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Korallenstock

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Definition und Überblick

Ein Korallenstock ist die feste, kalkhaltige Struktur, die von einer Kolonie riffbildender Korallen über Monate, Jahre oder Jahrhunderte aufgebaut wird. Der Begriff bezeichnet dabei sowohl die lebende Einheit – also die Gesamtheit der genetisch identischen Korallenpolypen mitsamt ihrem gemeinsamen Kalkskelett – als auch die zurückbleibende Skelettstruktur nach dem Absterben der Tiere. Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch wird der Korallenstock häufig als Korallenkolonie bezeichnet; im Englischen ist der Ausdruck coral head oder coral colony gebräuchlich.

Korallenstöcke sind die elementaren Bausteine eines jeden Korallenriffs. Einzelne Stöcke können wenige Zentimeter bis mehrere Meter Durchmesser erreichen. Besonders massiv wachsende Gattungen wie Porites bilden kugelförmige Stöcke, die mehrere Hundert Jahre alt werden und Durchmesser von über fünf Metern erreichen können. Zusammen formen unzählige solcher Einzelkolonien die gewaltigen Riffstrukturen tropischer Meere – vom Great Barrier Reef vor Australien bis zu den Atollen des Indischen Ozeans.

Aufbau und Wachstum

Jeder Korallenstock geht auf eine einzelne, frei schwimmende Korallenlarve (Planula) zurück. Sobald sich diese Larve auf einem geeigneten Hartsubstrat – etwa einem Felsen, einem abgestorbenen Riffabschnitt oder einer Muschelschale – festsetzt, wandelt sie sich in einen Primärpolypen um. Dieser beginnt sofort, Calciumcarbonat (Aragonit) abzuscheiden und ein schützende Kalkbasis zu bilden. Durch ungeschlechtliche Vermehrung, vor allem durch Knospung, entstehen aus dem Primärpolypen zahlreiche genetisch identische Tochterpolypen. Alle Polypen einer Kolonie bleiben über ein gemeinsames Gewebe, das Coenosarc, miteinander verbunden und teilen Nährstoffe untereinander.

Die Form des entstehenden Korallenstocks hängt von der Art, den Strömungsverhältnissen, der Lichtintensität und der Wassertiefe ab. Grundsätzlich lassen sich mehrere Wuchsformen unterscheiden:

  • Massiv: Kugel- oder halbkugelförmige Stöcke mit dichtem Skelett, typisch für Gattungen wie Porites, Favia und Montastraea.
  • Verzweigt (ramose): Geweih- oder baumförmig verästelte Kolonien, etwa bei Acropora oder Pocillopora. Diese Formen wachsen schnell, sind aber bruchanfällig.
  • Plattenförmig (tabulat): Flache, tischähnliche Strukturen, die sich in lichtarmen Tiefen ausbreiten, um möglichst viel Sonnenlicht einzufangen.
  • Inkrustierend: Flach dem Untergrund aufliegende Überzüge, häufig in stark strömungsexponierten Bereichen.
  • Blattförmig (folios): Dünne, gewellte Platten, die an Salatblätter erinnern, etwa bei Turbinaria.

Die Wachstumsraten variieren erheblich. Verzweigte Steinkorallen der Gattung Acropora legen bis zu 15 Zentimeter pro Jahr zu, während massive Stöcke oft nur wenige Millimeter jährlich wachsen. Die Einlagerung saisonaler Wachstumsbänder im Kalkskelett ermöglicht es Forschenden, das Alter eines Korallenstocks ähnlich wie bei Baumringen zu bestimmen – eine Methode, die als Sclerochronologie bekannt ist.

Ökologische Bedeutung

Korallenstöcke erfüllen im marinen Ökosystem zahlreiche Funktionen. Als dreidimensionale Strukturen schaffen sie Lebensraum für eine enorme Vielfalt an Organismen. In den Hohlräumen, Spalten und Verästelungen eines einzigen Stocks können Dutzende Arten von Fischen, Krebstieren, Schnecken, Würmern und Schwämmen Unterschlupf finden. Schätzungen zufolge beherbergen Korallenriffe rund 25 Prozent aller marinen Arten, obwohl sie weniger als ein Prozent der Ozeanfläche bedecken.

Die meisten riffbildenden Steinkorallen (Scleractinia) leben in Symbiose mit einzelligen Algen, den sogenannten Zooxanthellen (Gattung Symbiodinium). Diese Dinoflagellaten siedeln im Gewebe der Korallenpolypen und betreiben Photosynthese. Dabei liefern sie bis zu 90 Prozent des Energiebedarfs der Koralle in Form von Zuckern und Aminosäuren. Im Gegenzug erhalten die Zooxanthellen Schutz, Kohlendioxid und mineralische Nährstoffe. Diese Partnerschaft ist auch der Grund, warum riffbildende Korallen auf klares, nährstoffarmes Wasser und ausreichend Licht angewiesen sind – und damit auf Wassertiefen von meist unter 40 Metern.

Darüber hinaus tragen Korallenstöcke wesentlich zur Küstenbildung bei. Abgestorbene Kolonien werden durch Wellen, Bioerosion und Sedimentation zerkleinert und bilden Korallensand, der Strände und Inseln aufbaut. Gleichzeitig wirken intakte Riffstrukturen als natürlicher Wellenbrecher und schützen Küsten vor Sturmfluten und Erosion.

Gefährdung und Korallenbleiche

Korallenstöcke sind weltweit durch eine Kombination aus globalen und lokalen Stressfaktoren bedroht. Die gravierendste Gefahr stellt die Korallenbleiche dar: Bei anhaltend erhöhten Wassertemperaturen – bereits ein bis zwei Grad Celsius über dem langjährigen Sommermaximum – stoßen die Polypen ihre Zooxanthellen ab. Der Korallenstock verliert dadurch seine Farbe und erscheint weiß, da das transparente Polypengewebe das helle Kalkskelett freilegt. Hält der Temperaturstress über mehrere Wochen an, stirbt die Kolonie ab.

Weitere Gefährdungsfaktoren sind:

  • Ozeanversauerung: Steigender CO₂-Gehalt im Meerwasser senkt den pH-