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Merens

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Steckbrief

  • Herkunft: Ariège, französische Pyrenäen
  • Rassestandard: Stud-Book des Mérens (Frankreich), anerkannt durch das französische Nationalgestüt (Haras Nationaux); international keine FCI-Zuordnung, da Pferderasse
  • Zuchtverband: Association Nationale du Cheval de Mérens (SHERPA Mérens), gegründet 1948
  • Stockmaß: 145–155 cm (Bergtyp teils ab 140 cm)
  • Gewicht: 400–550 kg
  • Lebenserwartung: 25–30 Jahre
  • Fell/Farben: Ausschließlich Rappen; tiefschwarzes, teils leicht gewelltes Fell; im Winter dichtes, plüschartiges Haarkleid; voller Behang an Mähne, Schweif und Fesseln

Herkunft & Geschichte

Das Mérens-Pferd – benannt nach dem Ort Mérens-les-Vals im Département Ariège – gehört zu den ältesten Pferderassen Europas. In den Höhlen von Niaux finden sich über 13.000 Jahre alte Felszeichnungen, die Pferde zeigen, welche dem heutigen Mérens verblüffend ähnlich sehen. Ob eine direkte Abstammung von diesen eiszeitlichen Wildpferden besteht, ist wissenschaftlich nicht restlos geklärt, doch die jahrhundertelange Isolation in den Hochpyrenäen hat die Rasse in bemerkenswerter Reinheit erhalten.

Über Jahrhunderte nutzten Bergbauern der Ariège diese robusten Schwarzen als Arbeitspferde: Sie schleppten Holz aus steilen Schluchten, pflügten karge Felder und trugen Lasten über schmale Gebirgspfade. Im Mittelalter sollen Mérens-Pferde Ritter auf Kreuzzügen begleitet haben, was allerdings eher der Legende als gesicherter Quellenlage entspricht. Im 20. Jahrhundert erlebte die Rasse einen drastischen Rückgang. Mechanisierung und fehlende Wirtschaftlichkeit ließen den Bestand auf wenige hundert Tiere schrumpfen. Erst die Gründung des Zuchtverbands 1948 und gezielte Erhaltungszucht wendeten das Blatt. Heute ist der Bestand stabil, und die Rasse findet weit über Frankreich hinaus Liebhaber – auch in Deutschland, der Schweiz, Belgien und Italien bestehen aktive Zuchtgruppen.

Aussehen & Rassemerkmale

Das Mérens ist ein kompaktes, muskulöses Gebirgspferd mit unverwechselbarer Erscheinung. Der Kopf ist eher kurz und breit, mit gerader oder leicht konvexer Nasenlinie, großen, dunklen Augen und kleinen, beweglichen Ohren. Der Hals ist kräftig, gut aufgesetzt und geht in eine ausgeprägte Schulter über. Der Rumpf ist tief und breit, der Rücken kurz und tragfähig, die Kruppe leicht abfallend und gut bemuskelt.

Besonders auffällig sind die starken, trockenen Gliedmaßen mit harten, widerstandsfähigen Hufen, die selten einen Beschlag benötigen. Der Kötenbehang ist üppig und verleiht dem Mérens sein charakteristisches, rustikales Aussehen. Das Langhaar – Mähne und Schweif – wächst dicht und oft leicht gewellt. Laut Rassestandard sind ausschließlich Rappen zugelassen; minimale braune Aufhellungen am Maul oder in den Flanken werden toleriert, Abzeichen an Kopf und Beinen hingegen nicht.

Es existieren innerhalb der Rasse zwei Typen: Der traditionelle Bergtyp ist etwas kleiner und gedrungener, während der modernere Sporttyp durch gezielte Selektion etwas größer, leichter und eleganter im Bewegungsablauf ist.

Charakter & Wesen

Wer einmal mit einem Mérens gearbeitet hat, vergisst dessen Charakter nicht. Diese Pferde sind außergewöhnlich gutmütig, nervenstark und menschenbezogen. Sie bauen eine enge Bindung zu ihrer Bezugsperson auf und zeigen sich dabei treu und zuverlässig. Trotz ihres ruhigen Grundtemperaments sind Mérens keineswegs phlegmatisch – sie besitzen einen wachen Verstand, sind lernwillig und durchaus eigenständig im Denken.

Ihre Trittsicherheit in unwegsamem Gelände ist legendär und geht einher mit einer bemerkenswerten Gelassenheit. Wo andere Pferde scheuen, bleibt das Mérens besonnen. Diese Kombination aus Mut, Ruhe und Kooperationsbereitschaft macht es zu einem äußerst vielseitigen Partner. Im Umgang mit Kindern zeigen sich Mérens geduldig und vorsichtig, was ihren Ruf als ideales Familienpferd begründet.

Haltung & Pflege

Das Mérens ist ein Pferd, das Raum und Bewegung braucht. Eine reine Boxenhaltung widerspricht seinem Naturell grundlegend. Ideal ist ganzjährige Offenstallhaltung oder Weidehaltung mit einem Unterstand, der vor extremer Witterung schützt. In seiner Heimat verbringen Mérens-Herden den Sommer auf Hochalmen über 2.000 Metern – das sagt viel über ihre Anspruchslosigkeit und Wetterhärte.

Die Fellpflege ist unkompliziert, erfordert aber gerade im Winter Aufmerksamkeit, da das dichte Winterfell leicht verfilzen kann. Regelmäßiges Bürsten fördert die Durchblutung und stärkt die Bindung. Der üppige Kötenbehang sollte kontrolliert werden, um Mauke vorzubeugen, vor allem auf feuchten Böden. Die Hufe sind von Natur aus hart und robust; dennoch ist regelmäßige Hufpflege durch einen erfahrenen Hufschmied alle sechs bis acht Wochen unerlässlich.

An Beschäftigung eignen sich Wanderritte, Distanzritte, Dressur- und Springarbeit auf mittlerem Niveau, Kutschfahren sowie therapeutisches Reiten. Auch die Arbeit im Wald – etwa Holzrücken – erlebt mit dem Mérens eine Renaissance.

Ernährung

Als typische Robustrasse ist das Mérens ein ausgesprochen guter Futterverwerter. Das bedeutet in der Praxis: Weniger ist oft mehr. Hochwertiges Heu und Weidegras bilden die Grundlage der Fütterung. Kraftfutter ist nur bei erhöhter Arbeitsbelastung nötig und sollte dann in moderaten Mengen gegeben werden