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Milbe

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Tiermedizin & Gesundheit > Parasiten

Definition & Überblick

Milben (Acari) sind mikroskopisch kleine Spinnentiere (Arachnida), die als Ektoparasiten auf oder in der Haut von Säugetieren, Vögeln, Reptilien und Amphibien leben. Mit über 50.000 beschriebenen Arten bilden sie eine der artenreichsten Gruppen innerhalb der Gliederfüßer. Nicht alle Milbenarten sind parasitär – viele leben freilebend im Boden oder in organischem Material –, doch in der Tiermedizin spielen vor allem die parasitischen Vertreter eine bedeutende Rolle.

Die wichtigsten veterinärmedizinisch relevanten Milbengruppen umfassen:

  • Grabmilben (Sarcoptes scabiei) – Erreger der Sarkoptesräude, befallen Hunde, Katzen, Schweine und zahlreiche Wildtiere
  • Demodex-Milben (Demodex canis, D. cati, D. gatoi) – Erreger der Demodikose, leben in den Haarbälgen und Talgdrüsen
  • Ohrmilben (Otodectes cynotis) – häufigste Ursache parasitärer Otitis externa bei Hund und Katze
  • Räudemilben (Chorioptes, Psoroptes) – vor allem bei Pferden, Rindern und Kaninchen verbreitet
  • Herbstgrasmilben (Neotrombicula autumnalis) – saisonale Plage, deren Larven an der Haut parasitieren
  • Rote Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae) – bedeutender Parasit in der Geflügelhaltung und bei Ziervögeln

Die Erkrankungen, die durch Milbenbefall hervorgerufen werden, werden zusammenfassend als Acariosen bezeichnet. Je nach Milbenart variieren Befallsort, Symptomatik und Schweregrad erheblich.

Ursachen & Risikofaktoren

Die Übertragung parasitischer Milben erfolgt überwiegend durch direkten Körperkontakt zwischen befallenen und gesunden Tieren. Sarcoptes- und Ohrmilben werden häufig bereits vom Muttertier auf die Welpen übertragen. Einige Milbenarten überleben für begrenzte Zeit in der Umgebung – auf Decken, Bürsten oder in Stallungen –, sodass auch eine indirekte Übertragung möglich ist.

Bestimmte Risikofaktoren begünstigen einen Milbenbefall oder dessen schweren Verlauf:

  • Immunsuppression – Jungtiere, alte Tiere oder Patienten unter Cortisontherapie beziehungsweise Chemotherapie sind besonders anfällig
  • Mangelernährung und schlechter Allgemeinzustand
  • Haltung in Gruppen – Tierheime, Zuchten, Pensionen und Ställe mit hoher Besatzdichte
  • Stress – Umzug, Vergesellschaftung, Kastration oder andere belastende Situationen
  • Genetische Prädisposition – bestimmte Hunderassen wie Mops, Französische Bulldogge und Shar-Pei neigen zur generalisierten Demodikose
  • Saisonalität – Herbstgrasmilben treten typischerweise von Juli bis Oktober auf

Demodex-Milben verdienen besondere Beachtung: Sie gehören in geringer Anzahl zur normalen Hautfauna vieler Säugetiere. Erst bei gestörter Immunabwehr vermehren sie sich unkontrolliert und lösen eine klinisch manifeste Demodikose aus.

Symptome & Erkennung

Die klinischen Anzeichen eines Milbenbefalls variieren je nach Erreger, Befallsstärke und betroffener Körperregion. Folgende Leitsymptome sind charakteristisch:

  • Intensiver Juckreiz (Pruritus) – besonders ausgeprägt bei Sarkoptesräude und Ohrmilbenbefall; Demodikose verläuft häufig juckreizarm
  • Haarausfall (Alopezie) – umschrieben oder großflächig, oft an Kopf, Ohren, Ellbogen und Bauch beginnend
  • Hautrötung (Erythem) und Schuppenbildung
  • Krustenbildung und Papeln – bei Sarkoptesräude typischerweise an den Ohrrändern und Ellbogen
  • Sekundäre bakterielle Hautinfektionen (Pyodermie) – durch Kratzen und Selbsttraumatisierung
  • Dunkles, krümeliges Ohrenschmalz – pathognomonisch für Ohrmilbenbefall
  • Hautverdickung (Lichenifikation) und Hyperpigmentierung – bei chronischem Verlauf

Bei Geflügel äußert sich ein Befall mit der Roten Vogelmilbe durch Unruhe, verminderte Legeleistung, Anämie und im Extremfall durch Todesfälle in der Herde. Bei Kaninchen führt die Psoroptes-Räude zu massiven Krusten in den Ohrmuscheln.

Diagnose

Die Verdachtsdiagnose ergibt sich aus der klinischen Untersuchung, dem Verteilungsmuster der Hautveränderungen und der Anamnese. Zur Sicherung der Diagnose stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung:

  • Hautgeschabsel (Hautscrapings) – Die wichtigste diagnostische Methode. Bei der oberflächlichen Variante wird Haut mit einem Skalpell abgeschabt; bei der tiefen Variante wird bis zum Kapillarblutaustritt geschabt, um in den Haarbälgen sitzende Demodex-Milben zu erfassen. Das Material wird unter dem Mikroskop untersucht.
  • Trichogramm – Ausgezupfte Haare werden mikroskopisch auf anhaftende Demodex-Milben untersucht. Besonders geeignet bei schwierig zu schabenden Körperstellen wie den Pfoten oder dem Periorbitalbereich.
  • Tesafilm-Abklatsch (Klebestreifenpräparat) – geeignet zum Nachweis oberflächlicher Milben wie Cheyletiella.
  • Otoskopie – Bei Verdacht auf Ohrmilben ermöglicht die Untersuchung des Gehörgangs mit dem