Putzergarnele
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Lysmata amboinensis (häufigste Art); weitere Arten: Lysmata grabhami, Lysmata debelius, Stenopus hispidus, Periclimenes spp.
- Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
- Familie: Lysmata-Arten: Hippolytidae (Putzergarnelen i. e. S.); Stenopus: Stenopodidae (Scherengarnelen)
- Lebensraum: Tropische und subtropische Korallenriffe, Felsriffe, Lagunen
- Größe: 3–7 cm Körperlänge (je nach Art)
- Gewicht: 2–10 g
- Lebenserwartung: 2–5 Jahre (in Aquarienhaltung bis 6 Jahre)
Aussehen & Merkmale
Putzergarnelen sind kleine, farbenfrohe Krebstiere mit einem typischen garnelenartigen Körperbau. Der Körper ist seitlich abgeflacht und in Cephalothorax (Kopfbruststück) und Pleon (Hinterleib) gegliedert. Das Exoskelett besteht aus Chitin und wird bei Wachstumsschüben regelmäßig gehäutet. Auffällig sind die langen, fadenförmigen Antennen, die der Kommunikation und Orientierung dienen.
Die Weißband-Putzergarnele (Lysmata amboinensis) trägt ein leuchtend rotes Längsband auf dem Rücken, flankiert von zwei weißen Streifen, die vom Rostrum bis zum Schwanzfächer verlaufen. Die Laufbeine und Scheren sind bei den meisten Lysmata-Arten hell bis durchscheinend. Die Kardinalsgarnele (Lysmata debelius) hingegen ist fast vollständig blutrot gefärbt mit vereinzelten weißen Punkten auf dem Carapax und weißen Antennenspitzen. Die Gebänderte Scherengarnele (Stenopus hispidus) unterscheidet sich durch ihre auffällig großen dritten Scherenbeine und die rot-weiße Bänderung des gesamten Körpers.
Allen Putzergarnelen gemeinsam sind die feingliedrigen, zangenartigen ersten beiden Beinpaare, die als Werkzeuge für ihre Putztätigkeit dienen. Mit diesen entfernen sie Parasiten, abgestorbenes Gewebe und Nahrungsreste von der Haut ihrer Kundenfische.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Putzergarnelen erstreckt sich über tropische und subtropische Meeresregionen weltweit. Lysmata amboinensis kommt im Indopazifik, im Roten Meer, an der ostafrikanischen Küste sowie in Teilen des westlichen Atlantiks vor. Lysmata grabhami besiedelt den östlichen Atlantik einschließlich der Kanarischen Inseln und Kapverden sowie die Karibik. Stenopus hispidus ist nahezu pantropisch verbreitet.
Das bevorzugte Habitat sind Korallenriffe in Tiefen zwischen 1 und 40 Metern. Die Tiere bewohnen dort Spalten, Überhänge und kleine Höhlen, die sie als Putzerstationen nutzen. Diese festen Standorte sind ein wesentliches Merkmal ihrer Lebensweise: Die Garnelen kehren immer wieder zu denselben Stellen zurück und signalisieren ihre Dienstleistung durch auffällige Pendelbewegungen der Antennen und des Körpers. Neben Korallenriffen besiedeln einige Arten auch Felsriffe, Seegraswiesen und Mangrovengebiete.
Ernährung
Putzergarnelen sind Omnivoren mit einer spezialisierten Nahrungsnische. Ein wesentlicher Teil ihrer Nahrung besteht aus Ektoparasiten wie Isopoden, Copepoden und den Larven parasitischer Würmer, die sie von der Haut, den Kiemen und sogar aus dem Maul von Rifffischen entfernen. Daneben fressen sie abgestorbenes Gewebe, Mucus (Fischschleim) und Nahrungsreste.
Ergänzend nehmen Putzergarnelen Detritus, Algenaufwuchs, Plankton und kleinere organische Partikel auf, die sie am Substrat finden. In der Aquarienhaltung akzeptieren sie Frost- und Trockenfutter, Artemia, Mysis und fein zerkleinerte Muscheln. Die Putztätigkeit deckt bei Wildtieren einen erheblichen Teil des Nahrungsbedarfs, wobei eine einzelne Garnele an einem Tag mehrere Dutzend Fische bedienen kann.
Verhalten & Lebensweise
Putzergarnelen leben überwiegend standorttreu und betreiben sogenannte Putzerstationen – feste Plätze am Riff, an denen sich Fische gezielt einfinden, um sich von Parasiten befreien zu lassen. Die Interaktion folgt einem ritualisierten Ablauf: Der Kundefisch nähert sich der Station und verharrt, oft mit gespreizten Kiemendeckeln oder geöffnetem Maul. Die Garnele klettert daraufhin auf den Fisch und beginnt mit der Inspektion der Körperoberfläche. Selbst große Raubfische wie Muränen, Zackenbarsche und Barrakudas lassen sich putzen und stellen keine Bedrohung für die Garnele dar – ein klassisches Beispiel für eine mutualistische Symbiose.
Die meisten Arten sind sowohl tag- als auch dämmerungsaktiv, wobei die Putztätigkeit überwiegend tagsüber stattfindet. Lysmata-Arten leben häufig in kleinen Gruppen oder Paaren und zeigen untereinander wenig Aggression. Stenopus hispidus dagegen ist ausgesprochen territorial und lebt strikt paarweise; gleichgeschlechtliche Artgenossen werden aus dem Revier vertrieben oder attackiert.
Fortpflanzung & Aufzucht
Lysmata-Arten sind simultane Hermaphroditen: Jedes Individuum besitzt sowohl männliche als auch weibliche Fortpflanzungsorgane. In der Praxis funktioniert die Paarung so, dass ein frisch gehäutetes Tier die weibliche Rolle übernimmt und von einem Partner begattet wird. Der Rollenwechsel erfolgt regelmäßig. Dieses System ermöglicht, dass jede Begegnung zweier Artgenossen potenziell zur Fortpflanzung führen kann.
Nach der Befruchtung trägt das weiblich agierende Tier die Eier an den Pleopoden (Schwimmbeinen) unter dem Hinterleib. Die Tragzeit beträgt je nach Art und Wassertemperatur 10 bis 20 Tage. Aus den Eiern schlüpfen planktonische Larven,