Notdienst
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Definition & Überblick
Der tierärztliche Notdienst bezeichnet die organisierte veterinärmedizinische Versorgung außerhalb der regulären Sprechzeiten – also an Wochenenden, Feiertagen sowie in den Abend- und Nachtstunden. Er stellt sicher, dass Tiere auch in akuten Notsituationen professionelle medizinische Hilfe erhalten, wenn die Haustierpraxis geschlossen ist. In Deutschland ist der Notdienst über die jeweiligen Landestierärztekammern organisiert und gesetzlich verankert. Tierärztliche Notfallkliniken, sogenannte Tierkliniken mit 24-Stunden-Bereitschaft, sowie rotierende Notdienstpraxen bilden das Rückgrat dieser Versorgungsstruktur.
Für Tierhalter ist es entscheidend, zwischen einem echten Notfall (Emergenz) und einem dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Zustand zu unterscheiden. Diese Einschätzung beeinflusst, ob ein sofortiger Besuch in der Notaufnahme erforderlich ist oder ob die Behandlung bis zur nächsten regulären Sprechstunde warten kann. Fehleinschätzungen in beide Richtungen – unnötige Notdienstbesuche ebenso wie verschleppte echte Notfälle – können Probleme verursachen.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Im Zweifelsfall sollte immer eine tierärztliche Notfallpraxis kontaktiert werden.
Ursachen & Risikofaktoren
Zahlreiche Situationen können dazu führen, dass ein Tier außerhalb der Praxisöffnungszeiten notfallmäßig versorgt werden muss. Zu den häufigsten Ursachen für Notdienstbesuche zählen:
- Traumata: Autounfälle (Polytrauma), Bissverletzungen, Stürze aus großer Höhe (Fenstersturz bei Katzen, auch als „High-Rise-Syndrom" bekannt) sowie Schnittwunden und Knochenbrüche (Frakturen).
- Vergiftungen (Intoxikationen): Aufnahme von Rattengift (Rodentizide), Schokolade (Theobrominvergiftung), Trauben, Xylitol, Medikamenten oder Giftködern. Besonders gefährdet sind neugierige Jungtiere.
- Akute Magen-Darm-Probleme: Magendrehung (Torsio ventriculi) vor allem bei großen Hunderassen, Fremdkörperobstruktion (Darmverschluss durch verschluckte Gegenstände) sowie unstillbares Erbrechen oder blutiger Durchfall.
- Atemnot (Dyspnoe): Durch allergische Reaktionen (Anaphylaxie), Herzversagen, Lungenödem oder Atemwegsverlegung.
- Geburtskomplikationen (Dystokie): Geburtsstillstand, Nachgeburtsverhaltung oder lebensschwache Welpen beziehungsweise Kitten.
- Harnwegsverschluss: Besonders bei männlichen Katzen kann eine Harnröhrenobstruktion durch Kristalle oder Harnsteine (Urolithiasis) innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden.
- Krampfanfälle (Epileptische Anfälle, Status epilepticus): Anhaltende oder sich wiederholende Krampfanfälle erfordern eine sofortige medikamentöse Intervention.
Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit eines Notfalls erhöhen, sind unter anderem bestimmte Rasseprädispositionen, hohes Alter, Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Herzinsuffizienz, ungesicherte Umgebungen sowie mangelnde Aufsicht.
Symptome & Erkennung
Die Fähigkeit, bedrohliche Symptome frühzeitig zu erkennen, kann über Leben und Tod eines Tieres entscheiden. Folgende Alarmzeichen deuten auf einen echten Notfall hin, der den sofortigen Besuch einer Notdienstpraxis erfordert:
- Bewusstlosigkeit oder starke Apathie und Reaktionslosigkeit
- Schwere Atemnot mit Maulatmung (besonders bei Katzen ein absolutes Warnsignal), röchelnde oder pfeifende Atemgeräusche
- Unstillbare Blutungen aus Wunden, Körperöffnungen oder nach Operationen
- Aufgeblähter, harter Bauch mit Unruhe und erfolglosen Brechversuchen (Verdacht auf Magendrehung)
- Wiederholte Krampfanfälle oder ein Anfall, der länger als drei Minuten andauert
- Plötzliche Lähmung der Hintergliedmaßen, insbesondere bei Katzen (Verdacht auf Aortenthrombose, auch Sattelthrombus genannt)
- Vergebliches Pressen beim Harnabsatz über mehrere Stunden
- Hitzschlag mit Körpertemperatur über 41 °C, Taumeln und starkem Hecheln
- Bekannter oder vermuteter Kontakt mit Giftstoffen
- Offene Frakturen, bei denen Knochen durch die Haut ragen
Eine Überprüfung der Vitalparameter kann bei der Einschätzung helfen: Die normale Herzfrequenz liegt beim Hund zwischen 60 und 120 Schlägen pro Minute, bei der Katze zwischen 120 und 200. Die physiologische Körpertemperatur beträgt 38,0 bis 39,0 °C. Abweichungen davon können auf einen Notfall hinweisen.
Diagnose
In der tierärztlichen Notaufnahme erfolgt zunächst eine Triage – eine Ersteinschätzung, bei der die Dringlichkeit der Behandlung festgelegt wird. Lebensbedrohliche Zustände werden dabei priorisiert. Anschließend folgt eine systematische Notfalldiagnostik, die je nach Symptomatik verschiedene Verfahren umfasst:
- Klinische Untersuchung: Auskultation (Abhören) von Herz und Lunge, Palpation (Abtasten) des Abdomens, Überprüfung der Schleimhautfarbe und der kapillären Rückfüllungszeit (KFZ) zur Beurteilung der Kreislaufsituation.
- Bildgebende Verfahren: Röntgendiagnostik zum Nachweis von Frakturen, Fremdkörpern oder einer