Samtente
STierart – Vögel > Wasservögel – Enten
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Melanitta fusca
- Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
- Familie: Entenvögel (Anatidae)
- Gattung: Melanitta (Trauerenten)
- Lebensraum: Küstengewässer, Binnenseen der borealen und subarktischen Zone
- Größe: 51–58 cm Körperlänge, Flügelspannweite 80–100 cm
- Gewicht: 1.100–2.000 g (Männchen schwerer als Weibchen)
- Lebenserwartung: bis zu 15 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Samtente ist eine kräftig gebaute Meerente mit auffälligem Geschlechtsdimorphismus. Das Männchen trägt ein nahezu vollständig schwarzes Gefieder mit einem samtartigen Schimmer, der der Art ihren deutschen Namen eingebracht hat. Unterhalb und hinter dem Auge befindet sich ein kleiner, tropfenförmiger weißer Fleck. Der Schnabel ist an der Basis verdickt und zeigt eine charakteristische schwarz-orange Färbung mit einem deutlichen Höcker am Schnabelansatz. Die Iris ist hell, bei adulten Erpeln nahezu weiß.
Das Weibchen ist durchgehend dunkelbraun gefärbt und zeigt zwei helle, diffuse Flecken an der Kopfseite – einen vor und einen hinter dem Auge. Der Schnabel ist weniger auffällig als beim Männchen und überwiegend dunkel. Beide Geschlechter besitzen einen weißen Flügelspiegel, der im Flug als markantes Erkennungsmerkmal dient und die Samtente von der nah verwandten Trauerente (Melanitta nigra) unterscheidet. Die Beine sind rötlich bis orange gefärbt und setzen weit hinten am Körper an, was der Samtente an Land einen schwerfälligen Gang verleiht, ihr aber beim Tauchen zugutekommt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Samtente erstreckt sich über die borealen und subarktischen Regionen der Paläarktis. Die Brutgebiete liegen in Skandinavien, Finnland, dem Baltikum und in einem breiten Gürtel durch Russland bis nach Westsibirien. In Nordamerika wird die dort vorkommende Populationsgruppe inzwischen als eigene Art geführt – die Weißflügel-Samtente (Melanitta deglandi).
Während der Brutzeit besiedelt die Samtente bewaldete Ufer oligotropher Binnenseen, Flüsse und Moorgebiete der Taiga. Die Nester befinden sich häufig in einiger Entfernung zum Wasser, versteckt unter Büschen oder in dichter Bodenvegetation. Im Winterhalbjahr zieht die Samtente an die Meeresküsten und überwintert auf der Nord- und Ostsee, im Schwarzen Meer sowie teilweise im östlichen Mittelmeer. Auf der Ostsee bilden sich regelmäßig Winteransammlungen mit mehreren tausend Individuen, etwa vor der Küste Polens, Litauens und Schwedens. In Mitteleuropa tritt die Art als Durchzügler und Wintergast auf; Brutvorkommen in Deutschland sind nicht bekannt.
Ernährung
Die Samtente ernährt sich überwiegend von tierischer Kost. Im marinen Habitat bilden Muscheln den Hauptanteil der Nahrung, insbesondere Miesmuscheln (Mytilus edulis) und Herzmuscheln. Daneben werden Schnecken, Krebstiere, Seeigel und in geringerem Umfang kleine Fische aufgenommen. Die Beute wird tauchend erbeutet, wobei Tauchtiefen von bis zu 20 Metern erreicht werden können. Typischerweise tauchen Samtenten in Tiefen von 4 bis 10 Metern und bleiben dabei 20 bis 40 Sekunden unter Wasser.
Im Süßwasser-Habitat während der Brutzeit verschiebt sich das Nahrungsspektrum hin zu Wasserinsekten und deren Larven, Süßwassermollusken, kleinen Krebsen und gelegentlich pflanzlichem Material wie Laichkraut oder Armleuchteralgen. Die Nahrungsaufnahme erfolgt sowohl tagsüber als auch in der Dämmerung, je nach Störungsdruck und Gezeitenrhythmus.
Verhalten & Lebensweise
Samtenten sind ausgesprochen gesellige Vögel, die außerhalb der Brutzeit in großen Trupps auf offener See rasten. Diese Ansammlungen können mehrere hundert bis tausend Individuen umfassen und bestehen häufig aus gemischten Gruppen mit Trauerenten oder Eisenten (Clangula hyemalis). Die Art ist tagaktiv, kann aber bei Störungen auch verstärkt in den Dämmerungsstunden Nahrung aufnehmen.
Der Flug der Samtente wirkt schwer und geradlinig; der Abflug vom Wasser erfordert einen langen Anlauf. Auf dem Wasser schwimmt sie tief und hält den Kopf leicht geneigt. An Land bewegen sich Samtenten selten und unbeholfen. Die Lautäußerungen sind vergleichsweise unauffällig: Das Männchen gibt während der Balz pfeifende Rufe von sich, das Weibchen ein raues, krächzendes „rra-rra".
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz der Samtente findet bereits in den Überwinterungsgebieten und auf dem Durchzug statt, also zwischen Februar und Mai. Dabei zeigen die Erpel ritualisierte Balzbewegungen mit Kopfnicken, Halsrecken und kurzen Flügelschlägen. Die Paare sind saisonal monogam.
Das Nest wird gut versteckt am Boden angelegt, häufig unter Zwergsträuchern, in Gestrüpp oder zwischen Felsen, teilweise auch auf kleinen Inseln. Die Nestmulde wird mit Daunen ausgepolstert. Das Gelege besteht aus 7 bis 9 rahmfarbenen Eiern, die vom Weibchen allein über einen Zeitraum von etwa 27 bis 28 Tagen bebrütet werden. Das Männchen verlässt das Weibchen nach Brutbeginn und zieht in die Mausergebiete.
Die Küken sind Nestflüchter und folgen der Mutter kurz nach dem Schlüpfen zum Wasser. Sie sind bereits vom ersten Lebenstag an schwimm- und tauchfähig. Die Aufzucht übernimmt ausschließlich das Weibchen, wobei es vorkommt, dass mehrere Weibchen ihre Jungen zu „Kindergärten"