Krebsschere
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Definition und Überblick
Die Krebsschere (Stratiotes aloides) ist eine heimische Wasserpflanze aus der Familie der Froschbissgewächse (Hydrocharitaceae). Trotz ihres Namens hat sie nichts mit Krebstieren zu tun – die Bezeichnung leitet sich von der charakteristischen Form ihrer starren, gezähnten Blätter ab, die an die Scheren eines Flusskrebses erinnern. Weitere volkstümliche Namen sind Wasseraloe, Wassersäge oder Wasserigel. Die Pflanze ist in Europa und Westasien verbreitet und besiedelt stehende bis langsam fließende, nährstoffreiche Gewässer. Im Aquarien- und Teichbereich gilt sie als robuste, pflegeleichte Art, die gleichzeitig eine wichtige ökologische Funktion erfüllt.
Botanische Merkmale
Stratiotes aloides bildet dichte Rosetten aus schwertförmigen, dreikantigen Blättern, die eine Länge von 15 bis 40 Zentimetern erreichen können. Die Blattränder sind scharf gesägt, was der Pflanze ihren Namen „Wassersäge" eingebracht hat. Die Blätter sind steif, dickfleischig und erinnern in ihrer Anordnung an eine Aloe – daher der botanische Artname aloides.
Die Krebsschere ist zweihäusig (diözisch), das heißt, männliche und weibliche Blüten wachsen auf getrennten Pflanzen. Die weißen, dreiblättrigen Blüten erscheinen zwischen Mai und August und ragen knapp über die Wasseroberfläche hinaus. Weibliche Blüten sind einzeln und sitzend, während männliche Blüten in kleinen Gruppen stehen. In Mitteleuropa kommen allerdings überwiegend weibliche Exemplare vor, weshalb die generative Vermehrung durch Samen eher selten beobachtet wird.
Lebensweise und besonderes Verhalten
Eine der auffälligsten Eigenschaften der Krebsschere ist ihr jahreszeitlicher Auf- und Abtrieb. Im Frühjahr steigen die Pflanzen vom Gewässergrund zur Oberfläche auf und bilden dort dichte, freischwimmende Bestände. Die Rosetten ragen dann teilweise aus dem Wasser heraus. Im Herbst sinken sie wieder zum Grund ab und überwintern dort. Dieser Rhythmus wird durch Veränderungen des Kalkgehalts in den Blättern gesteuert: Im Sommer lagert die Pflanze Kalk ein, der sie schwerer macht, im Frühjahr wird dieser abgebaut, was den Auftrieb ermöglicht.
Die Krebsschere bildet lange Ausläufer (Stolonen), an deren Enden sich Tochterpflanzen entwickeln. Auf diese Weise kann ein einziges Exemplar innerhalb weniger Jahre großflächige, dichte Schwimmmatten bilden. Diese vegetative Vermehrung ist die Hauptvermehrungsform der Art in Mitteleuropa.
Standort und Pflege im Gartenteich
Für die Haltung im Gartenteich benötigt die Krebsschere stehende oder sehr langsam fließende Gewässer mit einer Mindesttiefe von etwa 50 Zentimetern, idealerweise 80 bis 120 Zentimetern. Der Standort sollte sonnig bis halbschattig sein. Die Pflanze bevorzugt nährstoffreiche, kalkhaltige und leicht alkalische Wasserverhältnisse mit einem pH-Wert zwischen 7 und 8.
Die Pflege ist unkompliziert. Die Rosetten werden einfach auf die Wasseroberfläche gesetzt, wo sie sich selbstständig einrichten. Ein Einpflanzen in Substrat ist nicht nötig, da die Krebsschere als Schwimmpflanze keine feste Verwurzelung im Boden benötigt, obwohl sie zeitweise lockere Wurzelverbindungen zum Substrat ausbilden kann.
In kleinen Teichen sollte die Ausbreitung regelmäßig kontrolliert werden, da die Pflanze durch ihre starke vegetative Vermehrung schnell große Flächen bedecken kann. Überzählige Tochterpflanzen lassen sich problemlos entnehmen und anderweitig einsetzen.
Eignung für das Aquarium
Für die dauerhafte Haltung in geschlossenen Aquarien ist Stratiotes aloides nur bedingt geeignet. Die Pflanze wird relativ groß und benötigt viel Licht sowie einen saisonalen Rhythmus, der im Aquarium schwer nachzubilden ist. In offenen Aquarien, Paludarien oder großen Kaltwasserbecken kann sie jedoch zeitweise gehalten werden. Besser geeignet sind für klassische Aquarien andere Vertreter der Froschbissgewächse wie der Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae) oder die Wasserpest (Elodea), die ähnliche ökologische Funktionen übernehmen, aber kompakter wachsen.
Ökologische Bedeutung
Die Krebsschere spielt in ihrem natürlichen Lebensraum eine herausragende ökologische Rolle. Ihre dichten Blattrosetten bieten zahlreichen Tierarten Lebensraum und Schutz. Besonders hervorzuheben ist die enge Beziehung zur Grünen Mosaikjungfer (Aeshna viridis), einer Libellenart, die ihre Eier ausschließlich in die Blätter der Krebsschere legt. Diese Libelle ist auf das Vorkommen der Pflanze angewiesen und entsprechend in ihrem Bestand bedroht.
Darüber hinaus nutzen Kleinfische, Amphibienlarven, Schnecken und zahlreiche Wirbellose die Bestände als Versteck, Laichplatz und Nahrungsquelle. Die Schwimmmatten beschatten das Wasser, reduzieren dadurch das Algenwachstum und tragen zur Klärung des Gewässers bei. Die Pflanze entzieht dem Wasser Nährstoffe, insbesondere Stickstoff und Phosphat, und wirkt so einer Eutrophierung entgegen.
Gefährdung und Naturschutz
In Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern ist die Krebsschere in ihren natürlichen Beständen rückläufig. Hauptursachen sind die Verschmutzung und Eutrophierung von Gewässern, die Absenkung des Grundwasserspiegels, Gewässerausbau und der Verlust geeigneter Stillgewässer. In mehreren Bundesländern steht Stratiotes aloides auf der Roten Liste gefährdeter Pflanzenarten. Das Entnehmen aus natürlichen Gewässern ist daher verboten.
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