Schock
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Definition & Überblick
Ein Schock ist ein lebensbedrohlicher Zustand, bei dem das Kreislaufsystem versagt und die Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Es handelt sich dabei nicht um einen emotionalen Schreck, sondern um ein akutes, medizinisches Geschehen, das ohne sofortige Behandlung innerhalb kurzer Zeit zum Multiorganversagen und Tod des Tieres führen kann. Der Schock betrifft alle Haus- und Heimtierarten – Hunde, Katzen, Pferde, Kaninchen und Vögel sind gleichermaßen gefährdet.
Grundsätzlich unterscheidet die Veterinärmedizin mehrere Schockformen, die sich in ihrer Entstehung unterscheiden, aber alle dasselbe Ergebnis haben: eine Minderdurchblutung (Hypoperfusion) lebenswichtiger Organe. Die häufigsten Formen sind der hypovolämische Schock (durch Volumenverlust), der kardiogene Schock (durch Herzversagen), der distributive Schock (durch Gefäßweitstellung, z. B. bei Sepsis oder Anaphylaxie) und der obstruktive Schock (durch mechanische Behinderung des Blutflusses).
Ursachen & Risikofaktoren
Die Ursachen eines Schocks sind vielfältig und hängen von der jeweiligen Schockform ab:
- Hypovolämischer Schock: Starker Blutverlust nach Unfällen (Autounfall, Bissverletzungen, innere Blutungen), schwerer Durchfall, unstillbares Erbrechen, großflächige Verbrennungen oder Flüssigkeitsverlust bei Hitzschlag. Dies ist die häufigste Schockform bei Traumapatienten.
- Kardiogener Schock: Schwere Herzerkrankungen wie dilatative Kardiomyopathie beim Hund, hypertrophe Kardiomyopathie bei der Katze, Herzrhythmusstörungen oder Perikarderguss (Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel).
- Septischer Schock: Schwere bakterielle Infektionen, Pyometra (Gebärmuttervereiterung), Peritonitis (Bauchfellentzündung), infizierte Wunden oder ein perforierter Darm setzen Toxine frei, die eine massive Entzündungsreaktion mit Gefäßweitstellung auslösen.
- Anaphylaktischer Schock: Akute allergische Reaktion auf Insektenstiche (Bienen, Wespen), Medikamente, Impfstoffe oder Nahrungsmittelbestandteile.
- Obstruktiver Schock: Magendrehung (Torsio ventriculi) beim Hund, Lungenembolie oder Spannungspneumothorax.
Besondere Risikofaktoren sind hohes Alter, Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, bestehende Gerinnungsstörungen, immunsupprimierte Tiere sowie brachyzephale Rassen, die ohnehin eine eingeschränkte Atemkapazität aufweisen. Auch sehr junge Tiere und Kleinsäuger wie Kaninchen oder Meerschweinchen dekompensieren aufgrund ihres schnellen Stoffwechsels besonders rasch.
Symptome & Erkennung
Die Erkennung eines Schocks erfordert aufmerksame Beobachtung, da sich die Symptome je nach Schockstadium unterscheiden. Man unterteilt in einen kompensierten und einen dekompensierten Schock:
Kompensierter Schock (Frühstadium):
- Erhöhte Herzfrequenz (Tachykardie) – der Körper versucht, den Blutdruckabfall auszugleichen
- Blasse oder porzellanfarbene Schleimhäute (Zahnfleisch, Bindehäute)
- Verlängerte kapilläre Rückfüllzeit (KRZ): Drückt man auf das Zahnfleisch, kehrt die rosa Farbe erst nach mehr als zwei Sekunden zurück
- Kühle Extremitäten (Pfoten, Ohren)
- Unruhe, Angst oder Apathie
- Beschleunigte, flache Atmung (Tachypnoe)
Dekompensierter Schock (Spätstadium):
- Stark verlangsamter Herzschlag (Bradykardie) – ein alarmierendes Zeichen
- Bläuliche Schleimhäute (Zyanose) durch Sauerstoffmangel
- Bewusstseinstrübung bis hin zur Bewusstlosigkeit
- Kaum noch tastbarer Puls
- Untertemperatur (Hypothermie)
- Fehlende Urinproduktion (Anurie)
Wichtig bei Katzen: Anders als Hunde zeigen Katzen im frühen Schock häufig eine erniedrigte Herzfrequenz und keine Tachykardie. Dieser Unterschied kann die Erkennung erschweren und darf nicht als Entwarnung fehlgedeutet werden.
Diagnose
Die Diagnose wird primär klinisch gestellt – also durch die körperliche Untersuchung des Tieres. Der Tierarzt beurteilt Herzfrequenz, Pulsqualität, Schleimhautfarbe, kapilläre Rückfüllzeit, Atemfrequenz, Körpertemperatur und Bewusstseinslage. Diese Parameter ergeben zusammen ein klares Bild des Kreislaufzustands.
Ergänzend kommen weiterführende Untersuchungen zum Einsatz:
- Blutdruckmessung: Ein systolischer Blutdruck unter 90 mmHg gilt als Hypotension und bestätigt den Schockzustand.
- Blutgasanalyse: Gibt Aufschluss über den Sauerstoffgehalt im Blut und den Säure-Basen-Haushalt. Eine metabolische Azidose ist ein typischer Befund.
- Laktatmessung: Erhöhte Laktatwerte im Blut zeigen an, dass Gewebe unter Sauerstoffmangel leidet und anaerob arbeitet. Dieser Wert dient auch zur Verlaufskontrolle der Therapie.
- Blutbild und Organwerte: Hämatokrit, Gesamteiweiß, Nieren- und Leberwerte sowie Gerinnungsparameter helfen, Ursache und Schwere des Schocks einzuordnen.