Knochenbruch
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Definition & Überblick
Ein Knochenbruch – in der Fachsprache als Fraktur (lat. fractura) bezeichnet – ist eine vollständige oder teilweise Unterbrechung der Kontinuität eines Knochens. Frakturen gehören zu den häufigsten schweren Verletzungen in der Tiermedizin und können bei sämtlichen Haus-, Nutz- und Wildtieren auftreten. Besonders oft betroffen sind Hunde, Katzen, Pferde, Kaninchen und Ziervögel.
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen geschlossenen Frakturen, bei denen die Haut über der Bruchstelle intakt bleibt, und offenen Frakturen (Fractura aperta), bei denen Knochenfragmente durch die Haut nach außen treten. Letztere sind besonders gefährlich, da das Risiko einer bakteriellen Infektion und einer Osteomyelitis – einer Entzündung des Knochenmarks – erheblich steigt. Weitere Klassifikationen umfassen die Grünholzfraktur (unvollständiger Bruch bei Jungtieren mit noch elastischem Knochen), die Trümmerfraktur (Splitterbruch mit mehreren Fragmenten), die Spiralfraktur (Drehbruch) sowie die Ermüdungsfraktur (Stressfraktur durch chronische Überlastung). Die Art der Fraktur bestimmt maßgeblich die Prognose und die Wahl der Therapie.
Ursachen & Risikofaktoren
Die mit Abstand häufigste Ursache für Knochenbrüche bei Kleintieren ist ein stumpfes Trauma: Autounfälle, Stürze aus großer Höhe (bei Katzen als sogenanntes Hochhaussyndrom bekannt), Tritte oder Bissverletzungen durch andere Tiere. Bei Pferden entstehen Frakturen oft durch Fehltritte auf unebenem Boden, Stürze beim Springen oder Tritte gegen feste Gegenstände. Ziervögel erleiden Knochenbrüche häufig durch Kollisionen mit Fensterscheiben oder Einklemmen in Käfigtüren.
Neben traumatischen Ursachen gibt es sogenannte pathologische Frakturen. Diese entstehen an Knochen, die durch eine Grunderkrankung bereits vorgeschädigt sind. Zu den Risikofaktoren zählen:
- Tumorerkrankungen – insbesondere das Osteosarkom, ein bösartiger Knochentumor, der bei großen Hunderassen gehäuft auftritt
- Metabolische Knochenerkrankungen – etwa die nutritive sekundäre Hyperparathyreoidose bei fehlernährten Reptilien oder jungen Katzen durch Kalzium- und Vitamin-D-Mangel
- Osteoporose – eine Verminderung der Knochendichte, die vor allem bei älteren oder hormonell bedingt geschwächten Tieren vorkommt
- Rassebedingte Prädispositionen – Toy-Rassen wie Chihuahua oder Zwergpinscher neigen aufgrund ihrer feingliedrigen Knochenstruktur zu Frakturen der Unterarmknochen (Radius und Ulna)
- Jungtiere und Senioren – Bei Welpen sind die Knochen noch nicht voll mineralisiert, bei alten Tieren nimmt die Knochenstabilität ab
Symptome & Erkennung
Die klinischen Anzeichen eines Knochenbruchs variieren je nach Lokalisation und Schweregrad. Typische Symptome sind:
- Starke Lahmheit oder vollständige Entlastung der betroffenen Gliedmaße – das Tier vermeidet jede Belastung und hält das Bein hoch
- Schwellung und Hämatom (Bluterguss) im Bereich der Bruchstelle
- Abnorme Beweglichkeit – das betroffene Körperteil lässt sich in einer Weise bewegen, die anatomisch nicht vorgesehen ist
- Krepitation – ein knirschendes oder reibendes Geräusch, das beim Bewegen der Bruchenden gegeneinander entsteht
- Fehlstellung oder sichtbare Verformung der Gliedmaße (Achsenabweichung)
- Starke Schmerzäußerungen – Wimmern, Schreien, Beißen bei Berührung oder Aggressivität als Schmerzreaktion
- Schockzeichen – blasse Schleimhäute, schneller flacher Puls, Apathie, besonders bei schweren Traumata mit Mehrfachverletzungen (Polytrauma)
Bei Frakturen des Beckens, der Wirbelsäule oder des Schädels können die Symptome weniger offensichtlich sein. Beckenfrakturen äußern sich oft durch einen schwankenden Gang und Schwierigkeiten beim Absetzen von Kot und Urin. Wirbelsäulenfrakturen können zu neurologischen Ausfällen bis hin zur vollständigen Lähmung führen.
Diagnose
Die Verdachtsdiagnose ergibt sich zunächst aus der klinischen Untersuchung und dem Vorbericht (Anamnese). Der Tierarzt tastet die betroffene Region vorsichtig ab (Palpation) und prüft Durchblutung, Motorik und Sensibilität distal der vermuteten Bruchstelle.
Das wichtigste bildgebende Verfahren ist die Röntgenuntersuchung (Radiographie). Standardmäßig werden Aufnahmen in mindestens zwei Ebenen angefertigt, um Lage, Verlauf und Ausmaß der Fraktur exakt beurteilen zu können. Dabei wird stets auch das angrenzende Gelenk mitabgebildet, um begleitende Luxationen (Gelenkausrenkungen) auszuschließen.
In komplexen Fällen – etwa bei Gelenkfrakturen, Wirbelsäulenverletzungen oder unklaren Befunden – kommen weiterführende Verfahren zum Einsatz: Die Computertomographie (CT) liefert dreidimensionale Schnittbilder mit hoher Detailauflösung. Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist besonders hilfreich zur Beurteilung von Weichteilschäden, Bandverletzungen und Rückenmarksbeteiligung. Bei Verdacht auf pathologische Frakturen werden zusätzlich Blutuntersuchungen sowie gegebenenfalls eine Knochenbiopsie durchgeführt.