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Pirol

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Tierart – Vögel > Singvögel – Stare, Pieper, Stelzen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Oriolus oriolus
  • Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
  • Familie: Pirole (Oriolidae)
  • Gattung: Oriolus
  • Größe: 22–25 cm Körperlänge
  • Gewicht: 50–80 g
  • Flügelspannweite: 44–47 cm
  • Lebensraum: Laubwälder, Auwälder, Parkanlagen, Streuobstwiesen
  • Lebenserwartung: 8–10 Jahre in freier Wildbahn
  • Nahrung: Insekten, Beeren, Früchte
  • Zugverhalten: Langstreckenzieher, Winterquartier in Afrika südlich der Sahara

Aussehen & Merkmale

Der Pirol gehört zu den farbenprächtigsten Singvögeln Europas. Zwischen Männchen und Weibchen besteht ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus. Das Männchen trägt ein leuchtend goldgelbes Gefieder an Kopf, Rumpf und Unterseite, während die Flügel und der Schwanz überwiegend schwarz gefärbt sind. Ein schmaler schwarzer Zügelstreif zieht sich vom Schnabelansatz bis zum Auge. Der kräftige Schnabel ist rötlich bis rotbraun gefärbt.

Das Weibchen ist deutlich unauffälliger gezeichnet. Die Oberseite erscheint olivgrün, die Unterseite gelblich-weiß mit feinen dunklen Längsstreifen. Diese Tarnfärbung bietet während der Brut einen wirksamen Schutz vor Fressfeinden. Jungvögel ähneln in ihrer Gefiederfärbung den Weibchen, sind jedoch insgesamt matter und stärker gestreift. Erst im zweiten Lebensjahr entwickeln die Männchen ihr volles Prachtkleid.

Trotz der auffälligen Färbung des Männchens ist der Pirol im dichten Laubwerk überraschend schwer zu entdecken. Die gelbe Farbe bricht zwischen den Blättern auf und wirkt im Spiel von Licht und Schatten als effektive Tarnung – ein Phänomen, das man als Somatolyse bezeichnet.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Pirols erstreckt sich über weite Teile der westlichen und zentralen Paläarktis. Er brütet von der Iberischen Halbinsel und Nordwestafrika ostwärts bis nach Zentralasien und in die westliche Mongolei. In Mitteleuropa kommt er als Brutvogel regelmäßig vor, wobei die Bestandsdichte regional stark schwankt.

Als bevorzugtes Habitat wählt der Pirol lichte Laubwälder und Mischwälder mit hohem Laubholzanteil, insbesondere Auwälder entlang von Flüssen und Seen. Auch größere Parkanlagen, Friedhöfe mit altem Baumbestand, Streuobstwiesen und Feldgehölze werden besiedelt. Entscheidend ist ein hoher, geschlossener Kronenbereich in Verbindung mit ausreichend Lichteinfall. Reine Nadelwälder meidet er konsequent.

Der Pirol ist ein ausgeprägter Langstreckenzieher. Er trifft als einer der letzten Zugvögel erst Anfang bis Mitte Mai in den mitteleuropäischen Brutgebieten ein und verlässt diese bereits im August wieder. Die Wintermonate verbringt er im tropischen und südlichen Afrika, wo er in Savannen, lichten Wäldern und Galeriewäldern anzutreffen ist. Der Zugweg führt über das östliche Mittelmeer und die Sahara.

Ernährung

Die Nahrung des Pirols setzt sich je nach Jahreszeit unterschiedlich zusammen. Während der Brutzeit überwiegt tierische Kost: Raupen, Käfer, Heuschrecken, Schmetterlinge und andere Insekten bilden die Hauptnahrung. Dabei werden bevorzugt größere Beutetiere aus dem Kronendach aufgelesen. Auch behaarte Raupen, die von vielen anderen Vogelarten gemieden werden, nimmt der Pirol regelmäßig zu sich.

Ab dem Hochsommer und insbesondere vor dem Herbstzug ergänzt er seinen Speiseplan zunehmend durch Beeren und weiche Früchte. Kirschen, Maulbeeren, Feigen und Holunderbeeren werden gern gefressen. In den Überwinterungsgebieten in Afrika spielen Früchte eine noch größere Rolle in der Ernährung. Die Nahrungssuche findet fast ausschließlich im Kronenbereich der Bäume statt; am Boden ist der Pirol nur selten zu beobachten.

Verhalten & Lebensweise

Der Pirol ist ein tagaktiver Vogel, der sich überwiegend im oberen Kronenbereich aufhält. Er lebt während der Brutzeit territorial und verteidigt sein Revier energisch gegen Artgenossen. Außerhalb der Brutzeit tritt er einzeln oder in kleinen, losen Gruppen auf.

Sein Flug wirkt wellenförmig und erinnert entfernt an den Flug eines Spechtes. Charakteristisch ist der flötende, weit tragende Gesang des Männchens, ein melodisches „düdlio" oder „bülow", das ihm im Volksmund den Namen „Goldamsel" oder „Pfingstvogel" eingebracht hat. Neben dem Gesang verfügt der Pirol über einen rauhen, krähenartigen Warnruf, der einem „chrääh" ähnelt und bei Störungen am Nest ausgestoßen wird.

Gegenüber dem Menschen verhält sich der Pirol ausgesprochen scheu. Er bleibt meist in der Deckung des Laubdachs und ist trotz seiner Auffälligkeit weit häufiger zu hören als zu sehen. Die Balz findet kurz nach der Ankunft im Brutgebiet statt. Das Männchen lockt das Weibchen mit intensivem Gesang und zeigt dabei Verfolgungsflüge durch die Baumkronen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brutzeit erstreckt sich von Mai bis Juli. Der Pirol führt eine monogame Saisonehe. Das Nest ist ein kunstvoller, hängemattenartig gewebter Beutel aus Grashalmen, Bast, Pflanzenfasern und Spinnweben, der in einer Astgabel hoch im Kronenbereich befestigt wird – typischerweise in 10 bis 20 Metern Höhe. Beide Partner beteiligen sich am Nestbau, wobei das Weibchen den größeren Anteil übernim