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Picardie-spaniel

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Steckbrief

  • Herkunft: Frankreich (Region Picardie)
  • FCI-Gruppe: Gruppe 7 – Vorstehhunde, Sektion 1.2 – Kontinentale Vorstehhunde, Typ Spaniel (FCI-Standard Nr. 108)
  • Größe: Rüden 55–62 cm, Hündinnen 55–60 cm Widerristhöhe
  • Gewicht: ca. 20–25 kg
  • Lebenserwartung: 12–14 Jahre
  • Fell/Farben: Dichtes, leicht gewelltes Fell mit Befederung an Ohren, Läufen und Rute; Grundfarbe grau gesprenkelt (blauschimmel) mit braunen Platten und lohfarbenen Abzeichen

Herkunft & Geschichte

Der Picardie-Spaniel, im Französischen als Épagneul Picard bezeichnet, gehört zu den ältesten französischen Vorstehhundrassen. Seine Abstammung lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen, wo Hunde dieses Typs in der nordfranzösischen Region Picardie – insbesondere in den ausgedehnten Sumpfgebieten entlang der Somme – für die Jagd auf Wasservögel und Federwild eingesetzt wurden. Historische Darstellungen auf Wandteppichen und Gemälden aus dem 15. und 16. Jahrhundert zeigen Hunde, die dem heutigen Picardie-Spaniel verblüffend ähnlich sehen.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts ging die Population durch die zunehmende Beliebtheit englischer Jagdhundrassen stark zurück. Engagierte Züchter aus der Picardie bewahrten die Rasse jedoch vor dem Aussterben und stabilisierten den Bestand durch gezielte Zuchtprogramme. Der Rassestandard wurde erstmals 1904 offiziell festgelegt. Die Anerkennung durch die Fédération Cynologique Internationale (FCI) folgte später. Der zuständige Zuchtverband in Frankreich, der Club de l'Épagneul Picard, überwacht bis heute die Zuchtrichtlinien und setzt sich für den Erhalt des ursprünglichen Jagdgebrauchstyps ein. Außerhalb Frankreichs bleibt der Picardie-Spaniel eine Seltenheit, erfreut sich aber in Kennerkreisen wachsender Beliebtheit.

Aussehen & Rassemerkmale

Der Picardie-Spaniel ist ein mittelgroßer, kräftig gebauter Jagdhund mit elegantem, dabei robustem Erscheinungsbild. Der Körperbau ist leicht rechteckig, mit gut entwickelter Brusttiefe und starkem Rücken. Die Läufe sind mittellang, muskulös und mit dichter Befederung versehen, die den Hund beim Arbeiten im Wasser und dichtem Unterholz schützt.

Der Kopf ist breit und rund, mit einem deutlichen Stop und einer geraden bis leicht gewölbten Nase. Die großen, dunklen Augen verleihen dem Picardie-Spaniel einen aufmerksamen und sanften Ausdruck. Die tief angesetzten, langen Ohren sind reichlich befedert und reichen bis etwa zur Nasenspitze.

Das Fell ist das markanteste Merkmal der Rasse: Es ist dicht, flach anliegend bis leicht gewellt und von mittlerer Länge. Die charakteristische Farbe besteht aus einem grau gesprenkelten Grundton (sogenannter Blauschimmel), durchsetzt mit größeren braunen Platten und lohfarbenen Abzeichen an den Augenbrauen, den Wangen und den Läufen. Die Rute ist mittellang, befedert und wird in Verlängerung der Rückenlinie oder leicht nach unten getragen.

Charakter & Wesen

Der Picardie-Spaniel ist ein ausgesprochen sanftmütiger, treuer und menschenbezogener Hund. Er bindet sich eng an seine Bezugspersonen und zeigt eine bemerkenswerte Sensibilität für die Stimmungen seines Halters. Im Familienverbund ist er freundlich, geduldig und verträglich mit Kindern.

Im Feld zeigt sich seine andere Seite: Er arbeitet passioniert, ausdauernd und mit feiner Nase. Als Vorstehhund verfügt er über einen ausgeprägten Jagdinstinkt, sucht das Gelände selbstständig ab und steht sicher vor. Besonders in Sumpf- und Wassergebieten fühlt er sich in seinem Element. Seine Apportierfreude und Wasserliebe sind legendär.

Trotz seiner Jagdpassion ist der Picardie-Spaniel im häuslichen Umfeld ausgeglichen und ruhig. Er ist weder nervös noch überdreht, sondern zeigt eine angenehme Gelassenheit. Gegenüber Fremden verhält er sich freundlich bis leicht zurückhaltend, ohne Aggression zu zeigen. Als Wachhund taugt er nur bedingt – er meldet zwar Besucher, zeigt aber kein ausgeprägtes Territorialverhalten.

Haltung & Pflege

Der Picardie-Spaniel ist kein Wohnungshund. Er braucht reichlich Auslauf und geistige Beschäftigung, idealerweise in Form jagdlicher Arbeit oder vergleichbarer Ersatzbeschäftigung wie Dummy-Training, Fährtenarbeit oder Mantrailing. Zwei bis drei Stunden aktive Bewegung täglich sollten eingeplant werden. Ein Haus mit Garten in ländlicher Umgebung ist die optimale Haltungsform.

Die Fellpflege ist moderat aufwendig. Das mittellange Haarkleid mit seiner dichten Unterwolle sollte zwei- bis dreimal wöchentlich gründlich gebürstet werden, um Verfilzungen – besonders an den befederten Stellen hinter den Ohren, an den Achseln und an der Rute – zu vermeiden. Nach Einsätzen im Wasser oder Feld empfiehlt sich ein gründliches Abtrocknen und Durchkämmen. Die Schlappohren sind regelmäßig auf Feuchtigkeit und Entzündungen zu kontrollieren.

In der Erziehung reagiert der Picardie-Spaniel hervorragend auf positive Verstärkung und konsequente, dabei einfühlsame Führung. Härte oder Druck sind bei dieser sensiblen Rasse kontraproduktiv und können zu Verunsicherung oder Meideverhalten führen.

Ernährung

Die Ernährung des Picardie-Spaniels sollte dem Aktivitätsniveau angepasst werden.