Schleimschicht
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Definition & Überblick
Die Schleimschicht (lateinisch Stratum mucosum bzw. Tunica mucosa im weiteren Sinne) bezeichnet in der vergleichenden Veterinäranatomie eine aus Mukopolysacchariden, Glykoproteinen und Wasser bestehende extrazelluläre Schicht, die Körperoberflächen oder Epithelien bedeckt. Im engeren Sinne wird der Begriff vor allem für die epidermale Schleimschicht aquatischer Wirbeltiere – insbesondere der Knochenfische (Osteichthyes) und Amphibien – verwendet, die als kontinuierlicher Biofilm die gesamte Körperoberfläche überzieht. Bei Säugetieren und Vögeln findet sich ein funktionell analoges Prinzip in Form der mukoziliären Schicht der Atemwege sowie des Mukus im Gastrointestinaltrakt. Die Schleimschicht stellt somit eine phylogenetisch alte und hochkonservierte Schutzstruktur dar, die in verschiedenen Tiergruppen jeweils spezifische Anpassungen zeigt.
Aufbau & Struktur
Die Schleimschicht ist kein einheitliches Gewebe, sondern ein viskoelastischer Gelfilm, der von spezialisierten Drüsenzellen sezerniert wird. Je nach Tierart unterscheidet sich der strukturelle Aufbau erheblich:
- Bei Fischen wird der Schleim von Becherzellen (Cellulae caliciformes) und Kolbenzellen (Club cells) in der Epidermis produziert. Die Epidermis der Fische ist im Gegensatz zu terrestrischen Wirbeltieren nicht verhornt und besteht aus lebenden Zellen, die von der Schleimschicht direkt bedeckt werden. Der Mukus enthält hochmolekulare Muzine (Glykoproteine), Lysozym, Immunglobuline, Lektine und antimikrobielle Peptide. Die Schichtdicke variiert artspezifisch zwischen wenigen Mikrometern und mehreren Millimetern.
- Bei Amphibien produzieren sowohl muköse Drüsen (Glandulae mucosae) als auch seröse bzw. granuläre Drüsen (Glandulae granulosae) in der Dermis die Schleimschicht. Die mukösen Drüsen liefern den eigentlichen Feuchtigkeitsfilm, während die granulären Drüsen Toxine und bioaktive Peptide beimischen können.
- Bei Säugetieren findet sich eine funktionelle Schleimschicht auf den Schleimhäuten (Tunicae mucosae) innerer Organe. Im Respirationstrakt besteht sie aus einer dünnflüssigen Sol-Phase (periziliäre Schicht) und einer viskösen Gel-Phase, die zusammen das mukoziliäre Transportsystem bilden. Im Magen-Darm-Trakt schützt eine Mukusschicht aus MUC2-Muzinen das Epithel vor Autodigestion und bakterieller Invasion.
Funktion
Die Funktionen der Schleimschicht sind vielfältig und für das Überleben der jeweiligen Tierart essentiell:
- Mechanischer Schutz: Der Mukusfilm bildet eine physikalische Barriere gegen Abrasion, Parasiten und Mikroorganismen. Bei Fischen reduziert er zusätzlich den Strömungswiderstand (hydrodynamische Funktion) und erleichtert das Gleiten durch das Wasser.
- Immunologische Abwehr: Die Schleimschicht enthält Komponenten des angeborenen Immunsystems – darunter Lysozym, Komplementfaktoren, C-reaktives Protein und sekretorisches Immunglobulin (bei Fischen vor allem IgM, bei Säugetieren IgA). Sie fungiert als erste immunologische Verteidigungslinie.
- Osmoregulation: Bei aquatischen Tieren reguliert die Schleimschicht den Ionen- und Wasseraustausch zwischen Körperoberfläche und umgebendem Medium. Bei Amphibien ist sie zentral für die kutane Atmung, da der Gasaustausch über die Haut nur bei feuchter Oberfläche möglich ist.
- Wundheilung: Muzine und Wachstumsfaktoren im Schleim unterstützen die Reepithelialisierung bei Hautverletzungen, was besonders bei Fischen gut dokumentiert ist.
- Chemische Kommunikation: Bei einigen Fischarten enthält der Mukus Pheromone und Alarmstoffe (Schreckstoff), die der innerartlichen Kommunikation dienen.
Unterschiede zwischen Tierarten
Die vergleichende Anatomie zeigt markante Unterschiede in Ausprägung und Bedeutung der Schleimschicht. Knochenfische besitzen die am stärksten ausgeprägte epidermale Schleimschicht unter den Wirbeltieren. Besonders schleimreiche Arten wie der Schleierschwanz oder der Aal (Anguilla anguilla) produzieren enorme Mengen Mukus, der bei letzterem das Überleben kurzer Landgänge ermöglicht. Haie und Rochen (Elasmobranchii) besitzen dagegen eine vergleichsweise dünne Schleimschicht, da ihre Placoidschuppen bereits einen wirksamen mechanischen Schutz bieten.
Amphibien sind obligat auf eine intakte Schleimschicht angewiesen, da ihre Haut permeabel ist und sowohl der Atmung als auch der Osmoregulation dient. Reptilien, Vögel und Säugetiere haben mit der Verhornung der Epidermis (Stratum corneum) eine alternative Schutzstrategie entwickelt; die Schleimschicht ist hier auf innere Epithelien (Atemwege, Verdauungstrakt, Urogenitaltrakt) beschränkt.
Unter den Säugetieren fällt die besonders dicke gastrale Mukusschicht bei Pferden im Bereich der Drüsenschleimhaut (Pars glandularis) auf, während die kutane Schleimhaut des Nilpferds (Hippopotamus amphibius) ein rötliches Sekret produziert, das als natürlicher UV-Schutz und Antiseptikum wirkt – ein Sonderfall einer sekundären kutanen Schleimschicht bei einem Säu