Pfeilkrebs
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Chaetognatha (Stamm); häufig bezogen auf die Gattung Sagitta
- Systematik: Stamm Chaetognatha (Pfeilwürmer/Pfeilkrebse), keine echten Krebstiere
- Ordnung: Aphragmophora / Phragmophora (je nach Art)
- Familie: Sagittidae (häufigste Familie)
- Lebensraum: Marine Gewässer weltweit, pelagisch und benthisch
- Größe: 2–120 mm, meist 10–30 mm
- Gewicht: Wenige Milligramm (schwer einzeln bestimmbar)
- Lebenserwartung: Wenige Monate bis maximal ca. 1–2 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Name „Pfeilkrebs" ist eine im Deutschen gebräuchliche, aber zoologisch irreführende Bezeichnung. Die Tiere gehören nicht zu den Krebstieren (Crustacea), sondern bilden einen eigenen Tierstamm: die Chaetognatha, wörtlich „Borstenkiefer". Der wissenschaftlich korrektere deutsche Name lautet daher Pfeilwürmer. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich „Pfeilkrebs" dennoch gehalten, vermutlich wegen der torpedoförmigen, entfernt an Kleinkrebse erinnernden Gestalt.
Der Körper der Pfeilkrebse ist langgestreckt, durchscheinend bis glasartig transparent und bilateral symmetrisch aufgebaut. Er gliedert sich in drei Abschnitte: Kopf, Rumpf und Schwanz. Am Kopf sitzen ein bis zwei Augenpaare, die als einfache Lichtsinnesorgane dienen. Namensgebend sind die kräftigen, hakenförmigen Greifborsten (Chaetae) beiderseits des Mundes, die beim Beutefang wie eine Zange zusammenklappen. Eine Haube aus Epithel kann über den Kopf gestülpt werden und verringert den Strömungswiderstand beim Schwimmen.
Seitlich am Rumpf befinden sich ein oder zwei Paare horizontaler Seitenflossen, die aus Hautfalten bestehen. Am Schwanzende sitzt eine spatenförmige Schwanzflosse. Anders als bei Fischen bestehen diese Flossen nicht aus Strahlen oder Knorpel, sondern aus reiner Körperwand. Die Muskulatur ist in vier Längsstreifen angeordnet und ermöglicht schnelle, ruckartige Schwimmbewegungen. Der gesamte Körper ist von einer dünnen Cuticula überzogen, besitzt jedoch weder Schuppen noch eine echte Segmentierung.
Lebensraum & Verbreitung
Pfeilkrebse besiedeln nahezu alle marinen Lebensräume – von der Wasseroberfläche bis in die Tiefsee, von tropischen Ozeanen bis zu polaren Gewässern. Das Verbreitungsgebiet umfasst sämtliche Weltmeere. Die meisten Arten leben pelagisch, also freischwimmend in der offenen Wassersäule, und gehören zum Zooplankton. Einige wenige Arten sind benthisch und halten sich bevorzugt am Meeresboden oder in Bodennnähe auf.
Das bevorzugte Habitat variiert je nach Art. Sagitta elegans kommt vorwiegend in kühleren Gewässern des Nordatlantiks vor und dient Ozeanographen sogar als Indikatorart für bestimmte Wassermassen. Sagitta setosa hingegen bevorzugt küstennahe, wärmere Biotope. Manche Arten unternehmen vertikale Wanderungen: Tagsüber halten sie sich in tieferen Wasserschichten auf und steigen nachts in oberflächennahe Zonen auf, um dort zu jagen.
Ernährung
Pfeilkrebse sind ausnahmslos räuberisch. Sie zählen zu den effektivsten Planktonräubern der Ozeane. Ihre Beute besteht hauptsächlich aus Copepoden (Ruderfußkrebsen), Appendicularien und anderen kleinen Zooplanktonorganismen, gelegentlich auch aus Fischlarven. Kannibalismus ist bei höherer Populationsdichte dokumentiert.
Die Jagdstrategie ist die eines Lauerjägers. Der Pfeilkrebs verharrt nahezu bewegungslos im Wasser und registriert über empfindliche Mechanorezeptoren an der Körperoberfläche die Vibrationen herannahender Beute. Sobald ein Beutetier in Reichweite kommt, schießt der Pfeilkrebs mit einer blitzschnellen Vorwärtsbewegung heran und packt die Beute mit seinen Greifborsten. Manche Arten produzieren ein lähmendes Neurotoxin – Tetrodotoxin –, das die Beute rasch immobilisiert.
Verhalten & Lebensweise
Pfeilkrebse sind überwiegend Einzelgänger. Sie bilden weder Schwärme noch Reviere im klassischen Sinne. Allerdings treten sie in manchen Meeresgebieten in enormer Dichte auf – bis zu mehrere Hundert Individuen pro Kubikmeter Wasser. Dort, wo Plankton durch Strömungen konzentriert wird, aggregieren auch Pfeilkrebse in großer Zahl.
Die vertikale Wanderung, die viele Arten durchführen, folgt einem Tag-Nacht-Rhythmus (diurnale Vertikalmigration). In der Dämmerung steigen die Tiere aus Tiefen von 200–400 Metern in die oberen 50 Meter auf. Diese Wanderungen stehen in direktem Zusammenhang mit der Verfügbarkeit von Nahrung und dem Schutz vor Fressfeinden. Zu den natürlichen Feinden gehören Fische, Quallen und andere größere Planktonräuber.
Fortpflanzung & Aufzucht
Alle Pfeilkrebse sind Zwitter (Hermaphroditen). Jedes Individuum besitzt sowohl Ovarien im Rumpfabschnitt als auch Hoden im Schwanzabschnitt. Die Spermien reifen in der Regel vor den Eizellen heran (Protandrie), was Selbstbefruchtung zwar nicht ausschließt, aber unwahrscheinlicher macht.
Bei der Paarung heftet ein Individuum ein Spermienpaket (Spermatophore) an die Körperoberfläche eines Partners. Die Spermien wandern dann zur Samenaufnahmeöffnung und befruchten die Eizellen. Die befruchteten Eier werden entweder frei ins Wasser abgegeben oder in gallertigen Eiballen getragen, je nach Art. Eine eigent