Offenstall
OHaltung & Pflege > Unterbringung – allgemein
Definition & Überblick
Ein Offenstall ist eine Haltungsform, bei der Tieren – vorwiegend Pferden, aber auch Rindern, Eseln, Ziegen oder Schafen – ein ständig zugänglicher, überdachter Unterstand in Kombination mit einem großzügigen Auslauf zur Verfügung steht. Anders als bei der klassischen Boxenhaltung entscheiden die Tiere selbst, ob sie sich im geschützten Bereich oder auf der Freifläche aufhalten. Der Offenstall gilt in der modernen Tierhaltung als besonders artgerechte Unterbringung, da er dem natürlichen Bewegungs- und Sozialverhalten der Tiere entgegenkommt.
Die Grundidee beruht auf der Beobachtung, dass viele Haus- und Nutztiere in freier Wildbahn große Strecken zurücklegen, im Herdenverband leben und sich wechselnden Witterungsbedingungen eigenständig anpassen. Der Offenstall bildet dieses Prinzip in einer kontrollierten Umgebung ab. Er unterscheidet sich vom reinen Weidestall dadurch, dass er ganzjährig betrieben wird und feste bauliche Strukturen aufweist.
Grundlagen & Voraussetzungen
Die wichtigste Voraussetzung für einen funktionierenden Offenstall ist ausreichend Platz. Für Pferde rechnet man als Faustregel mit mindestens 150 Quadratmetern Auslauffläche pro Tier; bei der überdachten Liegefläche sollten es je nach Rasse mindestens 10 bis 12 Quadratmeter sein. Für kleinere Tiere wie Ziegen oder Schafe gelten entsprechend angepasste Richtwerte, die in den jeweiligen Tierschutz-Leitlinien festgehalten sind.
Folgende bauliche und organisatorische Grundlagen müssen erfüllt sein:
- Wetterschutz: Der Unterstand muss mindestens an drei Seiten geschlossen sein und ein dichtes Dach besitzen. Die offene Seite sollte von der Hauptwetterseite abgewandt sein.
- Bodenbeschaffenheit: Der Auslauf benötigt einen befestigten, gut drainierten Boden, um Matsch und Staunässe zu vermeiden. Geeignet sind Paddock-Platten, Schottertragschichten oder verdichteter Naturboden.
- Futter- und Wasserversorgung: Tränken müssen frostsicher installiert sein. Futterstellen sollten so gestaltet sein, dass alle Tiere gleichzeitig und stressfrei fressen können.
- Sozialverträglichkeit: Da die Tiere dauerhaft in der Gruppe leben, muss die Herde sorgfältig zusammengestellt werden. Rangordnungskämpfe können zu Verletzungen führen, wenn Ausweichmöglichkeiten fehlen.
- Einzäunung: Ein stabiler, dem jeweiligen Tierbesatz angemessener Zaun ist Pflicht. Bei Pferden haben sich Holzzäune, flexible Bänder oder massive Rohrzäune bewährt.
Aus Sicht des Tierschutzgesetzes ist die Offenstallhaltung erlaubt und wird von vielen Tierschutzorganisationen ausdrücklich empfohlen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Haltung den Mindestanforderungen an Platz, Hygiene, Fütterung und tiermedizinische Versorgung entspricht.
Praktische Umsetzung
Bei der Planung eines Offenstalls empfiehlt es sich, zunächst die Geländegegebenheiten genau zu analysieren. Ein leicht erhöhtes, gut abfließendes Grundstück spart später viel Arbeit bei der Bodenpflege. Die Ausrichtung des Unterstands sollte so gewählt werden, dass Regen und Wind nicht hineingetrieben werden – in Mitteleuropa bedeutet das meist eine Öffnung nach Osten oder Südosten.
Der Unterstand selbst lässt sich aus Holz, Stahl oder einer Kombination beider Materialien errichten. Wichtig ist eine ausreichende Deckenhöhe (bei Pferden mindestens 3,50 Meter an der niedrigsten Stelle) und gute Belüftung, um Ammoniakdämpfe aus dem Einstreu abzuführen, ohne Zugluft zu erzeugen.
Bewährt hat sich eine Aufteilung des Geländes in funktionale Bereiche: einen Fressbereich mit Heuraufen oder Futterständern, einen Ruhebereich im Unterstand mit dicker Einstreu aus Stroh oder Spänen, einen Laufbereich für Bewegung und einen Wälzplatz mit Sand. Diese Strukturierung regt die Tiere zur Beschäftigung an und beugt Langeweile vor.
Im Alltag umfasst die Stallarbeit das tägliche Abäppeln des Auslaufs, das Kontrollieren und Nachfüllen von Wasser und Futter, das regelmäßige Auffrischen der Einstreu sowie die Überprüfung von Zäunen und Bodenflächen. Im Winter steigt der Aufwand durch Eisbildung an Tränken und erhöhten Einstreubedarf spürbar an.
Häufige Fehler
- Zu wenig Platz: Überbelegung ist der häufigste und schwerwiegendste Fehler. Sie führt zu Stress, Rangkämpfen, Verletzungen und einer schnellen Verschlechterung des Bodens.
- Mangelnde Bodenpflege: Wer den Auslauf nicht regelmäßig reinigt und den Untergrund nicht befestigt, erzeugt innerhalb weniger Wochen knöcheltiefe Schlammflächen. Das fördert Strahlfäule, Mauke und andere Erkrankungen.
- Fehlende Ausweichmöglichkeiten: Wenn rangniedrige Tiere dem dominanten Tier nicht ausweichen können, entstehen chronischer Stress und Bissverletzungen. Mindestens zwei Zugänge zum Unterstand sowie mehrere Futterstellen sind notwendig.
- Ungeeignete Herdenzusammenstellung: Neue Tiere unbedacht in eine bestehende Gruppe zu setzen, kann die gesamte Dynamik kippen. Die Eingewöhnung sollte schrittweise und unter Beobachtung erfolgen.
- Vernachlässigung der Parasitenbekämpfung: In der Gruppenhaltung auf begrenzter Fläche ist der Wurmdruck höher als auf weitläufigen Weiden. Regelmäßige Kotproben und ein gezieltes Entwurmungsmanagement sind unverzichtbar.
Tipps für Anfänger
Wer erstmals einen Offenstall betreibt, sollte zunächst mit einer kleinen, verträglichen