Ranzzeit
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Definition & Überblick
Als Ranzzeit (auch Ranz) wird die Paarungszeit bestimmter Säugetiere bezeichnet, insbesondere von Raubwild und einigen weiteren Carnivoren. Der Begriff stammt aus der Jägersprache und leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort ranzen ab, das so viel wie „sich ungestüm bewegen" oder „sich begatten" bedeutet. In der Ethologie wird die Ranzzeit dem übergeordneten Fortpflanzungsverhalten zugeordnet und beschreibt jenen saisonal begrenzten Zeitraum, in dem die Tiere eine erhöhte sexuelle Aktivität zeigen, aktiv nach Geschlechtspartnern suchen und sich paaren. Während bei Huftieren vergleichbare Perioden als Brunft oder Brunst bezeichnet werden, ist der Terminus Ranzzeit spezifisch für Marderartige, Füchse, Dachse, Katzen und verwandte Arten gebräuchlich.
Die Ranzzeit unterscheidet sich von einer dauerhaften Fortpflanzungsbereitschaft dadurch, dass sie an bestimmte Jahreszeiten gebunden ist und mit tiefgreifenden Veränderungen im Verhalten, in der hormonellen Steuerung und im Sozialverhalten der betroffenen Arten einhergeht.
Biologischer Hintergrund
Die Ranzzeit wird primär durch endokrine Prozesse gesteuert. Der wichtigste Auslöser ist die veränderte Photoperiode – also die sich im Jahresverlauf wandelnde Tageslichtlänge. Über Photorezeptoren in der Retina und die nachgeschaltete Signalkette über den Nucleus suprachiasmaticus zur Zirbeldrüse (Epiphyse) wird die Produktion von Melatonin moduliert. Verkürzte oder verlängerte Tage beeinflussen darüber die Ausschüttung von Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) im Hypothalamus, das wiederum die Hypophyse zur Freisetzung von FSH (follikelstimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon) anregt.
Bei männlichen Tieren führt dieser Hormonanstieg zu einer verstärkten Produktion von Testosteron, was gesteigerte Aggressivität, intensivere Reviermarkierung und erhöhte Bewegungsaktivität zur Folge hat. Weibliche Tiere entwickeln eine Östrogendominanz, die den Eisprung vorbereitet und die typischen Verhaltensweisen der Paarungsbereitschaft auslöst. Bei einigen Arten, etwa der Hauskatze, findet eine induzierte Ovulation statt – der Eisprung wird erst durch den Deckakt selbst ausgelöst.
Eine Besonderheit zeigt der Dachs (Meles meles): Obwohl die eigentliche Ranzzeit bereits im Sommer stattfindet, kommt es zur sogenannten Keimruhe (Diapause). Die befruchtete Eizelle nistet sich erst Monate später in die Gebärmutterwand ein, sodass die Jungtiere im folgenden Frühjahr unter optimalen Bedingungen geboren werden.
Bei welchen Tieren tritt es auf?
Der Begriff Ranzzeit wird in der deutschsprachigen Jagd- und Zoologieliteratur vorrangig für folgende Tiergruppen verwendet:
- Rotfuchs (Vulpes vulpes): Ranzzeit im Januar und Februar. Rüden durchstreifen weiträumig fremde Territorien auf der Suche nach paarungsbereiten Fähen. Typisch sind die schrillen, bellenden Rufe beider Geschlechter in der Nacht.
- Dachs (Meles meles): Hauptranzzeit im Juli und August, gelegentlich auch im Spätwinter. Aufgrund der embryonalen Diapause kommen die Jungen dennoch erst im Februar oder März zur Welt.
- Steinmarder und Baummarder (Martes foina, Martes martes): Ranzzeit vorwiegend im Hochsommer (Juni bis August), ebenfalls mit verzögerter Einnistung.
- Hermelin und Mauswiesel (Mustela erminea, Mustela nivalis): Ranzzeit im Frühjahr und Frühsommer, wobei beim Hermelin gleichfalls eine Keimruhe auftritt.
- Hauskatze und Wildkatze (Felis catus, Felis silvestris): Die Ranzzeit – bei der Katze oft als Rolligkeit bezeichnet – fällt hauptsächlich in die Monate Januar bis März sowie in eine zweite Phase im Frühsommer. Kater zeigen ausgeprägtes Markierverhalten durch stark riechenden Urin.
- Waschbär (Procyon lotor): Ranzzeit von Januar bis März, in Mitteleuropa als Neozoon etabliert.
- Luchs (Lynx lynx): Ranzzeit im Februar und März, begleitet von weitreichenden Lautäußerungen.
Auslöser & Funktion
Neben der bereits beschriebenen Photoperiode spielen weitere proximative Auslöser eine Rolle. Olfaktorische Signale sind dabei von zentraler Bedeutung: Weibliche Tiere verströmen während der Ranzzeit über Urin, Vaginalsekrete und Drüsenabsonderungen Pheromone, die männlichen Artgenossen ihre Paarungsbereitschaft signalisieren. Rüden und Kater können diese chemischen Botenstoffe über das Jacobsonsche Organ (Vomeronasalorgan) wahrnehmen, was das typische Flehmen erklärt – das Hochziehen der Oberlippe zur verbesserten Chemorezeption.
Akustische Kommunikation ergänzt die olfaktorischen Signale. Die nächtlichen Schreie des Fuchses während der Ranzzeit, das Schnurren und Jaulen rolliger Katzen oder die Rufe des Luchses dienen sowohl der Partnerfindung als auch der intrasexuellen Konkurrenz. Rivalenkämpfe zwischen männlichen Tieren, die von Drohgebärden über Imponierverhalten bis hin zu physischen Auseinandersetzungen reichen, sind ein typisches Begleitmerkmal der Ranzzeit.
Die ultimate Funktion der saisonalen R