Schwarzer Dickschwanzskorpion
STierart – Spinnentiere > Skorpione
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Androctonus bicolor
- Ordnung: Skorpione (Scorpiones)
- Familie: Buthidae (Dickschwanzskorpione)
- Gattung: Androctonus
- Lebensraum: Aride und semiaride Gebiete Nordafrikas und des Nahen Ostens
- Größe: 8–12 cm Körperlänge
- Gewicht: ca. 15–30 g
- Lebenserwartung: 5–8 Jahre in freier Wildbahn, bis zu 10 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Der Schwarze Dickschwanzskorpion gehört zur Gattung Androctonus, deren Name aus dem Griechischen stammt und „Männertöter" bedeutet – ein Hinweis auf die Potenz des Gifts dieser Skorpiongruppe. Die Art zeichnet sich durch eine gleichmäßig dunkelbraune bis schwarze Körperfärbung aus, wobei einzelne Populationen je nach Herkunftsgebiet leichte Farbvariationen aufweisen können.
Der Körperbau folgt dem typischen Bauplan der Skorpione: Der Vorderkörper (Prosoma) trägt ein Paar Pedipalpen mit kräftigen Scheren sowie vier Laufbeinpaare. Die Cheliceren (Mundwerkzeuge) sind klein und zangenförmig. Der Hinterkörper (Opisthosoma) gliedert sich in das breite Mesosoma mit sieben Segmenten und das namensgebende, auffällig verdickte Metasoma – den sogenannten Schwanz. Dieses Metasoma ist bei Androctonus bicolor besonders massiv und kräftig gebaut, was ein Erkennungsmerkmal der gesamten Gattung darstellt. Das letzte Schwanzsegment, das Telson, enthält die paarig angelegte Giftdrüse und den Giftstachel.
Die Pedipalpen sind im Vergleich zu anderen Skorpionarten relativ schlank. Dies ist ein typisches Merkmal giftstarker Buthiden: Arten mit schwachen Scheren kompensieren dies durch ein besonders wirksames Gift, während Skorpione mit mächtigen Scheren – wie etwa die Kaiserskorpione (Pandinus imperator) – ein vergleichsweise mildes Gift besitzen.
Auf der Bauchseite befinden sich die Kammorgane (Pectines), sensorische Strukturen, die der Wahrnehmung von Bodenvibrationen und chemischen Reizen dienen. Sie sind bei Männchen deutlich stärker ausgeprägt als bei Weibchen, was eine Geschlechtsbestimmung ermöglicht.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Androctonus bicolor erstreckt sich über Nordafrika und Teile des Nahen Ostens. Nachweise existieren aus Ägypten, Libyen, Israel, Jordanien und der Arabischen Halbinsel. Die Art besiedelt vorwiegend trockene, steinige Halbwüsten und Wüstenrandgebiete. Ihr bevorzugtes Habitat umfasst felsige Böden mit Geröllfeldern, unter deren Steinen die Tiere tagsüber Unterschlupf finden.
Im Gegensatz zu einigen Verwandten der Gattung, etwa dem Gelben Dickschwanzskorpion (Androctonus australis), der auch reine Sandwüsten besiedelt, ist A. bicolor stärker an feste Substrate gebunden. Die Art gräbt gelegentlich flache Höhlen in verdichteten Boden oder nutzt vorhandene Spalten und Ritzen als Biotop. In menschlichen Siedlungen am Rand ihres Verbreitungsgebiets kommt es gelegentlich zu Begegnungen, wenn die Tiere in Gebäude eindringen.
Ernährung
Wie alle Skorpione ist der Schwarze Dickschwanzskorpion ein Raubtier. Er ernährt sich vorwiegend von Insekten, Spinnen und anderen Gliederfüßern. Gelegentlich werden auch kleinere Eidechsen oder junge Nagetiere überwältigt. Die Beute wird mit den Pedipalpen ergriffen und durch einen gezielten Stich des Giftstachels immobilisiert. Bei kleiner, leicht zu überwältigender Beute setzen Dickschwanzskorpione das Gift nicht immer ein – es wird dosiert und sparsam verwendet.
Die Verdauung erfolgt wie bei allen Spinnentieren (Arachnida) extraintestinal: Der Skorpion gibt Verdauungssekrete auf die Beute ab und saugt die verflüssigte Nahrung anschließend auf. Der Stoffwechsel ist an die Bedingungen der Wüste angepasst – Androctonus bicolor kann wochenlang ohne Nahrung überleben und deckt einen Großteil seines Wasserbedarfs über die Beutetiere.
Verhalten & Lebensweise
Der Schwarze Dickschwanzskorpion ist streng nachtaktiv. Tagsüber verbirgt er sich unter Steinen, in Felsspalten oder in selbst gegrabenen Mulden, um der extremen Hitze und Austrocknung zu entgehen. Nach Einbruch der Dunkelheit verlässt er seinen Unterschlupf und geht auf Nahrungssuche. Dabei bewegt er sich überwiegend als Lauerjäger: Er wartet reglos an einer geeigneten Stelle und reagiert auf Vibrationen und Berührungsreize, die potenzielle Beute verursacht.
Die Art lebt solitär. Außerhalb der Paarungszeit werden Artgenossen nicht geduldet, und Begegnungen können zu Kannibalismus führen. Ein ausgeprägtes Revierverhalten im engeren Sinne ist nicht bekannt; die Tiere nutzen jedoch bevorzugte Verstecke wiederholt.
Unter UV-Licht fluoreszieren Skorpione intensiv grünlich-blau. Dieses Phänomen beruht auf Substanzen in der Kutikula (der äußeren Körperhülle) und wird von Forschern genutzt, um die Tiere im Freiland nachzuweisen. Die biologische Funktion dieser Fluoreszenz ist bislang nicht abschließend geklärt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz der Dickschwanzskorpione folgt einem rituellen Ablauf, dem sogenannten „Promenade à deux": Das Männchen ergreift die Scheren des Weibchens, und beide Tiere bewegen sich in einer Art Tanz über den Boden, bis das Männchen eine geeignete Stelle gefunden hat