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Losgelassenheit

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Sport & Training > Reiten & Pferdesport

Definition und Bedeutung

Losgelassenheit beschreibt einen Zustand des Pferdes, in dem es physisch und psychisch entspannt arbeitet, ohne dabei an Aktivität oder Schwung zu verlieren. Der Begriff stammt aus der klassischen Reitlehre und bildet die zweite Stufe der Ausbildungsskala, direkt nach dem Takt und vor der Anlehnung. Sie gilt als unverzichtbare Grundlage für jede weitere reiterliche Arbeit – vom Freizeitreiten bis zur Dressur auf Grand-Prix-Niveau.

Ein losgelassenes Pferd bewegt sich frei, elastisch und unverkrampft. Es zeigt keine Anzeichen von Angst, Abwehr oder muskulärer Verspannung. Losgelassenheit ist dabei kein statischer Zustand, sondern ein dynamischer Prozess, der in jeder Trainingseinheit neu erarbeitet und überprüft werden muss. Sie betrifft gleichermaßen den Körper und die Psyche des Pferdes und lässt sich nicht isoliert von anderen Elementen der Ausbildungsskala betrachten.

Erkennungsmerkmale beim Pferd

Ob ein Pferd losgelassen arbeitet, lässt sich an mehreren äußeren Anzeichen erkennen. Erfahrene Reiter und Ausbilder achten auf folgende Merkmale der Losgelassenheit:

  • Pendelnder Schweif: Der Schweif schwingt gleichmäßig im Rhythmus der Bewegung mit und wird weder eingeklemmt noch steif zur Seite gehalten.
  • Zufriedener Gesichtsausdruck: Das Auge wirkt ruhig und aufmerksam, die Ohren spielen entspannt. Kein Zähnefletschen, keine zusammengepressten Nüstern.
  • Abschnauben: Ein deutlich hörbares, zufriedenes Abschnauben gilt als eines der klassischen Zeichen innerer Entspannung.
  • Schwingender Rücken: Die Rückenmuskulatur arbeitet elastisch, der Reiter kann die Bewegung des Pferdes bequem aussitzen. Der Rücken wölbt sich rhythmisch auf und ab.
  • Geschlossenes Maul: Das Pferd kaut zufrieden und gleichmäßig auf dem Gebiss, ohne die Zunge herauszustrecken oder gegen die Reiterhand zu drücken.
  • Taktreines Vorwärts: Die Tritte und Sprünge erfolgen gleichmäßig, raumgreifend und ohne Eile. Es besteht kein Unterschied zwischen der Losgelassenheit im Schritt, Trab oder Galopp hinsichtlich des Grundprinzips – lediglich die Intensität der Bewegung variiert.

Fehlt die Losgelassenheit, zeigen Pferde häufig einen festgehaltenen Rücken, Schweifschlagen, Taktstörungen, eine hochgetragene und verspannte Halsmuskulatur oder sogenanntes „Gegen-die-Hand-Gehen". Solche Anzeichen weisen auf körperliches Unbehagen, Überforderung oder Schmerzen hin und sollten ernst genommen werden.

Die Rolle in der Ausbildungsskala

Die deutsche Ausbildungsskala – auch Skala der Ausbildung genannt – gliedert die systematische Ausbildung des Reitpferdes in sechs aufeinander aufbauende Stufen: Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung und Versammlung. Losgelassenheit nimmt als zweite Stufe eine Schlüsselposition ein, da ohne sie kein korrekter Takt auf Dauer möglich ist und eine ehrliche, weiche Anlehnung an die Reiterhand nicht entstehen kann.

Gleichzeitig stehen diese Stufen in einer Wechselwirkung zueinander. Ein taktunreines Pferd wird sich kaum lösen, und ein nicht losgelassenes Pferd wird keinen echten Schwung über den Rücken entwickeln. Losgelassenheit ist daher weniger ein Punkt, den man abhakt, sondern ein Zustand, der während der gesamten Ausbildung und bei jedem Ritt aufs Neue angestrebt wird.

Erarbeitung in der Praxis

Die Lösungsphase zu Beginn jeder Trainingseinheit dient primär dem Erreichen der Losgelassenheit. In der Regel dauert diese Phase 15 bis 20 Minuten, kann je nach Temperament, Alter und Trainingszustand des Pferdes aber variieren. Dabei kommen verschiedene Übungen und Methoden zum Einsatz:

  • Vorwärts-Abwärts-Reiten: Das Pferd wird eingeladen, den Hals fallen zu lassen und sich an die Hand heranzudehnen. Die Nase bewegt sich dabei vor die Senkrechte, der Rücken wölbt sich auf. Diese Dehnungshaltung fördert die Durchlässigkeit und lockert die gesamte Oberlinie.
  • Häufige Übergänge: Wechsel zwischen den Gangarten und innerhalb einer Gangart zwischen Zulegen und Einfangen aktivieren die Hinterhand und fördern die Aufmerksamkeit, ohne Spannung zu erzeugen.
  • Gebogene Linien: Zirkel, Schlangenlinien und Volten in angemessener Größe helfen dem Pferd, einseitige Verspannungen der Muskulatur abzubauen und die natürliche Schiefe auszugleichen.
  • Cavaletti-Arbeit: Das Übertreten von Bodenstangen in Schritt und Trab fördert die Konzentration und regt das Pferd zum aktiven Fußen und Dehnen an.
  • Longieren: An der Longe kann das Pferd sich ohne Reitergewicht lösen. Hilfszügel wie Dreieckszügel können unterstützend eingesetzt werden, ersetzen aber nicht die korrekte Einwirkung.

Entscheidend ist die Einwirkung des Reiters. Ein verkrampfter, unbalancierter Sitz überträgt sich direkt auf das Pferd. Weiche, mitgehende Hände, ein ruhiger Schenkel und ein elastisches Mitschwingen im Becken sind Voraussetzungen dafür, dass sich das Pferd unter dem Reiter lösen kann. Die Losgelassenheit des Reiters bedingt somit die Losgelassenheit des Pferdes – und umgekehrt.

Häufige Probleme und deren Ursachen

Bleibt die Losgelassenheit aus, liegen die Ursachen nicht selten außerhalb des eigentlichen Trainings. Sattelprobleme, Zahnschmerzen, Magengeschwüre oder Verspannungen im Bereich der Lendenwirbels