Schleim
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Definition & Überblick
Schleim, in der Fachsprache als Mucus (lat.) bezeichnet, ist ein visköses, gelartiges Sekret, das von spezialisierten Zellen und Drüsen der Schleimhäute (Tunica mucosa) sowie bestimmter Hautdrüsen produziert wird. Chemisch handelt es sich um ein komplexes Gemisch aus Wasser, Mucinen (hochmolekularen Glykoproteinen), Elektrolyten, Lipiden, antimikrobiellen Peptiden und abgeschilferten Epithelzellen. Schleim bedeckt als zusammenhängender Film die Oberflächen zahlreicher Organsysteme – von den Atemwegen über den Magen-Darm-Trakt bis zum Urogenitalsystem – und erfüllt dort eine Vielzahl lebenswichtiger Schutz- und Transportfunktionen. Im Bereich der äußeren Haut spielt Schleim vor allem bei wasserlebenden Wirbeltieren wie Fischen und Amphibien eine herausragende Rolle.
Aufbau & Struktur
Die Hauptkomponenten des Schleims sind die Mucine, die in zwei Gruppen unterteilt werden: membrangebundene Mucine und sezernierte, gelbildende Mucine. Letztere – etwa MUC5AC und MUC5B – bilden über Disulfidbrücken vernetzte Polymerketten, die dem Schleim seine charakteristische viskoelastische Konsistenz verleihen. Die Kohlenhydratseitenketten der Mucine binden große Mengen Wasser und erzeugen so die gelartige Grundstruktur.
Die Produktion erfolgt durch spezialisierte Zellen:
- Becherzellen (Cellulae caliciformes): einzellige, in das Epithel eingestreute Drüsenzellen, die besonders in Atemwegen und Darm vorkommen.
- Muköse Drüsenzellen: Bestandteil gemischter oder rein muköser Drüsen, etwa der Glandulae labiales (Lippendrüsen) oder der Glandulae oesophageae (Speiseröhrendrüsen).
- Schleimdrüsen der Haut (Glandulae mucosae cutis): bei Fischen und Amphibien in der Epidermis bzw. Dermis lokalisiert.
Strukturell bildet Schleim typischerweise zwei Schichten: eine dünnflüssige, periziliäre Sol-Phase direkt über dem Epithel und eine darüberliegende, viskösere Gel-Phase. Dieses Zweischichtmodell ist besonders für die mukoziliäre Clearance in den Atemwegen entscheidend.
Funktion
Die Funktionen des Mucus sind vielfältig und organspezifisch:
- Mechanischer Schutz: Schleim bildet eine physische Barriere gegen mechanische Reize, Fremdkörper und Mikroorganismen. Im Magen schützt die Mukusbarriere das Epithel vor der Selbstverdauung durch Salzsäure und Pepsin.
- Mukoziliäre Clearance: In den Atemwegen transportieren die Kinozilien des respiratorischen Epithels den Schleimfilm mitsamt eingefangener Partikel und Pathogene kontinuierlich oralwärts – ein Mechanismus, der als mukoziliäre Rolltreppe bezeichnet wird.
- Befeuchtung: Schleim hält die Epitheloberflächen feucht und verhindert deren Austrocknung, was für den Gasaustausch in der Lunge und die Funktion von Sinnesepithelien essenziell ist.
- Immunabwehr: Mucus enthält Immunglobulin A (sIgA), Lysozym, Laktoferrin und antimikrobielle Peptide wie Defensine, die eine erste immunologische Verteidigungslinie bilden.
- Gleitmittel: Im Verdauungstrakt erleichtert Schleim den Transport des Nahrungsbreis (Chymus) durch die Peristaltik.
- Osmoregulation und Ionentransport: Bei Fischen reguliert der Hautschleim den Austausch von Ionen und Wasser zwischen Organismus und Umgebungsmedium.
Unterschiede zwischen Tierarten
Fische (Pisces) produzieren über epidermale Becherzellen und sogenannte Clubzellen einen permanenten Schleimfilm auf der gesamten Körperoberfläche. Dieser dient der Reduktion des Strömungswiderstandes, dem Schutz vor Parasiten und Pilzbefall sowie der Osmoregulation. Besonders ausgeprägt ist die Schleimproduktion bei Schleimfischen (Myxinidae), die bei Bedrohung enorme Mengen eines fadenreichen Sekrets abgeben.
Amphibien besitzen in der Dermis neben Gift- auch zahlreiche muköse Drüsen (Glandulae mucosae), die die dünne, permeable Haut ständig feucht halten. Dies ist Voraussetzung für die Hautatmung (Respiratio cutanea), die bei vielen Amphibien einen erheblichen Anteil am Gasaustausch ausmacht.
Reptilien, Vögel und Säugetiere produzieren Schleim vorwiegend auf inneren Epitheloberflächen. Bei Säugetieren ist die mukoziliäre Clearance der Atemwege besonders differenziert. Wiederkäuer weisen im Labmagen (Abomasum) eine besonders dicke Schleimschicht auf, die das Epithel vor den aggressiven Verdauungssäften schützt. Beim Pferd ist die drüsenfreie, kutane Schleimhaut (Pars nonglandularis) des Magens anfällig für Ulzerationen, da dort kein schützender Mucus gebildet wird.
Bei Schnecken und Nacktschnecken – obgleich keine Wirbeltiere – sei der Vollständigkeit halber erwähnt, dass der Fußschleim ein eigenständiges Lokomotionssystem darstellt, das in der vergleichenden Zoologie intensiv erforscht wird.
Besonderheiten
Die Zusammensetzung und Viskosität des Schleims kann sich unter dem Einfluss des vegetativen Nervensystems, hormoneller Steuerung und entzündlicher Prozesse erheblich verändern. Parasympathische Stimulation