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Pirouette

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Sport & Training > Reiten & Pferdesport

Definition und Überblick

Die Pirouette ist eine der anspruchsvollsten Lektionen in der klassischen Dressur. Bei dieser Übung beschreibt das Pferd mit der Vorhand einen Kreis um die Hinterhand, wobei die inneren Hinterbeine nahezu auf der Stelle treten. Der Radius der Wendung wird dabei so klein wie möglich gehalten. Die Pirouette kann im Schritt, im Galopp und – in der Hohen Schule der klassischen Reitkunst – auch in der Piaffe ausgeführt werden. Sie gilt als Prüfstein für Versammlung, Balance und Durchlässigkeit eines Dressurpferdes und ist ab der Klasse S in Dressurprüfungen gefordert.

Arten der Pirouette

Je nach Gangart und Ausführung unterscheidet man mehrere Varianten:

  • Schrittpirouette: Die einfachste Form, bei der das Pferd im versammelten Schritt eine Wendung um die Hinterhand ausführt. Sie dient als Vorbereitung für die Galopppirouette und wird bereits in mittleren Dressurklassen verlangt.
  • Galopppirouette: Die Standardform im Turniersport. Das Pferd vollzieht die Wendung im versammelten Galopp und behält dabei den klaren Dreitakt bei. Eine halbe Pirouette umfasst eine 180-Grad-Drehung, eine ganze Pirouette eine vollständige 360-Grad-Wendung.
  • Arbeitspirouette (Kurzkehrtwendung): Eine vergrößerte Form der Pirouette, bei der die Hinterhand einen kleinen Kreis von etwa einem bis zwei Metern Durchmesser beschreibt. Sie gilt als Vorstufe zur eigentlichen Pirouette.
  • Piaffe-Pirouette: Diese Form gehört zur Hohen Schule und wird ausschließlich in der akademischen Reitkunst sowie bei Lipizzaner-Vorführungen der Spanischen Hofreitschule gezeigt. Das Pferd dreht sich während der Piaffe auf der Stelle.

Biomechanische Grundlagen

Während einer korrekt ausgeführten Galopppirouette verlagert das Pferd sein Gewicht deutlich auf die Hinterhand. Die Hanken – also Hüft-, Knie- und Sprunggelenke der Hinterbeine – beugen sich stärker als in der normalen Versammlung. Das innere Hinterbein fungiert als Drehpunkt und tritt in einem möglichst kleinen Kreis taktmäßig auf und ab, ohne sich festzustellen. Das äußere Hinterbein übertritt das innere in einem engen Bogen. Die Vorhand beschreibt einen größeren Kreis um diesen Drehpunkt herum.

Die korrekte Lastaufnahme der Hinterhand erfordert eine erhebliche Muskelkraft im Bereich der Kruppe, der Oberschenkelmuskulatur und des Rückens. Aus diesem Grund setzt die Ausbildung zur Pirouette ein mehrjähriges, systematisches Gymnastizieren des Pferdes voraus. Sehnen, Bänder und Gelenke müssen schrittweise an die Belastung herangeführt werden, um Verschleißerscheinungen und Verletzungen zu vermeiden.

Hilfengebung und Reittechnik

Die Einleitung einer Galopppirouette erfolgt aus dem versammelten Galopp heraus. Der Reiter bereitet die Lektion durch halbe Paraden vor, um das Pferd vermehrt auf die Hinterhand zu setzen und den Galoppsprung zu verkürzen, ohne dabei den Schwung zu verlieren.

Der innere Schenkel liegt am Gurt und sorgt dafür, dass das Pferd die Biegung beibehält und der Galoppsprung erhalten bleibt. Der äußere Schenkel liegt verwahrend hinter dem Gurt und begrenzt das Ausweichen der Hinterhand. Der innere Zügel gibt die Stellung in Bewegungsrichtung, während der äußere Zügel den Rahmen begrenzt und die Schulter kontrolliert. Die Gewichtshilfe verlagert sich leicht nach innen, wobei der Reiter darauf achtet, nicht in der Hüfte einzuknicken.

Entscheidend ist das Zusammenspiel aller Hilfen: Der Reiter muss in jedem einzelnen Galoppsprung nachjustieren, um Takt, Biegung und Gleichgewicht zu erhalten. Ein Fehler in der Hilfengebung führt schnell dazu, dass das Pferd den Takt verliert, auf der Hinterhand stehen bleibt oder mit der Hinterhand ausweicht.

Häufige Fehler und Bewertungskriterien

In Dressurprüfungen bewerten die Richter die Pirouette nach klar definierten Kriterien. Zu den häufigsten Fehlern gehören:

  • Taktverlust: Der Dreitakt des Galopps geht verloren, das Pferd springt nicht mehr deutlich durch oder fällt in eine Art Zweitakt.
  • Feststehen der Hinterhand: Das innere Hinterbein hebt nicht mehr taktmäßig ab, sondern dreht sich als starrer Drehpunkt auf dem Boden – ein gravierender Fehler.
  • Ausweichen der Hinterhand: Statt auf der Stelle zu bleiben, wandert die Hinterhand seitlich oder nach vorne aus dem Drehpunkt.
  • Verlust der Biegung: Das Pferd stellt sich gegen die Bewegungsrichtung oder verliert die Längsbiegung durch den Körper.
  • Mangelnder Schwung: Das Pferd verliert die Aktivität und wird passiv in der Hinterhand, was sich in schleppenden Galoppsprüngen äußert.

Eine gelungene Pirouette zeichnet sich durch gleichmäßige, erhabene Galoppsprünge, eine deutliche Selbsthaltung des Pferdes, eine klare Biegung in Bewegungsrichtung und ein geschmeidiges Zurückkehren in den versammelten Galopp nach der Wendung aus. In Grand-Prix-Prüfungen gehört die Pirouette zu den Lektionen mit dem höchsten Koeffizienten und beeinflusst das Gesamtergebnis daher besonders stark.

Ausbildung und Training

Der Weg zur korrekten Pirouette erstreckt sich über mehrere Ausbildungsstufen. Grundlage bildet die Arbeit an der Versammlung durch Übergänge, Seitengänge wie Schulterherein und Travers sowie durch das Reiten von Volten mit abnehmendem Radius. Aus dem Travers auf dem Zirkel lässt sich die Pirouette schrittweise entwickeln, indem der Radius der Volte verkleinert wird