Rotkehlpieper
RTierart – Vögel > Singvögel – Stare, Pieper, Stelzen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Anthus cervinus
- Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
- Familie: Stelzen und Pieper (Motacillidae)
- Gattung: Pieper (Anthus)
- Größe: 14–15 cm Körperlänge
- Gewicht: 17–26 g
- Flügelspannweite: 25–27 cm
- Lebensraum: Arktische und subarktische Tundra; auf dem Zug offene Landschaften, Feuchtwiesen, Schlammflächen
- Lebenserwartung: Etwa 5–7 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Rotkehlpieper ist ein schlanker, hochbeiniger Singvogel von der typischen Gestalt der Gattung Anthus. Im Prachtkleid zeigt er sein namengebendes Merkmal: eine kräftig rostrote bis lachsfarbene Kehle, die sich über die Brust bis zu den Ohrdecken erstreckt. Dieses rötliche Gefieder ist bei adulten Männchen im Brutkleid besonders intensiv ausgeprägt, bei Weibchen meist blasser und weniger ausgedehnt. Die Oberseite ist warm bräunlich mit deutlichen dunklen Schaftstrichen, die auf dem Rücken klare Längsstreifen bilden. Die Flanken tragen feine dunkle Strichelungen auf rahmweißem bis warmem Grund.
Im Schlichtkleid geht die Rotfärbung stark zurück oder fehlt ganz, was die Unterscheidung von verwandten Arten wie dem Wiesenpieper (Anthus pratensis) und dem Baumpieper (Anthus trivialis) erheblich erschwert. Wichtige Bestimmungsmerkmale sind dann die zwei hellen Flügelbinden, die deutlicher hervortreten als beim Wiesenpieper, sowie die kräftigere Strichelung der Unterseite. Der Überaugenstreif ist auffällig hell – im Brutkleid oft rahmfarben bis rötlich, im Schlichtkleid weißlich. Der relativ feine Schnabel ist dunkel mit heller Basis am Unterschnabel. Die Beine sind fleischfarben bis rosabraun. Der Schwanz zeigt die für Pieper typischen weißen Außenkanten der äußeren Steuerfedern.
Lebensraum & Verbreitung
Das Brutgebiet des Rotkehlpiepers erstreckt sich über die arktische und subarktische Zone der Paläarktis – von Nordskandinavien ostwärts durch Nordrussland und Sibirien bis zur Beringstraße und an die Westküste Alaskas. Die Art besiedelt dort feuchte, zwergstrauchreiche Tundra, Moor- und Sumpflandschaften sowie krautige Birkenwaldgrenzbereiche. Entscheidend für die Habitatwahl im Brutgebiet sind niedrige Vegetation, Bodennässe und vereinzelte erhöhte Singwarten.
Als ausgeprägter Langstreckenzieher überwintert der Rotkehlpieper hauptsächlich im tropischen Afrika südlich der Sahara, in geringerem Umfang auch in Südasien von Indien bis Südostasien. In Mitteleuropa, einschließlich Deutschland, Österreich und der Schweiz, tritt er als regelmäßiger, aber nicht häufiger Durchzügler auf. Der Frühjahrsdurchzug findet hauptsächlich von Mitte April bis Ende Mai statt, der Herbstzug von Ende August bis Oktober. Bevorzugte Rastbiotope auf dem Zug sind kurzrasige Feuchtwiesen, abgeerntete Äcker, Schlammflächen an Gewässerufern und küstennahe Salzwiesen.
Ernährung
Der Rotkehlpieper ernährt sich überwiegend von kleinen Wirbellosen. Insekten und deren Larven bilden den Hauptanteil der Nahrung, darunter Käfer, Fliegen, Mücken, kleine Schmetterlingsraupen und Blattläuse. Ergänzend werden Spinnen, kleine Schnecken und Würmer aufgenommen. Im Herbst und Winter spielen auch Sämereien eine gewisse Rolle.
Die Nahrungssuche erfolgt fast ausschließlich am Boden. Der Vogel schreitet dabei zügig durch niedrige Vegetation oder über offene Flächen und pickt Beutetiere von der Bodenoberfläche oder von Pflanzenteilen ab. Gelegentlich werden auch kurze Flugstarts unternommen, um aufgescheuchte Insekten in der Luft zu fangen.
Verhalten & Lebensweise
Der Rotkehlpieper ist tagaktiv. Außerhalb der Brutzeit zeigt er ein geselliges Verhalten und schließt sich häufig zu kleinen Trupps zusammen, die auch mit anderen Pieperarten oder Schafstelzen (Motacilla flava) vergesellschaftet sein können. Auf dem Zug rasten die Vögel oft in lockeren Gruppen auf offenen Flächen.
Der Gesang wird typischerweise im Singflug vorgetragen: Das Männchen steigt steil auf und gleitet anschließend mit ausgebreiteten Flügeln und gespreiztem Schwanz langsam zu Boden herab. Der Gesang selbst ist ein beschleunigtes, metallisch klingendes Trillern, das in eine absteigende Reihe weicher Töne übergeht – insgesamt melodischer und voller als der Gesang des Wiesenpiepers. Der häufigste Ruf ist ein feines, leicht raues „psiih", das etwas an den Ruf des Baumpiepers erinnert, aber dünner und höher klingt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutzeit beginnt je nach geographischer Lage im Juni und erstreckt sich bis Juli. Das Männchen etabliert ein Revier und bewirbt sich mit Singflügen um ein Weibchen. Die Balz umfasst neben dem Fluggesang auch bodennahe Verfolgungsjagden und Imponierverhalten mit aufgefächertem Schwanz.
Das Nest wird vom Weibchen allein gebaut. Es handelt sich um eine napfförmige Mulde am Boden, gut verborgen unter Zwergsträuchern, Grasbüscheln oder Moos. Die Nestmulde wird mit trockenen Grashalmen, feinen Pflanzenfasern und gelegentlich Tierhaaren ausgekleidet. Das Gelege umfasst in der Regel 4–6 Eier, die auf graugrünem bis bräunlichem Grund dicht dunkelbraun gefleckt sind. Die Bebrütung dauert 11–13 Tage und wird überwiegend vom Weibchen übernommen. Die Nestlingszeit beträgt 11–14 Tage. Beide Eltern