Reiten
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Definition und Überblick
Reiten bezeichnet die Fortbewegung auf dem Rücken eines Pferdes, bei der der Mensch – der Reiter oder die Reiterin – das Tier durch gezielte Hilfen lenkt, kontrolliert und in verschiedene Bewegungsformen (Gangarten) bringt. Als eine der ältesten Formen der Mensch-Tier-Zusammenarbeit hat sich das Reiten über Jahrtausende von einer reinen Transportmethode und militärischen Notwendigkeit zu einer vielseitigen Sportdisziplin und Freizeitbeschäftigung entwickelt. Heute umfasst der Pferdesport zahlreiche Teildisziplinen, von der klassischen Dressur über Springreiten bis hin zum Westernreiten, und stellt besondere Anforderungen an Körperbeherrschung, Einfühlungsvermögen und partnerschaftlichen Umgang mit dem Pferd.
Grundlagen der Reitkunst
Die Basis jeder Reitweise bildet der ausbalancierte Sitz. Der Reiter sitzt tief im Sattel, die Schultern befinden sich über den Hüften, die Fersen zeigen nach unten. Diese Grundhaltung ermöglicht es, den Bewegungen des Pferdes geschmeidig zu folgen, ohne das Tier in seinem natürlichen Bewegungsablauf zu stören. Man unterscheidet drei natürliche Gangarten: Schritt (die langsamste Gangart mit Viertakt), Trab (ein Zweitakt mit Schwebephase) und Galopp (ein Dreitakt mit anschließender Schwebephase). Einige Pferderassen wie der Isländer beherrschen zusätzliche Gangarten wie Tölt und Pass.
Zur Kommunikation zwischen Reiter und Pferd dienen die sogenannten Hilfen. Diese unterteilen sich in:
- Gewichtshilfen – Verlagerung des Körperschwerpunkts zur Richtungsangabe und Tempokontrolle
- Schenkelhilfen – Impulse durch die Unterschenkel des Reiters, die das Pferd vorwärts treiben oder seitwärts weichen lassen
- Zügelhilfen – Einwirkung über die Zügel auf das Gebiss oder die Nasenpartie des Pferdes zur Temporegulierung und Stellung
- Stimmhilfen – Verbale Kommandos und Laute, die besonders in der Grundausbildung eine Rolle spielen
Ein erfahrener Reiter setzt diese Hilfen fein abgestimmt und nahezu unsichtbar ein. Das Ziel ist eine harmonische Verständigung, bei der das Pferd bereitwillig auf minimale Signale reagiert – ein Zustand, der in der klassischen Reitlehre als Durchlässigkeit bezeichnet wird.
Disziplinen im Pferdesport
Der moderne Reitsport umfasst eine Vielzahl von Disziplinen, die jeweils unterschiedliche Fähigkeiten von Reiter und Pferd fordern. Die drei olympischen Kerndisziplinen sind:
- Dressurreiten – Hier werden vorgegebene Lektionen in einer Bahn gezeigt. Ziel ist die Präsentation harmonischer Bewegungsabläufe wie Traversalen, Pirouetten und Piaffe. Die Bewertung erfolgt durch Richter anhand einer Notenskala.
- Springreiten – Pferd und Reiter bewältigen einen Parcours mit Hindernissen verschiedener Höhe und Breite. Abwürfe und Zeitfehler führen zu Strafpunkten.
- Vielseitigkeitsreiten (Eventing) – Diese Disziplin kombiniert Dressur, Geländeritt mit festen Naturhindernissen und Springen und gilt als Königsdisziplin des Reitsports.
Darüber hinaus erfreuen sich Westernreiten, Distanzreiten, Voltigieren (turnerische Übungen auf dem Pferd), Polo und Gangpferdesport großer Beliebtheit. Jede Reitweise bringt eigene Ausrüstung, Sattlung und Hilfengebung mit sich.
Ausrüstung für Reiter und Pferd
Die Sattelung bildet das Bindeglied zwischen Reiter und Pferd. Je nach Disziplin kommen Dressursättel, Springsättel, Vielseitigkeitssättel oder Westernsättel zum Einsatz. Ein passender Sattel ist entscheidend für die Druckverteilung auf dem Pferderücken und damit für die Gesundheit des Tieres. Unter dem Sattel schützt eine Sattelunterlage oder Schabracke den Rücken zusätzlich.
Zum Zaumzeug gehören Trense oder Kandare, Stirnriemen, Nasenriemen und Kehlriemen. Das Gebiss – ein Metallstück im Maul des Pferdes – überträgt die Zügelhilfen. Alternativ gibt es gebisslose Zäumungen wie Hackamore oder Sidepull, die auf Nase und Genick einwirken.
Der Reiter selbst trägt einen Reithelm als unverzichtbaren Kopfschutz, Reitstiefel oder Stiefeletten mit Chaps, eine Reithose mit Besatz für besseren Halt im Sattel sowie Handschuhe. In einigen Disziplinen kommen zusätzlich Sicherheitswesten und Rückenprotektoren zum Einsatz.
Ausbildung von Reiter und Pferd
Die Ausbildung des Reiters beginnt üblicherweise an der Longe – einer langen Leine, an der das Pferd vom Ausbilder im Kreis geführt wird. So kann sich der Anfänger auf Sitz und Balance konzentrieren, ohne gleichzeitig das Pferd lenken zu müssen. Im weiteren Verlauf folgen selbstständiges Reiten in der Bahn, Arbeit über Cavaletti (niedrige Bodenstangen) und erste Ausritte im Gelände.
Die systematische Pferdeausbildung folgt in der klassischen Reitweise der sogenannten Ausbildungsskala mit sechs Stufen: Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung und Versammlung. Diese Skala dient als Leitfaden, um das Pferd physisch und psychisch gesund zu gymnastizieren und seine natürlichen Bewegungsanlagen weiterzuentwickeln.
In Deutschland organisiert die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) das Prüfungswesen. Reitabzeichen von Klasse 10 (Einsteiger) bis Klasse 1 (höchstes Niveau