Pseudoskorpion
PTierart – Spinnentiere > Skorpione
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Pseudoscorpiones (auch Pseudoscorpionida)
- Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
- Ordnung: Pseudoskorpione (Pseudoscorpiones)
- Familien: ca. 26 Familien, darunter Cheliferidae, Chernetidae, Neobisiidae und Chthoniidae
- Anzahl bekannter Arten: über 3.500 weltweit
- Lebensraum: Laubstreu, Baumrinde, Höhlen, Nester von Vögeln und Säugetieren, menschliche Behausungen
- Größe: 1–7 mm Körperlänge (ohne Pedipalpen)
- Gewicht: wenige Milligramm
- Lebenserwartung: 2–4 Jahre
Aussehen & Merkmale
Pseudoskorpione – im Deutschen auch als Bücherskorpione, Afterskorpione oder Moosskorpione bezeichnet – erinnern auf den ersten Blick an miniaturisierte Skorpione. Der auffälligste Körperteil sind die kräftigen, scherenförmigen Pedipalpen, die dem Tier ein skorpionartiges Erscheinungsbild verleihen. Im Gegensatz zu echten Skorpionen fehlt den Pseudoskorpionen jedoch der verlängerte Hinterleib mit dem charakteristischen Giftstachel. Ihr Körper ist dorsoventral abgeflacht, oval bis birnenförmig und in zwei Hauptabschnitte gegliedert: das Prosoma (Vorderkörper) und das Opisthosoma (Hinterkörper). Das Opisthosoma besteht aus zwölf Segmenten und ist deutlich breiter als das Prosoma.
Die Körperoberfläche ist von einer festen Chitincuticula bedeckt, deren Färbung je nach Art von hellbraun über rotbraun bis dunkelbraun variiert. Die Pedipalpen tragen bei vielen Arten Giftdrüsen in den Scherenfingern, mit denen die Tiere ihre Beute lähmen. Pseudoskorpione besitzen vier Laufbeinpaare und – je nach Art – null bis vier einfache Punktaugen (Ocellen) am Vorderrand des Prosomas. Einige höhlenbewohnende Arten sind vollständig augenlos. Am Prosoma befinden sich zudem die Cheliceren (Kieferklauen), die neben der Nahrungsaufnahme auch beim Bau von Gespinstnestern eine Rolle spielen, da sie Spinndrüsen enthalten.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Pseudoskorpione erstreckt sich über alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis. Die höchste Artendiversität findet sich in tropischen und subtropischen Regionen, doch auch in gemäßigten Breiten sind zahlreiche Arten heimisch. In Mitteleuropa kommen rund 100 Arten vor.
Ihr bevorzugtes Habitat umfasst feuchte, dunkle Mikrolebensräume. Man findet sie in der Laubstreu von Wäldern, unter loser Baumrinde, in Moospolstern, in Felsspalten und in Höhlen. Einige Arten haben sich an synanthrope Lebensweisen angepasst und bewohnen Bibliotheken, Archive und alte Gebäude – der Name „Bücherskorpion" (Chelifer cancroides) geht auf dieses Biotop zurück. Weitere Arten besiedeln die Nester von Vögeln, Nagetieren und sozialen Insekten wie Ameisen und Termiten. Bestimmte Gattungen kommen ausschließlich in der Gezeitenzone von Meeresküsten vor und überstehen dort regelmäßige Überflutungen.
Ernährung
Pseudoskorpione sind ausnahmslos räuberisch. Sie ernähren sich von kleinen Gliedertieren wie Milben, Springschwänzen (Collembola), Staubläusen (Psocoptera), Blattläusen, kleinen Fliegenlarven und Ameisen. Der Beutefang erfolgt über die Pedipalpen: Das Tier ergreift die Beute mit den Scheren, injiziert bei vielen Arten ein lähmendes Gift und beginnt anschließend mit der extraintestinalen Verdauung. Dabei werden Verdauungssekrete auf die Beute abgegeben, die das Gewebe verflüssigen. Die vorverdaute Nahrung wird dann aufgesaugt. Diese Art der Nahrungsaufnahme ist typisch für viele Spinnentiere.
Der Bücherskorpion galt historisch als nützlicher Mitbewohner in Bibliotheken, da er Bücherwürmer, Staubläuse und andere Schädlinge vertilgt.
Verhalten & Lebensweise
Pseudoskorpione leben einzelgängerisch und sind überwiegend nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich in Spalten, unter Steinen oder in selbstgesponnenen Gespinstnestern, die aus Seide der Cheliceren-Spinndrüsen gefertigt werden. Diese Nester dienen als Rückzugsort, als Häutungskammer und als Brutkammer.
Ein besonderes Verhalten ist die sogenannte Phoresie: Viele Pseudoskorpionarten heften sich mit ihren Pedipalpen an größere, flugfähige Insekten – etwa Fliegen, Käfer oder Hautflügler – und lassen sich so über weite Strecken transportieren. Dieses Verhalten dient der Ausbreitung und dem Erreichen neuer Lebensräume. Es handelt sich dabei nicht um Parasitismus, da der Wirt keinen Schaden nimmt.
Die Fortbewegung am Boden erfolgt relativ langsam. Bei Störung können Pseudoskorpione rückwärts laufen und nehmen dabei eine Abwehrhaltung mit geöffneten Pedipalpenscheren ein. Die Orientierung geschieht hauptsächlich über taktile Sinneshaare (Trichobothrien) an den Pedipalpen, die feinste Luftströmungen registrieren.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung der Pseudoskorpione ist durch ein komplexes Balzverhalten gekennzeichnet. Das Männchen setzt ein gestieltes Spermapaket (Spermatophore) auf dem Untergrund ab und führt das Weibchen durch ritualisierte Bewegungen der Pedipalpen und des Körpers darüber, sodass es die Spermatophore mit der Genitalöffnung aufnehmen kann. Bei einigen Arten erfolgt die Spermienübertragung ohne direkten Kontakt zwischen den Geschlechtern: Das Männchen deponiert die Spermatophore und das Weibchen findet sie eigenständig.
Die befruchteten