Schonung
STiermedizin & Gesundheit > Erste Hilfe & Pflege
Definition & Überblick
Der Begriff Schonung bezeichnet in der Tiermedizin eine gezielte Einschränkung der körperlichen Aktivität eines Tieres, um Heilungsprozesse zu unterstützen, Schmerzen zu lindern und eine Verschlimmerung bestehender Erkrankungen oder Verletzungen zu verhindern. Schonung ist keine eigenständige Diagnose, sondern eine therapeutische Maßnahme, die bei einer Vielzahl von Erkrankungen des Bewegungsapparates, nach chirurgischen Eingriffen oder bei internistischen Krankheitsbildern verordnet wird.
Je nach Schweregrad der zugrunde liegenden Erkrankung reicht das Spektrum von relativer Schonung – also einer Reduktion der gewohnten Belastung – bis hin zur strikten Boxenruhe oder Käfigruhe, bei der das Tier über Wochen kaum Bewegung haben darf. Besonders häufig betroffen sind Hunde und Pferde, da diese Tierarten hohen Bewegungsanforderungen ausgesetzt sind und entsprechend häufig orthopädische Probleme entwickeln.
Die korrekte Umsetzung einer verordneten Schonung ist für den Behandlungserfolg oft genauso entscheidend wie die eigentliche medikamentöse Therapie oder ein chirurgischer Eingriff. Wird sie nicht eingehalten, drohen Rezidive, chronische Schäden oder ein vollständiges Therapieversagen.
Ursachen & Risikofaktoren
Schonung wird als therapeutische Maßnahme bei zahlreichen Erkrankungen und Zuständen notwendig. Die häufigsten Ursachen umfassen:
- Orthopädische Verletzungen: Frakturen (Knochenbrüche), Bänderrisse wie der Kreuzbandriss beim Hund, Luxationen (Gelenkausrenkungen), Sehnen- und Muskelzerrungen
- Postoperative Rekonvaleszenz: Nach Operationen am Bewegungsapparat (z. B. TPLO-Operation, Frakturversorgung mit Osteosynthese), nach Bauchoperationen oder Kastrationen
- Degenerative Gelenkerkrankungen: Arthrose, Spondylose, Hüftgelenksdysplasie (HD), Ellbogendysplasie (ED)
- Erkrankungen der Wirbelsäule: Bandscheibenvorfall (Diskopathie), Cauda-equina-Syndrom, Wobbler-Syndrom
- Internistische Erkrankungen: Herzerkrankungen, schwere Infektionskrankheiten, Fieber, Erschöpfungszustände
- Wundheilung: Offene Wunden, Verbrennungen, Hauttransplantationen
Risikofaktoren, die eine Schonung besonders dringlich machen, sind hohes Alter, Übergewicht (Adipositas), vorbestehende Gelenkprobleme und rassebedingte Prädispositionen. Große Hunderassen wie Deutsche Schäferhunde oder Labrador Retriever neigen beispielsweise häufiger zu Gelenkerkrankungen, die wiederholte Schonungsphasen erfordern können.
Symptome & Erkennung
Tiere zeigen von sich aus häufig ein natürliches Schonverhalten, das dem aufmerksamen Tierhalter als erstes Warnsignal dienen sollte. Typische Anzeichen dafür, dass ein Tier eine betroffene Körperregion schont, sind:
- Lahmheit (Claudicatio): Entlastung einer Gliedmaße im Schritt oder Trab, erkennbar am ungleichmäßigen Gangbild
- Schonhaltung: Vermeidung bestimmter Körperpositionen, Entlastung einer Gliedmaße im Stand, Aufkrümmen des Rückens
- Bewegungsunlust: Das Tier verweigert Spaziergänge, springt nicht mehr auf Möbel oder ins Auto, spielt nicht mehr
- Vermehrtes Liegen: Auffällig lange Ruhephasen, häufiger Positionswechsel beim Liegen
- Schmerzäußerungen: Winseln, Fiepen, Schreien bei bestimmten Bewegungen, Aggressivität bei Berührung
- Verändertes Aufstehverhalten: Mühsames, zögerndes Aufstehen, Steifheit nach Ruhephasen (sogenannte Anlaufschmerzen)
- Muskelatrophie: Bei längerer einseitiger Schonung wird die betroffene Gliedmaße dünner durch Muskelschwund
Katzen zeigen Schmerzen besonders subtil. Hier äußert sich Schonverhalten oft nur durch Rückzug, vermindertes Putzverhalten, Unsauberkeit oder Appetitlosigkeit. Ein geschultes Auge und die Kenntnis des normalen Verhaltens des eigenen Tieres sind entscheidend, um frühzeitig zu erkennen, dass etwas nicht stimmt.
Diagnose
Die Diagnose der Ursache, die eine Schonung erforderlich macht, erfolgt durch den Tierarzt mittels einer systematischen Untersuchung:
- Anamnese: Erhebung der Vorgeschichte – wann begann die Symptomatik, gab es ein auslösendes Ereignis, wie hat sich der Zustand entwickelt?
- Klinische Allgemeinuntersuchung: Beurteilung des allgemeinen Gesundheitszustands, Messung der Vitalparameter
- Orthopädische Untersuchung: Palpation (Abtasten) der Gelenke, Muskeln und Knochen, Prüfung des Bewegungsumfangs (Range of Motion), Provokationsproben (z. B. Schubladentest beim Verdacht auf Kreuzbandriss), Gangbildanalyse
- Neurologische Untersuchung: Überprüfung der Reflexe, Propriozeption (Eigenwahrnehmung der Gliedmaßen), Schmerzempfinden
- Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen zur Darstellung von Knochen und Gelenken, Ultraschall für Weichteilstrukturen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) für detaillierte Schnittbilder von Gelenken, Bandscheiben und Weichteilen
- Labor