Murgese
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Steckbrief
- Herkunft: Apulien (Murge-Hochebene), Süditalien
- Rassestandard: Italienisches Zuchtbuch (Libro Genealogico), anerkannt durch das italienische Landwirtschaftsministerium und die UNIRE; kein FCI-Standard (Pferderasse)
- Zuchtverband: Associazione Regionale Allevatori (ARA Puglia), ANACIM (Associazione Nazionale Allevatori del Cavallo delle Murge e dell'Asino di Martina Franca)
- Stockmaß: 150–168 cm (Stuten ab ca. 150 cm, Hengste bis ca. 168 cm)
- Gewicht: 400–500 kg
- Lebenserwartung: 25–30 Jahre
- Fell/Farben: Überwiegend Rappen, seltener Dunkelbraune; weiße Abzeichen sind unerwünscht und nur minimal toleriert
Herkunft & Geschichte
Der Murgese zählt zu den ältesten Pferderassen Italiens. Seine Abstammung lässt sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen, als auf der kalkhaltigen Murge-Hochebene in Apulien robuste Arbeitspferde gezüchtet wurden. Die Region zwischen Bari, Taranto und Brindisi mit ihren kargen Böden, heißen Sommern und kalten Wintern formte über Jahrhunderte ein widerstandsfähiges, genügsames Pferd.
In der Entstehungsgeschichte des Murgese spielten verschiedene Einflüsse eine Rolle. Während der spanischen Herrschaft über Süditalien gelangten Berber- und Araberpferde in die Region, die mit den einheimischen Landpferden gekreuzt wurden. Auch neapolitanisches Blut floss in die Zucht ein. Besonders unter Friedrich II. von Hohenstaufen, der in Apulien bedeutende Gestüte unterhielt, erlebte die regionale Pferdezucht eine erste Blüte.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert ging der Bestand des Murgese dramatisch zurück. Mechanisierung und veränderte Anforderungen ließen die Rasse beinahe in Vergessenheit geraten. Erst 1926 begann man mit der systematischen Neubegründung der Zucht, als das italienische Landwirtschaftsministerium ein Zuchtprogramm initiierte. Drei Gründerhengste – Nerone, Granduca und Araldo delle Murge – gelten als Stammväter der modernen Zucht. Das Zuchtbuch wurde 1948 offiziell eröffnet und wird seitdem von der ANACIM mit Sitz in Martina Franca geführt.
Heute zählt der Murgese etwa 1.500 eingetragene Zuchttiere. Die Rasse gilt zwar nicht mehr als akut gefährdet, bleibt aber eine vergleichsweise seltene und regional geprägte Pferderasse mit wachsendem internationalem Interesse.
Aussehen & Rassemerkmale
Der Murgese präsentiert sich als mittelgroßes, kompaktes Pferd mit harmonischem Körperbau. Der Kopf ist ausdrucksvoll, gerade bis leicht konvex im Profil, mit großen, dunklen Augen und mittelgroßen Ohren. Der Hals ist kräftig, gut aufgesetzt und von mittlerer Länge, der Widerrist mäßig ausgeprägt.
Der Rumpf zeigt eine breite, tiefe Brust, einen kräftigen Rücken und eine leicht abfallende, muskulöse Kruppe. Die Beine sind trocken und stabil mit harten Hufen – ein Ergebnis der jahrhundertelangen Selektion auf den steinigen Böden der Murge-Hochebene. Die Hufe gelten als besonders widerstandsfähig und benötigen auf natürlichem Untergrund oft keinen Beschlag.
Das Fell ist kurz, glänzend und fast ausschließlich in Schwarz gehalten. Der Murgese ist ein ausgesprochener Rappe, wobei die Farbintensität von tiefem Lackschwarz bis zu einem bläulich schimmernden Kohlschwarz variiert. Mähne und Schweif sind üppig und dicht. Der Rassestandard toleriert lediglich minimale weiße Abzeichen am Kopf; größere Abzeichen an den Beinen oder am Körper führen zum Ausschluss aus der Zucht.
Charakter & Wesen
Der Murgese besticht durch ein ausgeglichenes, ruhiges Temperament, das ihn zu einem äußerst verlässlichen Partner macht. Er ist intelligent, lernwillig und zeigt eine enge Bindung an seinen Reiter oder Besitzer. Dabei bringt er eine natürliche Gelassenheit mit, die ihn auch in unbekannten Situationen besonnen reagieren lässt.
Trotz seiner Ruhe ist der Murgese keineswegs phlegmatisch. Er ist arbeitswillig, trittsicher und zeigt unter dem Sattel eine bemerkenswerte Ausdauer. Sein genügsames Wesen, gepaart mit einer natürlichen Wachsamkeit, macht ihn zu einem vielseitig einsetzbaren Pferd. Im Umgang ist er freundlich, treu und unkompliziert – Eigenschaften, die ihn auch für weniger erfahrene Reiter interessant machen.
Haltung & Pflege
Der Murgese ist an karge Haltungsbedingungen angepasst und stellt keine übermäßigen Ansprüche an seine Umgebung. Dennoch profitiert er wie jedes Pferd von einer artgerechten Haltung mit ausreichend Bewegung und sozialem Kontakt zu Artgenossen. Offenstallhaltung oder Laufstallsysteme mit Weidegang kommen seinem Naturell sehr entgegen.
Die Fellpflege gestaltet sich unkompliziert. Das kurze, dichte Fell sollte regelmäßig gestriegelt werden, um Durchblutung und Hautstoffwechsel anzuregen. Die üppige Mähne und der Schweif neigen zu Verfilzungen und sollten regelmäßig verlesen werden. Besonderes Augenmerk verdient die Hufpflege: Obwohl der Murgese über ausgesprochen harte Hufe verfügt, ist eine regelmäßige Kontrolle und Korrektur durch den Hufschmied alle sechs bis acht Wochen unverzichtbar.
Als Beschäftigung eignet sich der Murgese hervorragend für Wanderritte, Dressurarbeit bis zur mittleren Klasse, Arbeitsreitweisen und die Kutschfahrt. In seiner Heimat wird er traditionell auch in der Waldarbeit und als Hirtenpferd eingesetzt. Zunehmend findet man ihn außerdem im therapeutischen Reiten, wo sein ruhiges Wesen besonders geschätzt wird.