommt vom Flachland bis in Höhenlagen von über 2.000 Metern vor. In der Schweiz, in Österreich und in Deutschland zählt sie zu den häufigsten Wühlmausarten.
Innerhalb ihres Areals besiedelt die Schermaus unterschiedliche Habitate. Man unterscheidet zwei ökologische Formen: Die aquatische Form (früher als eigene Unterart Arvicola amphibius geführt) lebt bevorzugt an Gewässerufern, Gräben und in Feuchtwiesen. Die terrestrische Form bewohnt Wiesen, Weiden, Obstgärten, Gemüsebeete und andere Kulturlandflächen. Diese terrestrische Lebensweise bringt die Schermaus häufig in Konflikt mit Landwirtschaft und Gartenbau. Das jeweilige Biotop muss grabfähige Böden und ausreichend pflanzliche Nahrung bieten.
Ernährung
Die Schermaus ernährt sich überwiegend pflanzlich. Ihre Hauptnahrung besteht aus Wurzeln, Knollen, Rhizomen und Zwiebeln verschiedener Pflanzen. Besonders beliebt sind Wurzeln von Löwenzahn, Möhren, Sellerie und anderen Kulturpflanzen. Auch Baumwurzeln, insbesondere von jungen Obstbäumen, werden angenagt, was erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen kann.
Im Uferbereich lebende Schermäuse fressen zusätzlich Schilf, Rohrkolben und andere Sumpfpflanzen. Gelegentlich werden Insektenlarven, Schnecken oder Muscheln aufgenommen, tierische Kost spielt aber eine untergeordnete Rolle. Im Herbst legen manche Individuen Nahrungsvorräte in ihren Bauen an, vor allem Wurzelstücke und Knollen.
Verhalten & Lebensweise
Die Schermaus ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigt aber auch tagsüber Aktivitätsphasen. Sie lebt einzelgängerisch und verteidigt ihr Revier gegen Artgenossen. Die Reviergröße variiert je nach Nahrungsangebot und Populationsdichte.
Ihr unterirdisches Gangsystem besteht aus einem Netz flacher und tiefer Gänge mit Nestkammern und Vorratskammern. Die Gänge verlaufen in der Regel in einer Tiefe von 5 bis 30 Zentimetern, können aber auch tiefer reichen. Die charakteristischen Erdhaufen an der Oberfläche ähneln denen des Maulwurfs, sind jedoch flacher und unregelmäßiger geformt. Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal: Die Schermaus wirft die Erde seitlich aus, sodass der Gangeingang seitlich versetzt unter dem Haufen liegt, während beim Maulwurf der Gang mittig von unten in den Haufen mündet.
Die aquatische Form ist eine gute Schwimmerin und Taucherin. Sie gräbt ihre Baue in Uferböschungen, wobei der Eingang häufig unter der Wasseroberfläche liegt. Trotz des alten Synonyms „Wasserratte" handelt es sich nicht um eine Ratte, sondern eindeutig um eine Wühlmaus.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungszeit erstreckt sich in Mitteleuropa von März bis Oktober. In günstigen Jahren kann sie bereits im Februar beginnen. Ein Weibchen bringt pro Saison zwei bis vier Würfe hervor, wobei jeder Wurf durchschnittlich drei bis sechs Jungtiere umfasst. Die Tragzeit beträgt etwa 21 Tage.
Die Jungtiere kommen blind und nackt in einer gepolsterten Nestkammer zur Welt. Sie entwickeln sich rasch, öffnen nach etwa 10 Tagen die Augen und werden nach rund drei Wochen entwöhnt. Bereits im Alter von zwei Monaten sind die Jungmäuse geschlechtsreif und können sich noch im selben Jahr fortp