Parade
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Definition und Überblick
Die Parade ist eine der grundlegenden Hilfen im Reitsport und bezeichnet eine koordinierte Einwirkung des Reiters auf das Pferd durch das Zusammenspiel von Gewicht, Schenkel und Zügel. Ziel der Parade ist es, das Pferd in seinem Tempo zu regulieren, Übergänge zwischen Gangarten einzuleiten, es zum Halten zu bringen oder innerhalb einer Gangart den Grad der Versammlung zu verändern. In der klassischen Reitlehre gilt die korrekt ausgeführte Parade als Maßstab für die reiterliche Feinheit und die Durchlässigkeit des Pferdes. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen der halben Parade und der ganzen Parade, die sich in Intensität, Dauer und Zielsetzung voneinander unterscheiden.
Die halbe Parade
Die halbe Parade ist die am häufigsten angewandte Hilfengebung im Reitalltag. Sie dient dazu, die Aufmerksamkeit des Pferdes zu gewinnen, das Tempo innerhalb einer Gangart zu regulieren, Übergänge vorzubereiten und die Hinterhand zu einer vermehrten Lastaufnahme anzuregen. Im Grunde begleitet die halbe Parade nahezu jede reiterliche Einwirkung — sei es vor einer Wendung, vor dem Angaloppieren oder beim Zulegen und Verkürzen der Tritte.
Technisch betrachtet besteht die halbe Parade aus einem kurzzeitigen, feinen Zusammenwirken dreier Komponenten:
- Kreuz- und Gewichtshilfe: Der Reiter spannt kurz die Rücken- und Bauchmuskulatur an, richtet sich im Oberkörper auf und belastet die Gesäßknochen vermehrt nach unten in den Sattel. Dieses Aufrechten des Oberkörpers verlagert den Schwerpunkt minimal nach hinten.
- Schenkelhilfe: Gleichzeitig treiben die Schenkel das Pferd an die Hand heran. Die Hinterbeine des Pferdes sollen weiter unter den Schwerpunkt fußen, was die Grundlage für die Versammlung bildet.
- Zügelhilfe: Die Finger schließen sich kurz um die Zügel, nehmen den Vorwärtsimpuls auf und geben anschließend sofort wieder nach. Dieses kurze Annehmen und Nachgeben verhindert, dass das Pferd sich auf die Hand legt oder gegen den Zügel arbeitet.
Entscheidend ist das Timing: Alle drei Hilfen wirken praktisch gleichzeitig und nur für den Bruchteil eines Moments. Eine halbe Parade, die zu lang oder zu stark ausgeführt wird, verliert ihre Wirkung oder stört den Bewegungsfluss des Pferdes. Erfahrene Reiter setzen halbe Paraden so fein ein, dass sie für Zuschauer kaum sichtbar sind.
Die ganze Parade
Die ganze Parade hat das Ziel, das Pferd aus jeder Gangart — Schritt, Trab oder Galopp — zum vollständigen Halten zu bringen. Sie funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie die halbe Parade, wird jedoch intensiver und über mehrere Bewegungsphasen hinweg angewendet, bis das Pferd steht.
Bei einer korrekt gerittenen ganzen Parade kommt das Pferd geschmeidig und ausbalanciert zum Stehen, ohne auf die Vorhand zu fallen. Die Hinterbeine fußen weit unter den Körper, das Pferd bleibt an der Hilfe und steht in einer geschlossenen, aufmerksamen Haltung. In der Dressur ist die Qualität des Haltens ein eigener Bewertungspunkt: Das Pferd soll gerade stehen, alle vier Beine gleichmäßig belasten und am Zügel bleiben.
Eine häufige Fehlerquelle ist das reine Ziehen am Zügel ohne treibende Hilfe. Dies führt dazu, dass das Pferd den Rücken wegdrückt, den Hals hochnimmt oder hinter die Senkrechte kommt. Im schlimmsten Fall verlernt das Pferd die Anlehnung und reagiert mit Widersetzlichkeiten wie Kopfschlagen, Zähneknirschen oder Verkriechen hinter dem Gebiss.
Paraden in der Ausbildungsskala
Die Parade steht in engem Zusammenhang mit den Punkten der Ausbildungsskala (Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung, Versammlung). Ein durchlässiges Pferd reagiert auf feinste Paraden, weil es losgelassen über den Rücken schwingt, eine stetige Anlehnung an die Reiterhand sucht und mit der Hinterhand aktiv Last aufnimmt. Umgekehrt verbessern korrekte Paraden die Durchlässigkeit des Pferdes systematisch.
Besonders in der höheren Dressur — etwa bei Lektionen wie Piaffe, Passage oder den Übergängen zwischen starkem und versammeltem Trab — zeigt sich die Qualität der Parade. Hier genügen minimale Einwirkungen, um deutliche Veränderungen in Tempo, Kadenz und Rahmenerweiterung zu erzielen.
Paraden in verschiedenen Reitweisen
Obwohl der Begriff Parade vor allem in der klassischen englischen Reitweise und der deutschen Reitlehre verbreitet ist, existiert das Prinzip in sämtlichen Reitweisen. Im Westernreiten spricht man häufiger von „Stopp" oder „Whoa-Hilfe", das Grundprinzip — treibende Hilfe bei gleichzeitiger Begrenzung durch Sitz und Hand — bleibt jedoch gleich. In der akademischen Reitkunst nach Bent Branderup oder in der Tradition der Légèreté nach Philippe Karl wird besonderer Wert auf die Leichtheit der Parade gelegt, wobei das Pferd allein auf die Gewichtshilfe reagieren soll.
Auch in der Springreiterei sind Paraden unverzichtbar: Vor einem Hindernis reguliert der Reiter durch halbe Paraden den Galoppsprung, um den optimalen Absprungpunkt zu treffen. Eine zu starke oder zu späte Parade kann zu Verweigerungen oder Abwürfen führen.
Häufige Fehler und Korrekturansätze
Zu den verbreitetsten Fehlern bei der Paradegebung gehören:
- Rückwärtswirkendes Ziehen: Der Reiter zieht die Hände nach hinten, statt kurz die Fäuste zu schließen. Dies blockiert die Vorwärtsbewegung und stört den Takt.
- Fehlende treibende Hilfe: Ohne gleichzeitigen Schenkeleinsatz geht die Hinterhandaktivität verloren, das Pferd f