Magerrasen
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Definition und Überblick
Magerrasen sind nährstoffarme, extensiv genutzte Graslandschaften, die zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas zählen. Der Name leitet sich von der „mageren", also nährstoffarmen Bodenbeschaffenheit ab, die das Wachstum konkurrenzstarker Gräser und Hochstauden hemmt und dadurch einer Vielzahl spezialisierter Pflanzen- und Tierarten Raum bietet. In Deutschland gelten Magerrasen als stark gefährdete Biotope, die nach § 30 des Bundesnaturschutzgesetzes unter gesetzlichem Schutz stehen. Sie kommen in verschiedenen Ausprägungen vor – von Kalkmagerrasen über Sandmagerrasen bis hin zu Borstgrasrasen – und sind eng an bestimmte geologische Untergründe, klimatische Bedingungen und historische Nutzungsformen gebunden.
Entstehung und historische Nutzung
Die meisten Magerrasen sind keine natürlichen Lebensräume im engeren Sinne, sondern verdanken ihre Entstehung jahrhundertelanger extensiver Landwirtschaft. Durch regelmäßige Beweidung mit Schafen, Ziegen oder Rindern sowie durch Mahd und Plaggen wurden dem Boden kontinuierlich Nährstoffe entzogen. Düngung fand nicht oder nur in geringem Umfang statt. Diese Bewirtschaftungsform schuf über Generationen hinweg offene, nährstoffarme Standorte, auf denen sich eine hochspezialisierte Pflanzen- und Tiergemeinschaft etablieren konnte.
Mit dem Wandel der Landwirtschaft im 20. Jahrhundert – insbesondere durch Intensivierung, Düngung und Aufforstung – gingen große Flächen an Magerrasen verloren. Schätzungen zufolge sind in Deutschland seit 1950 über 80 Prozent dieser Biotope verschwunden. Die verbliebenen Restflächen sind häufig isoliert und dadurch in ihrer ökologischen Funktionsfähigkeit eingeschränkt.
Typen von Magerrasen
- Kalkmagerrasen (Halbtrockenrasen): Diese entstehen auf kalkhaltigen, basischen Böden, etwa über Muschelkalk, Jura oder Kreide. Sie gehören pflanzensoziologisch zur Klasse der Festuco-Brometea und zeichnen sich durch Orchideenreichtum, Enzianarten und wärmeliebende Kräuter aus. Typische Verbreitungsgebiete sind die Schwäbische Alb, die Fränkische Alb und die Eifel.
- Sandmagerrasen: Auf sandigen, sauren und extrem nährstoffarmen Böden entwickeln sich Sandtrockenrasen, die zur Ordnung Corynephoretalia gehören. Silbergras, Bauernsenf und verschiedene Flechtenarten prägen das Erscheinungsbild. Verbreitungsschwerpunkte liegen in der Norddeutschen Tiefebene, im Oberrheingraben und auf Binnendünen.
- Borstgrasrasen: Diese sauren Magerrasen der Montanstufe kommen in Mittelgebirgen und im Alpenvorland vor. Die namensgebende Borstgras-Art (Nardus stricta) dominiert die Grasnarbe. Arnika, Bärwurz und verschiedene Habichtskräuter sind typische Begleitpflanzen.
- Felsgrus- und Steppenrasen: An südexponierten Steilhängen und Felsstandorten finden sich trockenheitsresistente Pflanzengesellschaften mit Federgras, Küchenschelle und verschiedenen Sedum-Arten.
Bedeutung als Tierlebensraum
Für die Tierwelt stellen Magerrasen Lebensräume von herausragender Bedeutung dar. Die strukturreiche Vegetation mit offenen Bodenstellen, niedrigwüchsigen Gräsern, Kräuterpolstern und einzelnen Gehölzen bietet ein breites Spektrum an Mikrohabitaten.
Insekten profitieren besonders von diesem Biotoptyp. Zahlreiche Schmetterlingsarten – darunter Schachbrettfalter, Silbergrüner Bläuling und Wundklee-Bläuling – sind auf Magerrasen als Larvalhabitat angewiesen. Wildbienen und Grabwespen nutzen die offenen, besonnten Bodenstellen zur Anlage ihrer Nester. Heuschrecken wie der Warzenbeißer, die Rotflügelige Ödlandschrecke und der Feldgrashüpfer finden hier optimale Bedingungen. Auch thermophile Käferarten, Ameisen und Zikaden erreichen auf Magerrasen hohe Artenzahlen.
Reptilien wie die Zauneidechse, die Schlingnatter und in wärmebegünstigten Lagen die Smaragdeidechse besiedeln strukturreiche Magerrasen mit Steinriegeln, Totholz und Gebüschsäumen. Die Kombination aus offenen Sonnplätzen und Versteckmöglichkeiten entspricht ihren Habitatansprüchen.
Vögel der offenen und halboffenen Kulturlandschaft nutzen Magerrasen als Nahrungs- und Bruthabitat. Neuntöter, Heidelerche, Wendehals und Raubwürger sind typische Brutvogelarten der Magerrasen-Landschaften. Der Steinschmätzer brütet in Kaninchenhöhlen und Steinriegeln am Rand von Sandmagerrasen.
Selbst Säugetiere wie das Europäische Ziesel, der Feldhamster oder verschiedene Fledermausarten, die über Magerrasen nach Insekten jagen, sind auf diesen Lebensraumtyp angewiesen.
Gefährdung und Schutz
Die Hauptgefährdungen für Magerrasen sind vielfältig. Nährstoffeinträge aus der Luft (atmosphärische Stickstoffdeposition) führen auch ohne direkte Düngung zu einer schleichenden Eutrophierung. Nutzungsaufgabe und die daraus folgende Verbuschung und Wiederbewaldung durch Sukzession bedrohen zahlreiche Standorte. Umbruch zu Ackerland, Aufforstung mit Nadelgehölzen und Überbauung durch Siedlungsflächen haben in der Vergangenheit zu erheblichen Flächenverlusten geführt. Auch die Verinselung verbliebener Restflächen stellt ein Problem dar, weil der genetische Austausch zwischen Populationen unterbrochen wird.
Der Schutz von Magerrasen erfordert in den meisten Fällen eine aktive Pflege. Extensive Beweidung – insbesondere Hüteschafhaltung – gilt als effektivste Maßnahme, da sie den Nährstoffentzug gewährleistet und gleichzeitig die Ausbreitung von