Plastron
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Definition & Überblick
Der Begriff Plastron (aus dem französischen plastron = Brustplatte) bezeichnet in der vergleichenden Anatomie die bauchseitige Skelettstruktur des Schildkrötenpanzers (Testudo). Es bildet zusammen mit dem rückenseitigen Carapax (Rückenpanzer) die zweiteilige Panzerung, die als Dermalossifikation – also als Verknöcherung innerhalb der Haut – entstanden ist. Beide Panzeranteile sind seitlich über knöcherne Brücken (Pontes) miteinander verbunden und bilden so ein nahezu geschlossenes Schutzgehäuse um den Rumpf des Tieres.
In der entomologischen Terminologie wird der Begriff Plastron zusätzlich für eine dünne, hydrophobe Luftschicht verwendet, die bestimmte aquatische Insekten auf ihrer Körperoberfläche tragen und die als physikalische Kieme zur Sauerstoffaufnahme dient. Der vorliegende Artikel konzentriert sich auf die veterinäranatomisch relevante Bedeutung bei Schildkröten, bezieht jedoch auch den entomologischen Kontext ein.
Aufbau & Struktur
Das Plastron der Schildkröten besteht aus insgesamt neun paarigen und unpaaren Knochenplatten, die durch Suturen (Knochennähte) fest miteinander verbunden sind. Von kranial nach kaudal unterscheidet man folgende Elemente:
- Epiplastron (paarig) – die am weitesten kranial gelegenen Platten, homolog zum Schlüsselbein (Clavicula) anderer Wirbeltiere
- Entoplastron (unpaar) – eine mediane Knochenplatte, die als Homologon der Interclavicula betrachtet wird
- Hyoplastron (paarig) – großflächige Platten im vorderen Bereich des Bauchpanzers
- Hypoplastron (paarig) – großflächige Platten im hinteren Bereich
- Xiphiplastron (paarig) – die am weitesten kaudal gelegenen Platten, die den hinteren Abschluss bilden
Die Knochenplatten sind von Hornschilden (Scuta) aus Beta-Keratin bedeckt, die nicht deckungsgleich mit den darunterliegenden Knochenplatten verlaufen – eine biomechanisch sinnvolle Versetzung, die die Stabilität des Panzers erhöht. Die Hornschilde des Plastrons werden als Gulare, Humerale, Pectorale, Abdominale, Femorale und Anale bezeichnet.
Zwischen Plastron und Carapax befindet sich auf jeder Seite eine knöcherne oder bindegewebige Brücke (Pons). Durch die vorderen und hinteren Öffnungen zwischen den Panzerteilen können Kopf, Gliedmaßen und Schwanz herausgestreckt werden.
Funktion
Die primäre Funktion des Plastrons ist der mechanische Schutz der ventral gelegenen Weichteile – insbesondere der Organe der Bauchhöhle (Leber, Magen-Darm-Trakt, Gonaden) und des Herzens. Der Bauchpanzer wirkt wie ein stabiler Schild gegen Prädatoren und mechanische Einwirkungen von unten.
Darüber hinaus erfüllt das Plastron weitere Funktionen:
- Ansatzfläche für Muskulatur – Schulter- und Beckengürtelmuskulatur inserieren teilweise am Plastron, was für die Fortbewegung essenziell ist.
- Kalziumspeicher – Die Knochenplatten dienen als Mineralstoffreservoir, das bei erhöhtem Bedarf (z. B. Eibildung beim weiblichen Tier) mobilisiert werden kann.
- Thermoregulation – Durch Kontakt mit dem Untergrund kann über das Plastron Wärme aufgenommen oder abgegeben werden.
- Geschlechtsdimorphismus – Bei vielen Arten weist das Plastron männlicher Tiere eine konkave Einbuchtung auf, die als Anpassung an die Kopulationsstellung dient und das Aufreiten auf den konvexen Carapax des Weibchens erleichtert.
Unterschiede zwischen Tierarten
Die Morphologie des Plastrons variiert erheblich zwischen den verschiedenen Schildkrötenfamilien. Landschildkröten (Testudinidae) besitzen ein massives, vollständig verknöchertes Plastron ohne bewegliche Gelenke. Bei vielen Dosenschildkröten (Terrapene) und Scharnierschildkröten (Cuora) ist das Plastron dagegen mit einem oder zwei querverlaufenden Scharnieren (Kinesis) versehen, die es dem Tier ermöglichen, den Panzer nach Einziehen der Extremitäten vollständig zu verschließen.
Weichschildkröten (Trionychidae) zeigen ein stark reduziertes Plastron mit reduzierten Knochenplatten und fehlender Keratinbedeckung. Stattdessen ist der Panzer von einer lederartigen Haut bedeckt. Bei Meeresschildkröten (Cheloniidae) ist das Plastron durch Fontanellen – offene Lücken zwischen den Knochenplatten – deutlich leichter gebaut, was die Schwimmfähigkeit verbessert. Die Lederschildkröte (Dermochelys coriacea) besitzt einen stark abgeleiteten Bauplan, bei dem das Plastron aus einer Mosaik-artigen Anordnung kleiner Knochenplättchen (Osteoderme) besteht.
Im entomologischen Kontext findet sich ein Plastron als physikalische Struktur bei aquatischen Insekten wie bestimmten Wanzen (Aphelocheirus) und Käfern. Hier handelt es sich um dicht stehende, hydrophobe Mikrohaare auf der Kutikula, die eine permanente Luftschicht halten und als inkompressible Gasaustauschfläche fungieren.
Besonderheiten
Das Plastron ist kein statisches Gebilde. Bei juvenilen Schildkröten sind die Knochenplatten noch durch breite Bindegewebsfugen (Fontan