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Reusennest

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Definition und Überblick

Als Reusennest wird eine spezielle Nestbauform bezeichnet, bei der Vögel ein weitgehend geschlossenes, beutelförmiges oder flaschenförmiges Nest mit einem röhrenartigen Eingang errichten. Der Name leitet sich von der Ähnlichkeit mit einer Reuse ab – jenem trichterförmigen Fanggerät der Fischerei, bei dem der Eingang so konstruiert ist, dass ein Eindringen leicht, das Verlassen jedoch erschwert wird. Beim Reusennest dient die verengte, oft nach unten oder seitlich gerichtete Eingangsröhre allerdings nicht dem Fangen, sondern dem Schutz der Brut vor Nesträubern, Witterungseinflüssen und Parasiten. Reusennester gehören zu den komplexesten Nestbauformen im Tierreich und werden von verschiedenen Vogelarten weltweit errichtet.

Bauweise und Architektur

Das typische Reusennest besteht aus einer geschlossenen Brutkammer und einer röhrenförmigen Eingangspassage, die je nach Art zwischen wenigen Zentimetern und über einem halben Meter lang sein kann. Die Baumeister verweben Grashalme, Pflanzenfasern, Rindenstücke, Spinnweben, Tierhaare und andere flexible Materialien zu einem dichten, oft erstaunlich stabilen Geflecht. Viele Arten nutzen dabei eine regelrechte Webtechnik, bei der einzelne Fasern durch Schlaufen und Knoten miteinander verbunden werden.

Die Eingangsröhre ist das entscheidende Merkmal, das ein Reusennest von anderen geschlossenen Nesttypen wie dem Kugelnest oder dem einfachen Beutelnest unterscheidet. Sie ist häufig so eng bemessen, dass nur der Nestbesitzer selbst hindurchpasst. Bei manchen Arten, etwa den Webervögeln, zeigt die Öffnung nach unten, sodass kletternde Prädatoren wie Schlangen oder Nagetiere den Zugang kaum erreichen können.

Die Aufhängung erfolgt in der Regel freihängend an dünnen Zweigenden, Blattspitzen oder überhängenden Ästen. Diese Positionierung erschwert es schweren Fressfeinden, das Nest zu erreichen. Einige Arten bevorzugen zudem Standorte über Wasser oder in der Nähe von Wespen- und Bienennestern, um zusätzlichen Schutz zu gewinnen.

Verbreitung im Tierreich

Reusennester werden ausschließlich von Vögeln gebaut. Unter den bekanntesten Erbauern finden sich:

  • Webervögel (Ploceidae) – Die in Afrika und Südasien verbreiteten Webervögel sind die wohl berühmtesten Reusennestbauer. Männchen der Gattung Ploceus errichten kunstvolle, hängende Nester aus Grashalmen und Palmfasern. Die Eingangsröhre kann beim Textor-Weber (Ploceus cucullatus) bis zu 15 Zentimeter lang werden, bei anderen Arten deutlich länger.
  • Beutelmeisen (Remizidae) – Die europäische Beutelmeise (Remiz pendulinus) baut ein beutelförmiges Nest mit einer charakteristischen Eingangsröhre, die sich nach dem Durchschlüpfen des Vogels elastisch verschließt. Dieses Nest wird häufig an herabhängenden Weidenzweigen über Gewässern befestigt.
  • Schneidervögel (Orthotomus) – Diese in Südasien heimischen Singvögel nähen Blätter zu einer Tasche zusammen und polstern das Innere aus, wobei der Eingang reusenartig verengt wird.
  • Stirnvögel und Oropendolas (Icteridae) – In der Neuen Welt bauen Montezuma-Stirnvögel (Psarocolius montezuma) bis zu einem Meter lange, hängende Beutelnester mit engem Eingang.

Funktionelle Bedeutung

Die Reusenform erfüllt mehrere ökologische Funktionen gleichzeitig. Der Prädationsschutz steht an erster Stelle: Die enge und oft lange Eingangsröhre verhindert den Zugriff durch Schlangen, Greifvögel, Krähen, Affen und andere Nesträuber wirksam. Studien an westafrikanischen Webervogelkolonien zeigten, dass Nester mit längeren Eingangsröhren signifikant geringere Prädationsraten aufwiesen als solche mit kürzeren Zugängen.

Darüber hinaus bietet die geschlossene Bauweise Schutz vor Witterung. Regen, Wind und direkte Sonneneinstrahlung werden von der Nestwand abgehalten, und die Eingangsröhre wirkt als Wärmedämmpuffer, der den Temperaturverlust innerhalb der Brutkammer reduziert. In tropischen Regionen schützt die nach unten gerichtete Öffnung vor eindringendem Regenwasser.

Eine weitere Funktion betrifft den Brutparasitismus. Geschlossene Nester mit verengtem Eingang sind für Brutschmarotzer wie Kuckucke schwerer zugänglich. Zwar gibt es durchaus Brutparasiten, die auch Reusennester befallen, doch insgesamt reduziert die Bauweise das Risiko erheblich.

Reusennest und sexuelle Selektion

Bei vielen Webervogelarten spielt das Reusennest eine zentrale Rolle in der Partnerwahl. Die Männchen bauen die Nester vor der Paarung und präsentieren sie den Weibchen. Ein sauber gewobenes, stabiles und symmetrisches Nest signalisiert die Fitness und Erfahrung des Erbauers. Weibchen inspizieren die Nester eingehend, zerren an den Fasern und prüfen die Stabilität. Wird ein Nest abgelehnt, reißt das Männchen es häufig ab und beginnt von vorn. Ein einzelnes Webervogel-Männchen kann während einer Brutsaison über ein Dutzend Nester bauen, bevor ein Weibchen eines akzeptiert. Die Qualität des Reusennests ist somit ein ehrliches Signal im Sinne der sexuellen Selektion.

Abgrenzung zu verwandten Nesttypen

Das Reusennest wird in der ornithologischen Literatur vom einfachen Beutelnest (geschlossener Beutel mit direkter seitlicher Öffnung), dem Kugelnest (rundlich geschlossen, kurzer Einschlupf, etwa beim Zaunkönig) und dem offenen Napfn