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Pirarucu

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Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Arapaima gigas
  • Ordnung: Knochenzünglerartige (Osteoglossiformes)
  • Familie: Knochenzüngler (Osteoglossidae)
  • Gattung: Arapaima
  • Lebensraum: Süßgewässer des tropischen Südamerika, insbesondere Amazonasbecken
  • Größe: bis zu 3 Meter, in Ausnahmefällen über 4 Meter
  • Gewicht: bis zu 200 kg
  • Lebenserwartung: 15–20 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Der Pirarucu zählt zu den größten Süßwasserfischen der Erde. Sein Körper ist langgestreckt, seitlich nur leicht abgeflacht und mit einem massiven, knöchernen Kopf versehen. Die Grundfärbung ist im vorderen Körperbereich olivgrün bis dunkelgrau, während die Schuppen ab der Körpermitte zunehmend eine rötliche Färbung aufweisen. Dieses Rot verstärkt sich zur Schwanzflosse hin deutlich – der brasilianische Name „Pirarucu" leitet sich aus der indigenen Tupi-Sprache ab und bedeutet so viel wie „roter Fisch".

Die Schuppen des Pirarucu sind außergewöhnlich groß, hart und mineralisiert. Sie bestehen aus einer äußeren Schicht aus Hydroxylapatit und einer inneren Schicht aus flexiblem Kollagen. Diese Kombination macht das Schuppenkleid extrem widerstandsfähig – Untersuchungen haben gezeigt, dass es selbst den Bissen von Piranhas standhält. Einzelne Schuppen können eine Länge von über sieben Zentimetern erreichen. Die Rücken- und Afterflosse sitzen weit hinten am Körper und ermöglichen kraftvolle, schnelle Schwimmbewegungen über kurze Distanzen.

Ein weiteres auffälliges Merkmal ist die Schwimmblase des Pirarucu, die stark vaskularisiert ist und als akzessorisches Atmungsorgan funktioniert. Sie ist lungenähnlich ausgebildet und ermöglicht dem Fisch die Aufnahme von atmosphärischem Sauerstoff – eine Anpassung an sauerstoffarme Gewässer.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Pirarucu umfasst das Amazonasbecken in Brasilien, Peru, Kolumbien und Guyana. Sein bevorzugtes Habitat sind flache, stehende oder langsam fließende Gewässer wie Überschwemmungsseen (Várzea-Seen), Altarme, Lagunen und sumpfige Tieflandwälder (Igapó). Diese Biotope zeichnen sich durch warme Wassertemperaturen zwischen 25 und 30 °C, geringe Strömung und häufig niedrige Sauerstoffgehalte aus.

Durch menschliche Einführung hat sich der Pirarucu inzwischen auch außerhalb seines ursprünglichen Areals ausgebreitet. In Teilen Südostasiens, etwa in Thailand und Malaysia, wurde er in Aquakulturanlagen eingesetzt und teilweise in natürliche Gewässer entkommen, wo er als invasive Art gilt. Auch in einigen Flusssystemen Boliviens wurde er eingeschleppt und hat sich dort etabliert.

Ernährung

Der Pirarucu ist ein opportunistischer Raubfisch. Seine Nahrung besteht überwiegend aus Fischen, darunter Buntbarsche (Cichlidae), Salmler (Characiformes) und andere im Amazonas vorkommende Arten. Ergänzend frisst er Krebstiere, Insekten, kleinere Wirbeltiere und gelegentlich Vögel, die sich an der Wasseroberfläche aufhalten.

Beim Beutefang nutzt der Pirarucu seine enorme Maulöffnung, um durch schnelles Aufstoßen einen Sog zu erzeugen, der die Beute regelrecht einsaugt. Die knöcherne Zunge, die der Familie der Knochenzüngler ihren Namen gibt, ist mit zahnartigen Strukturen besetzt und dient dazu, die Beute gegen den Gaumen zu pressen und zu zerkleinern.

Verhalten & Lebensweise

Pirarucu sind überwiegend tagaktiv und halten sich in der Regel als Einzelgänger in ihrem Revier auf. Alle 10 bis 20 Minuten müssen sie an die Wasseroberfläche steigen, um Luft zu atmen – ein Verhalten, das an dem charakteristischen, weithin hörbaren Schnappen zu erkennen ist. Dieses obligate Luftatmen ist keine Ergänzung, sondern eine Notwendigkeit: Ohne Zugang zur Atmosphäre würde der Fisch ertrinken, da seine Kiemen allein nicht ausreichen, den Sauerstoffbedarf zu decken.

In der Trockenzeit, wenn sich die Gewässer zurückziehen und das Habitat schrumpft, passen Pirarucu ihr Verhalten an und konzentrieren sich in den verbleibenden tieferen Gewässerabschnitten. In der Regenzeit dagegen durchstreifen sie die überschwemmten Waldgebiete auf der Suche nach Nahrung.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung des Pirarucu ist eng an den Wasserstandszyklus des Amazonas gekoppelt. Die Laichzeit fällt in die Monate der beginnenden Trockenzeit, typischerweise zwischen Februar und April. Das Männchen gräbt mit dem Maul eine flache Mulde von etwa 50 cm Durchmesser und 15 cm Tiefe in sandigen oder schlammigen Untergrund, die als Laichgrube dient.

Das Weibchen legt mehrere tausend Eier in diese Mulde ab. Das Männchen übernimmt anschließend den Großteil der Brutpflege: Es bewacht die Eier und später die geschlüpften Jungfische über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Während dieser Phase sondert das Männchen über Drüsen am Kopf ein Sekret ab, das die Jungfische als Nahrung nutzen und das sie in der Nähe des Elterntieres hält. Diese ausgeprägte Brutpflege ist unter Süßwasserfischen dieser Größenordnung ungewöhnlich.

Die Jungfische wachsen in den ersten Lebensmonaten sehr schnell und können im ersten Jahr eine Länge von bis zu einem Meter erreichen.

Bedrohung & Schutzstatus

Der Pirarucu wird von der IUCN derzeit in der Kategorie „Data Deficient" (unz