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Sanfratellano

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Steckbrief

  • Herkunft: Sizilien, Italien (Nebrodi-Gebirge, Gemeinde San Fratello)
  • Rassestandard: Anerkannt durch das italienische Zuchtbuch (Registro Anagrafico delle Popolazioni Equine Riconosciute a Limitata Diffusione), betreut durch die AIA (Associazione Italiana Allevatori)
  • Zuchtverband: Regionale Zuchtverbände Siziliens, übergeordnet das italienische Landwirtschaftsministerium
  • Größe: Stockmaß ca. 150–160 cm
  • Gewicht: ca. 450–550 kg
  • Lebenserwartung: 25–30 Jahre
  • Fell/Farben: Überwiegend Braune, Dunkelbraune, Rappen und gelegentlich Füchse; Abzeichen sind selten und unerwünscht

Herkunft & Geschichte

Der Sanfratellano – benannt nach der sizilianischen Ortschaft San Fratello in der Provinz Messina – ist eine der ältesten autochthonen Pferderassen Italiens. Seine Abstammung reicht vermutlich bis in die Zeit der normannischen Eroberung Siziliens im 11. Jahrhundert zurück. Die Legende besagt, dass lombardische Siedler unter Roger I. Pferde mitbrachten, die sich in den unwegsamen Höhenlagen des Nebrodi-Gebirges mit lokalen Beständen vermischten. Über Jahrhunderte hinweg lebten diese Pferde in halbwilder Form in den Bergwäldern und auf den Hochebenen der Monti Nebrodi, wo sie sich an das raue Klima, die steilen Hänge und die karge Vegetation anpassten.

Im Laufe der Geschichte gab es verschiedene Einkreuzungen, unter anderem mit orientalischen Pferden während der arabischen Herrschaft über Sizilien sowie später mit anglo-normannischen und englischen Vollblütern. Besonders im 19. und frühen 20. Jahrhundert versuchte man, die Rasse durch gezielte Zucht zu veredeln, um sie als vielseitiges Arbeitspferd für die Landwirtschaft und den militärischen Einsatz tauglich zu machen. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Bestand drastisch zurück, da die Mechanisierung der Landwirtschaft den Bedarf an Arbeitspferden stark verringerte.

Heute gilt der Sanfratellano als gefährdete Rasse. Das italienische Zuchtbuch führt ihn unter den Pferderassen mit begrenzter Verbreitung. Engagierte Züchter und regionale Initiativen auf Sizilien arbeiten daran, die Population zu stabilisieren und das genetische Erbe dieser robusten Gebirgspferde zu erhalten. Im Nebrodi-Naturpark leben nach wie vor halbwilde Herden, die ein bedeutendes Kulturgut Siziliens darstellen.

Aussehen & Rassemerkmale

Der Sanfratellano ist ein mittelgroßes, kräftig gebautes Pferd mit deutlich erkennbarem Gebirgstyp. Der Kopf ist mittelgroß, gelegentlich leicht ramsnasig, mit wachen, ausdrucksstarken Augen und breiten Nüstern. Der Hals ist muskulös und mittellang, gut aufgesetzt auf eine schräge, kräftige Schulter. Der Widerrist ist mäßig ausgeprägt, der Rücken gerade bis leicht gesenkt, die Kruppe breit und leicht abfallend.

Besonders auffällig sind die außerordentlich stabilen, harten Hufe, die sich über Generationen an das felsige Terrain des Nebrodi-Gebirges angepasst haben. Die Gliedmaßen sind trocken, sehnig und mit starken Gelenken versehen. Der Röhrbeinumfang ist solide. Das Langhaar – Mähne und Schweif – ist dicht und üppig, was als natürlicher Schutz gegen die teils rauen Witterungsbedingungen in den Bergen dient.

Die vorherrschenden Fellfarben sind Braun, Dunkelbraun und Rappe. Füchse kommen gelegentlich vor. Schimmel oder gescheckte Pferde sind im Rassestandard nicht vorgesehen. Das Fell selbst ist dicht und widerstandsfähig, mit einer ausgeprägten Unterwolle in den Wintermonaten.

Charakter & Wesen

Der Sanfratellano zeichnet sich durch einen ausgesprochen eigenständigen und wachsamen Charakter aus. Jahrhundertelange Haltung in halbwilder Form hat ein Pferd hervorgebracht, das selbstständig denkt, trittsicher agiert und ein starkes Herdenverhalten zeigt. Gegenüber dem Menschen zeigt er sich bei korrektem Umgang kooperativ und zuverlässig, behält aber stets eine gewisse Unabhängigkeit.

Diese Pferde sind mutig, ausdauernd und genügsam. Sie gelten als äußerst widerstandsfähig gegenüber Stress und widrigen Umweltbedingungen. Im täglichen Umgang sind sie ruhig und gelassen, dabei aber keineswegs phlegmatisch. Richtig sozialisierte Sanfratellanos entwickeln eine tiefe Bindung zu ihren Bezugspersonen und erweisen sich als treue Partner. Ihre Intelligenz und Anpassungsfähigkeit machen sie zu schnellen Lernern, die allerdings eine konsequente, geduldige Ausbildung benötigen.

Haltung & Pflege

Der Sanfratellano ist prädestiniert für eine naturnahe Haltung. Eine ganzjährige Offenstallhaltung oder robuste Weidehaltung mit Unterstand entspricht seinem Wesen am besten. Diese Pferde brauchen ausreichend Auslauf und Bewegung – enge Boxenhaltung ist für sie ungeeignet und kann zu Verhaltensstörungen führen. Die Haltung in einer Herdenstruktur ist dringend empfohlen, da die Tiere ein ausgeprägtes Sozialverhalten besitzen.

Die Fellpflege ist unkompliziert. Regelmäßiges Striegeln und Bürsten genügt, um Haut und Fell gesund zu halten. Während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst ist intensivere Pflege sinnvoll. Die robusten Hufe benötigen regelmäßige Kontrolle und Pflege durch einen erfahrenen Hufschmied, sind aber von Natur aus widerstandsfähig. Viele Sanfratellanos kommen auf geeignetem Untergrund ohne Beschlag aus.

Für ausreichende Beschäftigung sorgen Geländeritte, Wanderritte und die Arbeit im bergigen Gelände – Einsatzbereiche, in denen diese Rasse ihre Stärken voll ausspielen kann.

Ernährung

Als genügsame Gebirgsrasse stellt der Sanf