Pass
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Definition und Überblick
Der Pass ist eine Gangart des Pferdes, bei der die beiden Beine derselben Körperseite nahezu gleichzeitig vorgesetzt und wieder aufgesetzt werden. Das Pferd bewegt also das linke Vorder- und Hinterbein synchron, dann das rechte Vorder- und Hinterbein. Dadurch entsteht ein charakteristischer seitlicher Schwingungsrhythmus, der den Pass deutlich von anderen Grundgangarten wie Schritt, Trab und Galopp unterscheidet. Der Pass ist ein Zweitakt mit zwei Auftrittsphasen und einer kurzen Schwebephase dazwischen. In der englischsprachigen Literatur wird diese Gangart als pace bezeichnet, im Isländischen als skeið.
Der Pass gehört zu den sogenannten Spezialgangarten und tritt bei bestimmten Pferderassen natürlich auf, während er bei anderen Rassen als Gangfehler gewertet wird. In der Gangpferdeszene und bei verschiedenen Reitweisen besitzt der Pass einen hohen Stellenwert, insbesondere im isländischen Pferdesport, wo er als fünfte Gangart der Islandpferde eine zentrale Rolle spielt.
Biomechanik und Bewegungsablauf
Beim Pass bewegt sich das Pferd in einem lateralen Bewegungsmuster. Die seitlichen Beinpaare – also Vorder- und Hinterbein derselben Seite – schwingen gleichzeitig vor und zurück. Dieser laterale Gleichlauf erzeugt eine deutliche seitliche Gewichtsverlagerung des Pferdekörpers, die der Reiter als wiegende Bewegung von Seite zu Seite wahrnimmt.
Der Bewegungsablauf gliedert sich in zwei Phasen:
- Erste Phase: Das linke Vorderbein und das linke Hinterbein stützen und bewegen sich gemeinsam.
- Zweite Phase: Das rechte Vorderbein und das rechte Hinterbein stützen und bewegen sich gemeinsam.
Zwischen diesen Phasen liegt beim schnellen Pass – dem sogenannten Rennpass – eine deutliche Schwebephase, in der alle vier Beine gleichzeitig den Boden verlassen. Der Rennpass erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 45 km/h und gehört damit zu den schnellsten natürlichen Gangarten des Pferdes. Beim langsamen Pass fehlt diese Schwebephase weitgehend, was die Gangart weniger spektakulär, aber für das Pferd auch weniger belastend macht.
Die laterale Fußfolge des Passes steht im Gegensatz zum Trab, bei dem die diagonalen Beinpaare gleichzeitig bewegt werden. Während der Trab als diagonale Gangart gilt, ist der Pass die rein laterale Variante. Der Tölt, eine weitere Spezialgangart, liegt mechanisch zwischen Schritt und Pass, da er zwar eine laterale Tendenz aufweist, aber als Viertakt mit einzelnem Auffußen der Beine abläuft.
Rassen und Veranlagung
Die Fähigkeit zum Pass ist genetisch bedingt und hängt mit einer Mutation im DMRT3-Gen zusammen, das die Koordination der Gliedmaßenbewegung steuert. Pferde, die diese Genvariante homozygot tragen, können alternative Gangmuster wie Pass und Tölt ausführen.
Zu den Rassen mit natürlicher Passveranlagung gehören:
- Islandpferd: Die bekannteste Gangpferderasse Europas. Fünfgänger beherrschen neben Schritt, Trab, Galopp und Tölt auch den Pass.
- Standardbred (American Standardbred): Im Trabrennsport werden Passläufer gezielt gezüchtet und eingesetzt.
- Paso Fino und Paso Peruano: Südamerikanische Gangpferderassen mit lateralen Gangveranlagungen.
- Mangalarga Marchador: Brasilianische Rasse mit verschiedenen Gangvarianten.
Bei Warmblütern, Vollblütern und den meisten anderen Reitpferderassen gilt ein passartiger Gang als unerwünschter Gangfehler. Ein Pferd, das im Schritt zur lateralen Fußfolge neigt, wird als „passig" bezeichnet. Passiger Schritt deutet häufig auf Verspannungen im Rücken, mangelnde Losgelassenheit oder Ausbildungsfehler hin.
Der Pass im Isländischen Pferdesport
Im isländischen Reitsport nimmt der Pass eine herausgehobene Stellung ein. Auf Gangartenprüfungen und Turnieren wird er in speziellen Disziplinen bewertet. Die Bewertungskriterien umfassen Takt, Geschwindigkeit, Ausdruck und die Klarheit der Gangart.
Der Rennpass (Flugpass) wird auf kurzen Strecken von typischerweise 100 bis 250 Metern geritten und ist ein reines Geschwindigkeitsrennen. Hierbei muss die Schwebephase klar erkennbar sein – andernfalls wird die Gangart als unreiner Pass oder als passartiger Tölt gewertet. Im Passtest (PP1) wird auf einer Passbahn die Zeit gemessen, und die Qualität der Gangart fließt in die Benotung ein.
Bei Zuchtschauen (Breeding Shows) gehört die Passfähigkeit zu den bewerteten Eigenschaften der Fünfgänger. Pferde, die einen klaren, taktreinen Pass mit deutlicher Schwebephase zeigen, erhalten hohe Noten und sind in der Zucht besonders gefragt.
Training und Anforderungen
Der Pass stellt hohe Anforderungen an Pferd und Reiter. Grundvoraussetzung ist ein Pferd mit genetischer Veranlagung zum Pass – ohne diese Anlage lässt sich die Gangart nicht sinnvoll erarbeiten. Darüber hinaus benötigt das Pferd eine solide Grundausbildung in allen Gangarten, ausreichende Muskulatur und eine gute Balance.
Das Training des Passes beginnt in der Regel erst bei Pferden, die bereits sicher in Schritt, Trab, Galopp und Tölt ausgebildet sind. Der Reiter fordert den Pass durch eine Kombination aus treibenden Hilfen, leichtem Sitz und einer bestimmten Temposteigerung ab. Viele Reiter nutzen zunächst leicht abschüssiges Gelände oder eine feste Passbahn, um dem Pferd den Einstieg zu erleichtern.
Typische Trainingsfehler sind:
- Zu frühes Passreiten bei unzureichend ausgebildeten Pferden
- Übermäßiger Einsatz von Speed ohne Kontrolle der