Schürfwunde
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Definition & Überblick
Eine Schürfwunde (medizinisch: Exkoriation oder Abrasio) ist eine oberflächliche Verletzung der Haut, bei der die oberen Hautschichten – insbesondere die Epidermis und teilweise die Dermis – durch Reibung oder tangentiale Krafteinwirkung abgetragen werden. Im Gegensatz zu Schnitt- oder Bisswunden entsteht eine Schürfwunde nicht durch scharfe Gewalteinwirkung oder Penetration, sondern durch das Entlangschleifen der Haut über eine raue Oberfläche.
Schürfwunden zählen zu den häufigsten Verletzungen bei Haus- und Nutztieren. Sie betreffen vor allem Hunde, Katzen, Pferde und Kaninchen, treten aber grundsätzlich bei allen Tierarten auf. Obwohl Schürfwunden in den meisten Fällen harmlos sind und ohne Komplikationen abheilen, verdienen sie sorgfältige Beachtung: Die großflächig freiliegende Wundfläche bietet Bakterien und anderen Krankheitserregern eine ideale Eintrittspforte und kann bei mangelnder Versorgung zu ernsthaften Sekundärinfektionen führen.
Ursachen & Risikofaktoren
Schürfwunden entstehen durch mechanische Reibung der Haut an rauen oder abrasiven Oberflächen. Typische Ursachen sind:
- Stürze und Ausrutschen – etwa auf Asphalt, Beton, Schotter oder gefrorenem Untergrund
- Schleifen über den Boden – beispielsweise wenn ein Hund an der Leine stolpert oder ein Pferd im Galopp stürzt
- Reibung durch Ausrüstung – schlecht sitzende Halfter, Sättel, Geschirre oder Halsbänder, die bei Bewegung über die Haut scheuern (sogenannte Satteldruck- oder Gurtschürfungen)
- Kratzverhalten – exzessives Kratzen durch Juckreiz, Parasitenbefall oder Allergien führt zu selbst zugefügten Exkoriationen
- Transportverletzungen – Reibung an Boxenwänden, Anhängern oder Transportkäfigen
- Rangkämpfe und Spiel – oberflächliche Verletzungen durch Scheuern am Boden während Raufereien
Bestimmte Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Schürfwunden. Dazu gehören haararme oder nackte Hautstellen (etwa an Ellbogen, Sprunggelenken oder der Nase), hohes Aktivitätsniveau, ungeeigneter Untergrund im Lebensumfeld, dünne Haut bei geriatrischen Tieren sowie Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus, die die Hautbarriere schwächen.
Symptome & Erkennung
Schürfwunden sind in der Regel gut erkennbar, können jedoch bei dichtem Fell leicht übersehen werden. Typische Anzeichen umfassen:
- Oberflächliche Hautdefekte – sichtbare Abtragung der Oberhaut mit freiliegender, geröteter Dermis
- Punktförmige Blutungen – sogenannte Petechien, die aus den freiliegenden Kapillaren der Lederhaut entstehen; die Blutung ist meist gering und diffus, im Gegensatz zur stärkeren Blutung bei tieferen Wunden
- Seröse Exsudation – Austritt von klarer bis leicht gelblicher Wundflüssigkeit (Serum), die beim Eintrocknen eine dünne Kruste bildet
- Schmerzhaftigkeit – Berührungsempfindlichkeit im betroffenen Bereich, erkennbar an Abwehrreaktionen wie Zucken, Wegziehen oder Fauchen
- Verhaltensänderungen – vermehrtes Belecken oder Benagen der betroffenen Stelle, Lahmheit (bei Wunden an den Gliedmaßen), Unruhe oder reduzierte Aktivität
- Fellverlust – abgescheuertes oder verklebtes Fell im Wundbereich
Bei infizierten Schürfwunden treten zusätzlich Rötung und Schwellung der Wundumgebung, eitriges Sekret, Wärme, unangenehmer Geruch und gegebenenfalls Fieber auf.
Diagnose
Die Diagnose einer Schürfwunde erfolgt in erster Linie durch die klinische Untersuchung (Adspektion und Palpation). Der Tierarzt beurteilt dabei Lage, Ausdehnung und Tiefe der Wunde, das Ausmaß der Verschmutzung sowie mögliche Begleitverletzungen. Die Abgrenzung zu anderen Wundarten – insbesondere zu Riss-Quetsch-Wunden, thermischen Verbrennungen oder dermatologischen Erkrankungen wie der oberflächlichen Pyodermie – ist klinisch meist eindeutig.
In bestimmten Fällen sind weiterführende diagnostische Maßnahmen sinnvoll:
- Wundabstrich mit bakteriologischer Kultur – bei Verdacht auf Sekundärinfektion, um den verursachenden Erreger zu identifizieren und ein Antibiogramm zur gezielten Antibiotikatherapie anzufertigen
- Zytologische Untersuchung – zur Unterscheidung von infektiösen und neoplastischen Prozessen bei atypischem Erscheinungsbild
- Röntgenaufnahmen – bei Verdacht auf darunterliegende Knochen- oder Gelenkbeteiligung, etwa nach schweren Stürzen
- Blutuntersuchung – bei schlecht heilenden Wunden zur Abklärung systemischer Grunderkrankungen
Behandlung & Therapie
Die Versorgung einer Schürfwunde folgt den Grundprinzipien der offenen Wundbehandlung und umfasst mehrere Schritte:
Erste Hilfe durch den Tierhalter:
- Beruhigung des Tieres und gegebenenfalls Sicherung durch eine zweite Person
- Vorsichtiges Reinigen der Wunde mit lauwarmem, sauberem Wasser oder steriler Kochsalzlösung (NaCl 0,9 %)
- Entfernung grober Verschmutzungen wie Steinchen, Erde