Lysin
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Definition & Überblick
Lysin (chemisch: L-Lysin bzw. 2,6-Diaminohexansäure) ist eine essenzielle Aminosäure, die im Organismus von Tieren nicht selbst synthetisiert werden kann. Sie muss daher zwingend über die Futterration zugeführt werden. Als Baustein von Protein nimmt Lysin eine Schlüsselrolle im Stoffwechsel ein: Es ist an der Kollagenbildung, der Calciumabsorption, der Immunfunktion sowie am Muskel- und Gewebeaufbau beteiligt. In der modernen Tierernährung gilt Lysin bei vielen Nutztierarten – insbesondere bei Schweinen und Geflügel – als die erstlimitierende Aminosäure. Das bedeutet, dass ein Lysinmangel die Verwertung aller übrigen Aminosäuren begrenzt, selbst wenn diese in ausreichender Menge vorhanden sind. Aus diesem Grund wird Lysin häufig als Einzelfuttermittel oder Ergänzungsfuttermittel gezielt dem Futter zugesetzt, um das Aminosäureprofil einer Ration zu optimieren.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Synthetisch hergestelltes Lysin wird in der Tierernährung meist als L-Lysin-Monohydrochlorid (mit einem Reingehalt von etwa 78 % L-Lysin) oder als L-Lysin-Sulfat (ca. 50–55 % Reinlysin) angeboten. Diese Produkte enthalten neben der reinen Aminosäure keine nennenswerten Mengen an Fett, Rohfaser, Vitaminen oder Mineralstoffen. Die Herstellung erfolgt überwiegend durch mikrobielle Fermentation auf Basis von Zuckerrohrmelasse oder Stärkehydrolysaten.
Natürliche Lysinquellen in der Fütterung sind vor allem tierische Proteinträger wie Fischmehl (ca. 48–55 g Lysin pro kg), Blutmehl (ca. 70 g/kg) und Magermilchpulver (ca. 26 g/kg). Unter den pflanzlichen Eiweißfuttermitteln weist Sojaextraktionsschrot mit etwa 28–30 g Lysin pro kg den höchsten Gehalt auf, während Getreide wie Weizen (3–4 g/kg), Mais (2–3 g/kg) und Gerste (3–4 g/kg) deutlich geringere Konzentrationen aufweisen. Gerade bei getreidebetonten Rationen entsteht daher häufig ein Lysindefizit, das den Einsatz von synthetischem Lysin als Ergänzungsfuttermittel wirtschaftlich und ernährungsphysiologisch sinnvoll macht.
Für welche Tiere geeignet?
- Schweine: Lysin ist die erstlimitierende Aminosäure in typischen Schweinefuttermischungen auf Getreide-Soja-Basis. Ferkel, Mastschweine und laktierende Sauen haben einen besonders hohen Bedarf.
- Geflügel: Bei Broilern und Legehennen ist Lysin nach Methionin häufig die zweitlimitierende Aminosäure. Eine bedarfsgerechte Versorgung verbessert die Mastleistung und die Eiproduktion.
- Pferde: Bei wachsenden Fohlen, tragenden und laktierenden Stuten spielt Lysin eine zentrale Rolle für Muskelentwicklung und Milchbildung. Heu- und haferbasierte Rationen sind oft lysinarm.
- Hunde und Katzen: Katzen als obligate Karnivoren haben einen hohen Aminosäurebedarf. Hochwertige Alleinfuttermittel decken diesen in der Regel ab, doch bei selbst zusammengestellten Rationen (BARF) kann eine Lysinunterversorgung auftreten.
- Wiederkäuer: Rinder, Schafe und Ziegen decken ihren Lysinbedarf teilweise über mikrobielle Proteinsynthese im Pansen. Hochleistende Milchkühe profitieren jedoch von pansengeschütztem Lysin (Bypass-Lysin), das erst im Dünndarm freigesetzt wird.
- Fische: In der Aquakultur ist Lysin bei pflanzlich betonten Futtermischungen oft limitierend und wird routinemäßig supplementiert.
Fütterungsempfehlung
Die optimale Lysinzufuhr variiert erheblich je nach Tierart, Leistungsstadium und Zusammensetzung der Grundration. Folgende Richtwerte dienen als Orientierung:
- Mastschweine: 0,85–1,15 % standardisiertes ileal verdauliches Lysin (SID-Lysin) im Alleinfuttermittel, je nach Mastphase. Ferkel benötigen die höchsten Konzentrationen.
- Broiler: 1,05–1,25 % verdauliches Lysin in der Starterphase, abnehmend auf 0,85–0,95 % in der Endmast.
- Legehennen: 0,70–0,80 % Gesamtlysin in der Futterration.
- Pferde (Fohlen, 6 Monate): ca. 0,65 % Lysin in der Gesamtration (Trockenmassebasis).
- Milchkühe (pansengeschütztes Lysin): Zielwert von 6,6–7,2 % Lysin am metabolisierbaren Protein.
Die Futtermenge an synthetischem Lysin sollte rechnerisch auf Basis einer Rationsberechnung ermittelt werden. In der Praxis werden meist 1–5 kg L-Lysin-HCl pro Tonne Mischfutter eingesetzt. Eine Überdosierung über das Doppelte des Bedarfs hinaus ist zu vermeiden, da überschüssiges Lysin über die Nieren ausgeschieden wird und den Stoffwechsel unnötig belastet. Das Fütterungsintervall folgt der normalen Mahlzeitenfrequenz – Lysin wird gleichmäßig über die tägliche Futterration verteilt.
Vorteile & Nachteile
Vorteile:
- Gezielte Optimierung des Aminosäureprofils, wodurch der Gesamtproteingehalt der Ration gesenkt werden kann – das reduziert Stickstoffausscheidungen und entlastet die Umwelt.
- Verbesserung von Wachstumsleistung, Futterverwertung und Fleischansatz bei Mast- und Nutztieren.
- Unterstützung der Immunfunktion und der Calciumverwertung, was sich positiv auf die Knochengesundheit ausw