Raupe
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Definition und Überblick
Die Raupe ist das Larvenstadium von Schmetterlingen (Lepidoptera) und stellt die zweite Phase in deren vollständiger Verwandlung (Holometabolie) dar. Nach dem Schlüpfen aus dem Ei durchläuft die Raupe eine intensive Wachstumsphase, bevor sie sich verpuppt und schließlich als erwachsener Falter (Imago) das letzte Lebensstadium erreicht. Raupen unterscheiden sich in Körperbau, Verhalten und Ernährungsweise grundlegend vom fertigen Schmetterling – sie sind auf Nahrungsaufnahme und Wachstum spezialisierte Organismen, die innerhalb weniger Wochen ein Vielfaches ihres Schlupfgewichts zulegen können.
Neben den Schmetterlingsraupen werden auch die Larven einiger Pflanzenwespen (Symphyta) umgangssprachlich als Raupen bezeichnet. Diese sogenannten Afterraupen ähneln den echten Raupen äußerlich, lassen sich aber anhand der Anzahl ihrer Bauchfüße unterscheiden: Echte Raupen besitzen maximal fünf Paar Bauchfüße, Afterraupen dagegen sechs bis acht Paare.
Körperbau und Anatomie
Der Körper einer Raupe gliedert sich in Kopf, drei Brustsegmente und zehn Hinterleibssegmente. Am Kopf befinden sich kräftige Mundwerkzeuge vom beißend-kauenden Typ, mit denen die Larve Pflanzenmaterial zerkleinert. Seitlich am Kopf sitzen sogenannte Stemmata – einfache Punktaugen, die Hell-Dunkel-Unterschiede wahrnehmen, aber keine scharfen Bilder erzeugen. Kurze Fühler dienen der Orientierung und der Prüfung von Nahrung.
An den drei Brustsegmenten trägt die Raupe je ein Paar gegliederte Brustbeine (Thorakalbeine), die bereits die Anlage der späteren Schmetterlingsbeine darstellen. Am Hinterleib befinden sich zusätzlich mehrere Paare ungelgliederte Bauchfüße (Prolegs), die mit kleinen Häkchenkränzen ausgestattet sind und dem Tier sicheren Halt auf Blättern und Zweigen geben. Am letzten Segment sitzt ein Paar Nachschieber, die beim Fortbewegen als Stützpunkt dienen.
Die Atmung erfolgt über Tracheen – ein verzweigtes Röhrensystem, das über seitliche Atemöffnungen (Stigmen) Luft direkt zu den Organen transportiert. Die Raupe besitzt außerdem Spinndrüsen an der Unterlippe, mit denen sie Seidenfäden produziert – ein Material, das beim Gespinstbau, als Sicherheitsfaden oder später beim Kokonbau eine zentrale Rolle spielt.
Entwicklung und Häutung
Das Wachstum einer Raupe verläuft in klar abgegrenzten Abschnitten, den sogenannten Larvenstadien oder Instars. Da das Außenskelett (Kutikula) aus Chitin nicht mitwächst, muss sich die Raupe mehrfach häuten. Die meisten Schmetterlingsarten durchlaufen vier bis sechs Häutungen, wobei das Tier zwischen den einzelnen Häutungen jeweils deutlich an Größe zunimmt.
Der Häutungsvorgang wird hormonell gesteuert. Das Häutungshormon Ecdyson löst den Prozess aus, während das Juvenilhormon dafür sorgt, dass die Raupe im Larvenstadium verbleibt und nicht vorzeitig in die Verpuppung übergeht. Erst wenn die Konzentration des Juvenilhormons in der letzten Häutung absinkt, leitet der Organismus die Metamorphose ein.
Kurz vor der Häutung stellt die Raupe die Nahrungsaufnahme ein, die alte Haut löst sich von der darunter bereits gebildeten neuen Kutikula, und das Tier streift die Exuvie (abgestreifte Haut) durch wellenförmige Körperbewegungen ab. Manche Arten fressen ihre abgestreifte Haut anschließend auf, um keine Nährstoffe zu verschwenden.
Ernährung und Futterpflanzen
Die allermeisten Raupen sind Pflanzenfresser (Phytophage). Viele Arten sind dabei hochspezialisiert und fressen ausschließlich an einer einzigen Pflanzenfamilie oder sogar nur an einer bestimmten Pflanzenart – man spricht von monophagen bzw. oligophagen Arten. Die Brennnessel etwa dient als Futterpflanze für die Raupen von Tagpfauenauge, Kleinem Fuchs und Admiral. Andere Raupen wie die des Schwammspinners sind polyphag und akzeptieren ein breites Spektrum an Nahrungspflanzen.
Einige wenige Raupenarten weichen vom pflanzlichen Speiseplan ab. Es gibt räuberisch lebende Arten, die Blattläuse oder andere Insekten erbeuten, sowie Raupen, die sich von Wolle, Federn, Wachs oder gelagertem Getreide ernähren – bekannte Beispiele sind die Kleidermotte und die Wachsmotte.
Schutzstrategien und Feinde
Raupen stehen auf dem Speiseplan zahlreicher Fressfeinde: Vögel, Schlupfwespen, Raupenfliegen, Spinnen und räuberische Käfer setzen ihnen zu. Um zu überleben, haben Raupen eine Vielzahl von Abwehrmechanismen entwickelt:
- Tarnung (Krypsis): Viele Raupen imitieren in Farbe und Form Pflanzenteile wie Blätter, Zweige oder Rindenstücke. Die Raupe des Birkenspanners etwa gleicht einem dünnen Ast.
- Warnfärbung (Aposematismus): Auffällige Farben wie Gelb, Orange und Schwarz signalisieren Fressfeinden Ungenießbarkeit oder Giftigkeit, etwa bei den Raupen des Jakobskrautbären.
- Behaarung und Brennhaare: Viele Raupen tragen dichte Haare oder mit Nesselgift gefüllte Brennhaare, die bei Berührung Hautreizungen auslösen. Der Eichenprozessionsspinner ist hierfür ein bekanntes Beispiel und kann auch beim Menschen allergische Reaktionen hervorrufen.
- Schreckstellung und Augenflecken: Einige Schwärmerlarven besitzen große Augenflecken, die bei Bedrohung ein Gesicht